Ärzte Zeitung, 25.08.2015

Anlagen-Kolumne

Handel per Computer hat Nebenwirkung

Handel per Computer hat Nebenwirkung

Von Gottfried Urban

Die Nachrichtenlage in der Eurozone hat sich eigentlich entspannt. Griechenland bekommt wieder Geld. Der tendenziell feste US-Dollar und die gefallenen Rohstoffpreise sollten der europäischen Konjunktur eher helfen.

Der Dax verliert dennoch in vier Monaten über 2000 Punkte. Ein Punkterückgang wie zuletzt in 2011. Dazu noch die statistisch schlechten Börsenmonate August und September.

Der Auslöser für die Einbrüche wird mit den Sorgen um China begründet. Wer ist nun Schuld, dass sich die Talfahrt ohne neue Nachrichtenlage so beschleunigt hat? Es ist vor allem die Vollautomatik, die immer mehr Marktteilnehmer für ihre Börsengeschäfte nutzen. Damit können Entscheidungen schließlich an den Computer übertragen werden.

Anleger wollen eine Verlustbegrenzungs- oder Gewinnsicherungsautomatik eingebaut haben. Genau der verstärkte Wunsch nach der Absicherung vor großen Kursverlusten löst aber eine trendverstärkende Bewegung an den Märkten aus.

Der finale Ausverkauf des Dax startet nicht etwa wegen neuer Nachrichten. Bei 10.900 Punkten verlief eine viel beachtete Trendlinie. Fallen Indexstände unter die 200 Tagestrendlinie, dann werden Verkaufsprogramme ausgelöst. Man spricht von übergeordneten Signalen. Zur Optimierung werden Toleranzzonen programmiert, die immer auf Vergangenheitssimulationen beruhen.

Nachdem der Markt unter diese Marke gefallen war, erlebte der Dax einen Ausverkauf. Innerhalb von zwei Börsentagen fiel der Markt um weitere 600 Punkte. Je mehr Marktteilnehmer diese Signale zum Ein- bzw. Ausstieg nutzen, umso nutzloser werden diese. Sie müssen immer wieder neu optimiert werden.

Privatanleger sollten sich bei den Einzelaktien oder bei Aktienfonds auf andere Strategien konzentrieren. Der erfolgreichste Anleger aller Zeiten, Waran Buffet, ist nicht durch den Computerhandel reich geworden. Er schaut sich gute Unternehmen an und investiert langfristig.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »