Ärzte Zeitung, 29.01.2015

Depot 2015

"Anleger müssen bereit sein, Risiken einzugehen"

In Zeiten niedriger Zinsen führt für Anleger kaum noch ein Weg an Aktien vorbei. Was im neuen Jahr ins Depot gehört, erklärt Klaus Niedermeier, Abteilungsleiter Asset Management bei der apoBank, im Interview mit der "Ärzte Zeitung".

Das Interview führten Hauke Gerlofund Marco Hübner

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Rollt der Euro weiter bergab? Anleger sollten zur Pflege ihres Depots wichtige Trends im Auge behalten.

© richterfoto / iStock.com

Ärzte Zeitung: Herr Niedermeier, privat geht es zu Jahresbeginn oft ums Abspecken. Gilt das auch für das Anlagedepot 2015?

Klaus Niedermeier: Nein, gerade nicht! Depot abspecken ist auf keinen Fall die richtige Strategie. Geld unterm Kopfkissen ist die falsche Methodik.

Damit lässt sich keine Rendite erzielen. Wichtig ist eine weitere Diversifikation, also eine breitere Streuung des Depots - aber Anleger müssen auch bereit sein, ganz bewusst Risiken einzugehen.

Was heißt das ganz konkret?

"Anleger müssen bereit sein, Risiken einzugehen"

Klaus Niedermeier

© apobank

Niedermeier: Zuerst bedeutet es, dass Aktien ins Portfolio gehören, denn in der Niedrigzinsphase sind gute Alternativen zu Aktien tatsächlich rar. Damit nimmt man Risiken ins Depot, aber ohne Risiken gibt es keine Renditen.

Wer aber die Werte gut streut - über Fonds und auch über unterschiedliche Regionen und Branchen - ist, wenn einmal ein Papier oder eine Branche schlecht läuft, ganz gut abgesichert. Anderswo fallen dann ja Gewinne an, die etwaige Verluste ausgleichen.

Wie hoch sollte denn die Aktienquote in einem Portfolio sein?

Niedermeier: Das hängt von Ihrem Risikobewusstsein ab. Wir unterscheiden in der Beratung nach drei Risikogruppen. Bei einem defensiv angelegten Depot empfehlen wir 30 Prozent Aktien und den Rest festverzinsliche Wertpapiere.

In ausgewogenen Depots gewichten wir in etwa gleich, und offensiven Anlegern empfehlen wir eine Aktienquote von 70 Prozent.

Würden Sie Anlegern auch Investitionen in Einzelwerte empfehlen?

Niedermeier: Das hängt von der Größe des Depots ab. Bei einem Anlagevolumen von 100.000 Euro kann man zusätzlich zu den Fonds auch ausgewählte Einzeltitel nehmen.

Gibt es regionale Schwerpunkte, die mehr Gewinn versprechen als andere?

Niedermeier: Da sind zum einen die klassischen Felder, Europa und USA. Aber auch die Emerging Markets, also Schwellenländer auf dem Weg zu Industrienationen, versprechen gute Renditen. Wir favorisieren derzeit vor allem Asien und den pazifischen Raum.

Sehen Sie trotz der großen Steigerungen im vergangenen Jahr noch Potenzial in den USA?

Niedermeier: Durchaus. Zum einen erwarten wir keinen drastischen Zinsanstieg in den USA, allenfalls um einen halben oder einen Prozentpunkt. Das heißt, der Gegenwind auf dem Aktienmarkt ist nicht allzu stark.

Und selbst wenn die Kurse nicht so stark steigen: Fünf Prozent Rendite wären bei den niedrigen Zinsen immer noch nicht so schlecht.

Und da die Europäische Zentralbank weiterhin eher eine lockere Geldpolitik verfolgen wird, können Anleger in US-Werte auch vom Anstieg des Dollarkurses profitieren und damit rechnen, Währungsgewinne mitzunehmen.

Im vergangenen Jahr hatten viele Experten Staatsanleihen schon abgeschrieben. Am Ende gingen die Zinsen noch weiter runter, die Kurse stiegen nochmals kräftig. Wie sehen Sie die Entwicklung in diesem Jahr?

Niedermeier: 2014 sind tatsächlich viele bei Staatsanleihen auf dem falschen Fuß erwischt worden. Ich glaube aber nicht, dass sich das fortsetzen wird.

Wir rechnen trotz der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank insgesamt mit steigenden Renditen, und das wird sich auf die Kursentwicklung der alten Papiere auswirken.

Auch bei Anleihen können Anleger im Übrigen versuchen, vom zu erwartenden Kursanstieg des US-Dollar zu profitieren, indem sie im Dollarraum investieren.

Im Rentenbereich lässt sich die Rendite durch Beimischung einiger Papiere mit schlechterer Bonität, zum Beispiel High Yield, oder etwa mit Anbietern aus den Schwellenländern möglicherweise auch erhöhen. Auch das bringt natürlich Risiken mit sich.

Welche Branchen sehen Sie als aussichtsreich für Anleger an?

Niedermeier: Wir glauben, dass sich die Wirtschaft weiter nach oben bewegen wird. Damit sind zum einen konjunkturzyklische Branchen interessant, etwa Technologie oder auch Automobil, wenn Sie selektiv vorgehen.

Nach wie vor attraktiv ist auf jeden Fall die Gesundheitsbranche. Hier sehen wir vor allem drei Treiber für die Pharmaindustrie in den kommenden Jahren: Biosimilars, Orphan Drugs und bei Onkologika vor allem die Immun-Onkologie.

Wie können Anleger gezielt davon profitieren?

Niedermeier: Sie können in forschende Arzneihersteller investieren, die in den genannten Bereichen aktiv sind, oder auch in größere Generikahersteller, die eigene Biosimilars entwickeln, die erheblich höhere Investitionen erfordern als herkömmliche Generika.

Hier laufen in den kommenden Jahren Patente bei den Originalpräparaten aus, mit denen derzeit ein Umsatz von rund 30 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet wird.

Eine ganz breite Streuung ist über den MSCI World Health Index möglich, wobei der die gesamte Gesundheitsbranche umfasst, nicht nur Pharma.

Gerade im Gesundheitssektor tritt die apoBank auch als Anbieter eigener Fonds auf. Der Apo Medical Opportunities zum Beispiel hat sich in den vergangenen Jahren stets gut entwickelt.

Im Frühjahr kommen wir mit einem neuen, etwas defensiver aufgestellten Fonds auf den Markt: Apo Medical Balance.

Müssen sich Anleger, die höhere Risiken eingehen, nicht intensiv um ihre Geldanlage kümmern, damit sie nicht von negativen Entwicklungen überrascht werden? Und wie sollen das gerade Ärzte leisten, die ohnehin wenig Zeit haben.

Niedermeier: Geldanlage ist ein wichtiges Thema - aber nicht jeder Anleger muss in der Lage sein oder die Zeit haben, Bilanzen zu lesen.

Bei großen Trends ist es auf jeden Fall gut, im Bilde zu sein, aktuell zum Beispiel über den steigenden Dollarkurs und die sich anbahnende Zinswende in den USA.

Bei der Einschätzung, welche Risiken im Depot sind und um diese im Auge zu behalten, lohnt es sich jedoch oftmals eher, auf das Wissen von Experten zurückzugreifen.

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Finanzen/Steuern (10401)

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