Ärzte Zeitung, 16.02.2015

Profit in Aussicht

Der Ölpreis zieht wieder an

Der Ölpreis steigt wieder - mit Aktien von Förderkonzernen können Anleger an der Trendwende partizipieren und attraktive Dividenden erzielen.

Von Richard Haimann

Der Ölpreis zieht wieder an

SteigendeÖlpreise ärgern den Verbraucher. Als Anleger lässt sich aber vielleicht gutes Geld verdienen,

© Frank May/dpa

NEU-ISENBURG. Der Ölpreis zieht wieder an. Mit Aktien von Fördergesellschaften können Anleger von einer Trendwende beim schwarzen Gold profitieren.

Es klang wie eine Drohung - und war auch so gemeint: "Einen Preis von 100 US-Dollar pro Barrel werden wir so schnell nicht wieder sehen", sagte Saudi-Arabiens Ölminister Ali al-Naimi im vergangenen Spätherbst.

Noch vor einem Jahr hatte ein 159-Liter-Fass des schwarzen Goldes bei dieser Marke notiert. Seither allerdings hat sich der Ölpreis in der Spitze halbiert.

Produktion stärker als Nachfrage

Für den Preiseinbruch gibt es einen guten Grund: Weltweit ist die Ölproduktion im vergangenen Jahr deutlich stärker gestiegen als die Nachfrage. Fördergesellschaften in den USA und Kanada haben mit dem umstrittenen Fracking und der Ausbeutung von Teersanden immer größere Mengen des Rohstoffs aus dem Boden geholt.

Wurden 2013 weltweit täglich 90,2 Millionen Fässer pro Tag gefördert, waren es im vergangenen Jahr nach einer Studie des US-Energieministeriums 92,2 Millionen Fässer.

Gleichzeitig ist der globale Verbrauch jedoch kaum noch gewachsen, weil neue Automobile, Lastwagen, Flugzeuge und Schiffe deutlich sparsamere Motoren haben als in der Vergangenheit.

Hinzu kommt, dass in weiten Teilen Europas die Konjunktur darniederliegt. Die hohe Arbeitslosigkeit in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal hat dazu geführt, dass viele Menschen nicht mehr Auto fahren.

In der Vergangenheit hatten die Mitgliedsländer der Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC) jedes Mal ihre Förderung massiv zurückgefahren, wenn der Ölpreis unter Druck geriet. Diesmal jedoch haben die Mitgliedsstaaten die Pumpen nicht gedrosselt.

Was auf den ersten Blick unsinnig erscheint, ist tatsächlich höchst clever: "Fracking und die Ölgewinnung aus Teersanden ist nur bei Preisen oberhalb von 70 US-Dollar pro Barrel rentabel", sagt Ray Perryman, Vorstandschef der texanischen Beratungsgesellschaft Perryman Group.

In dem die OPEC-Nationen weiter kräftig förderten, trieben sie den Preis nach unten und zwangen etliche Fördergesellschaften in den USA und Kanada in die Insolvenz. Große Konzerne wie Chevron und Royal Dutch Shell wiederum legten die geplante Erschließung weiterer Ölfelder vorläufig auf Eis und drosselten die Produktion.

Allein in den USA wurden in den vergangenen drei Monaten 1366 Bohrtürme stillgelegt. "Tausende Mitarbeiter in der amerikanischen Ölindustrie wurden entlassen", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.

Aktienkurse steigen wieder

Das wirkt sich jetzt auf den Ölpreis aus: Seit Mitte Januar stieg die Notierung der Nordsee-Sorte Brent von 47,5 US-Dollar pro Barrel auf 58 US-Dollar.

Das leichte, schwefelarme Öl der Sorte West-Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich im selben Zeitraum um 20 Prozent auf mehr als 52 US-Dollar pro 159-Liter-Fass. Das US-Energieministerium prognostiziert, dass der Durchschnittspreis dieses Jahr auf knapp 58 US-Dollar und 2016 auf 75 US-Dollar pro Barrel steigen wird.

Auf eine Fortsetzung des Preisanstiegs setzen auch Börsianer. Die im vergangenen Jahr unter Druck geratenen Aktienkurse der Ölgesellschaften zogen seit Jahresbeginn wieder an. Das liegt auch daran, dass die Konzerne trotz des Einbruchs bei den Rohölnotierungen 2014 genug Geld verdient haben, um ihre Dividenden halten zu können.

Das macht die Papiere für Anleger interessant, die davon ausgehen, dass der Ölpreis künftig zumindest leicht steigt. Sie haben nicht nur die Chance, Kursgewinne zu erzielen, sondern profitieren auch von hohen Ausschüttungen.

Bei der Aktie des britischen Ölkonzerns BP und der französischen Total beträgt die Dividendenrendite beim gegenwärtigen Kursniveau jeweils mehr als sechs Prozent, bei der niederländischen Royal Dutch Shell sind es mehr als 5,7 Prozent, beim US-Konzern Chevron immerhin knapp über vier Prozent.

Die meisten Kaufempfehlungen von Analysten gibt es derzeit für die Dividenden-Spitzenreiter: BP und Total.

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