Ärzte Zeitung, 26.12.2014

Boom oder Blase?

Die Prognosen der Profianleger für 2015

Seit dem Tief im Frühjahr 2009 haben Europas Börsen um mehr als 150 Prozent zugelegt. Das weckt Hoffnungen für das Jahr 2015. Oder was erwarten die Analysten?

Von Richard Haimann

Die Prognosen der Profianleger für 2015

Kursachterbahn - 2014 schwankte der deutsche Leitindex um bis zu 16 Prozent im Jahresverlauf.

© lassedesignen / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Aktienanleger mussten dieses Jahr gute Nerven haben: Viermal überschritt der Dax in den vergangenen zwölf Monaten die Schwelle von 10.000 Punkten, nur um anschließend jedes Mal wieder auf Talfahrt zu gehen. Um bis zu 16 Prozent schwankte der deutsche Leitindex im Jahresverlauf.

Die heftigen Kursausschläge zeigen, dass selbst Profiinvestoren, die mit einem Mausklick Aktien im Wert von Millionen Euro handeln, verunsichert sind, wie es an den Börsen weitergeht.

Dafür gibt es gute Gründe: Der Krieg in der Ukraine verschärft nicht nur die Spannungen zwischen Russland und den Nato-Staaten. Er dämpft auch die ohnehin schwache Konjunktur im früheren Zarenreich und in Europa.

"Die wirtschaftliche Belebung in Europa ist zu gering, um die hohe Arbeitslosigkeit in zahlreichen Ländern der gemeinsamen Währungszone schnell nach unten zu bringen", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

"Der Crash wird kommen"

Pessimisten unter den Kapitalmarktexperten halten deshalb die gegenwärtigen Aktienbewertungen für zu hoch und erwarten eine Korrektur. Unter ihnen sind die Börsenlegenden Marc Faber und Jeremy Grantham.

Der Schweizer Faber und der Brite Grantham haben mehrere Crashs rechtzeitig kommen sehen und dabei für die Kunden ihrer früheren Arbeitgeber soviel Geld verdient, dass beide eigene Investmentgesellschaften gründen konnten.

Jetzt warnen sie erneut vor einem kräftigen Einbruch: "Die Gefahr einer Korrektur steigt", mahnt Faber. Grantham sagt sogar: "Der Crash wird kommen." Er will deshalb die Aktienquote in seinem Fonds auf 20 Prozent zurückfahren, um nach dem Einbruch Papiere billig aufkaufen zu können.

Allerdings geht Grantham auch davon aus, dass die Aktienkurse zumindest bis in das Frühjahr hinein noch steigen werden. Die Notenbanken würden mit ihrer Niedrigzinspolitik zunächst die "Blase weiter aufblähen".

Die Fed in den USA und die Europäische Zentralbank (EZB) haben ihre Leitzinsen fast auf Null Prozent gesenkt. Jedoch hat die Fed aufgrund der Konjunkturerholung in den USA den Aufkauf von Staatsanleihen gestoppt und die Märkte auf eine leichte Zinserhöhung im neuen Jahr eingestimmt.

Hingegen will die EZB 2015 die Märkte mit noch mehr Geld fluten, um der Konjunktur in der Eurozone auf die Sprünge zu helfen. "Wir werden auch die kommenden Jahre in der Nullzinswelt zubringen", sagt DekaBank-Chefvolkswirt Kater.

Die Optimisten sehen deshalb die Aktienkurse weiter steigen. Denn durch die Geldpolitik der Notenbanken sind die Zinsen auf Sparkonten, Tages- und Festgeldanlagen sowie die Renditen von Staatsanleihen massiv gesunken.

"Zehnjährige Bundesanleihen werfen weniger als 0,8 Prozent ab", sagt Olgerd Eichler, Fondsmanager der Frankfurter Investmentgesellschaft MainFirst. "Dies ist für viele Kapitalmarktteilnehmer viel zu niedrig."

Institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen seien dadurch gezwungen, stärker in Aktien zu investieren, deren Dividendenrenditen zum Teil noch mehr als drei Prozent betragen.

Geringere Kosten für Konzerne

Nicolas Simar, Stratege bei ING Investment Management, hält zudem europäische Aktien nicht für über-, sondern für unterbewertet. Durch die niedrigen Zinsen hätten Konzerne viel geringere Finanzierungskosten.

Deshalb seien Umsätze und Gewinne zuletzt deutlich stärker gestiegen als erwartet. "Jetzt ist eine gute Gelegenheit zum Kauf europäischer Dividendentitel", sagt Simar.

Auch Philipp van Hove, Stratege der Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft Hansainvest, rät zum Kauf von Aktien, deren Unternehmen kontinuierlich Dividenden ausschütten.

Die Europäische Zentralbank werde mit ihren Maßnahmen 2015 für steigende Kurse sorgen, sagt van Hove. "Es dürfte viel Liquidität an den Markt kommen, die investiert werden will."

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