Ärzte Zeitung, 13.10.2015

Kapitalgeber gesucht

Rendite für private Immobilienkredite

Projektentwickler buhlen bei Privatanlegern um Kapital für neue Immobilienvorhaben. Die Investments über Anleihen und Crowdfunding-Plattformen können attraktive Renditen abwerfen. Sie sind aber nicht ohne Risiko.

Von Richard Haimann

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Sparschwein ade: Erspartes können Anleger in Crowdfunding-Projekte stecken. Es locken hohe Renditen.

© freshidea / Fotolia.com

NEU-ISENBURG. Das Wagnis hat sich gelohnt: Anleger, die am 18. Mai dieses Jahres über die Schwarmfinanzierungs-Plattform Mezzany dem Projektentwickler Alt & Kelber Immobilien ihr Geld für die Umwandlung einer alten Glockengießerei in Berlin-Neukölln in eine Wohnanlage anvertraut haben, erhalten es nun vorzeitig mit einer Rendite von 5,349 Prozent zurück.

"Aus 10.000 Euro wurden in nur drei Monaten 10.534,90 Euro", rechnet Mezzany-Geschäftsführer Jens-Uwe Sauer vor.

Möglich geworden ist dies, weil Alt & Kelber die Immobilie mit ihren 20 Wohnungen jetzt bereits lange vor Fertigstellung an einen Investor veräußern konnte. "Der frühe Verkauf wurde auch durch die erhöhte Aufmerksamkeit ermöglicht, die uns die Platzierung der Anleihe auf der Crowdfunding-Plattform beschert hat", sagt Prokurist Marcus Tröger.

Internet als Investmentplattform

Die Idee des Crowdfunding ist simpel: Unternehmen präsentieren ihr Vorhaben auf einer Plattform im Internet. Sie hoffen darauf, dass genügend Interessenten aus dem Schwarm der Internetsurfer - englisch: Crowd - sich daran als Kreditgeber beteiligen.

Geht das Geschäft auf, erhalten die Anleger ihr Kapital samt Zinsen zurück. Scheitert das Vorhaben, ist das investierte Geld verloren. "Anleger müssen sich bewusst sein, dass sie das Risiko eines Totalverlusts tragen", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

In der Vergangenheit haben vor allem Start-up-Unternehmen versucht, so an Kapital zu gelangen. Jetzt entdecken auch gestandene Projektentwickler das Crowdfunding für sich. Sie emittieren über die Plattformen Anleihen zu Stückelungen ab 1000 Euro, die allerdings nur nachrangig besichert sind.

Alt & Kelber ist seit mehr als 25 Jahren am Markt, arbeitet seit langem mit renommierten Immobilieninvestoren zusammen. Auch der Hamburger Projektentwickler HIPE hat bereits etliche Objekte hochgezogen.

Für ihr jüngstes Vorhaben, den Bau eines luxuriöses Mehrfamilienhauses mit zehn Eigentumswohnungen im Nobelstadtteil Rotherbaum, haben sich die Hanseaten gerade 2,1 Millionen Euro bei Privatanlegern über die - wie Mezzany - ebenfalls nur auf Immobilien spezialisierte Plattform Exporo besorgt.

Bankdarlehen nur gegen hohe Zinsen

Was die Plattformen für die Projektentwickler so interessant macht: Banken sind vorsichtig mit Krediten bei Neubauvorhaben, weil es bislang keine Mieter gibt. Sie reichen deshalb Darlehen nur gegen hohe Zinsen aus.

Hingegen konnte sich HIPE das Startkapital über Exporo für einen Zinssatz von vergleichsweise niedrigen sechs Prozent bei Privatanlegern besorgen. "Crowdinvesting hat im Immobilienbereich eine große Zukunft", sagt deshalb Exporo-Vorstand Julian Oertzen.

Aktuell versucht der Buxtehuder Projektentwickler Wernst Immobilien, seit 28 Jahren am Markt, über Exporo 1,25 Millionen Euro als Kredit von Privatanlegern für den Bau von 50 Eigentumswohnungen in Hamburg-Eidelstedt einzuwerben. Der Zinssatz beträgt sechs Prozent, die Laufzeit des Darlehens zweieinhalb Jahre.

Auf der Plattform Mezzany sollen demnächst neue Finanzierungsvorhaben eingestellt werden. "Anleger können sich schon jetzt anmelden, um exklusive Informationen zu künftigen Anleihen zu erhalten", sagt Mezzany-Chef Sauer.

Eine Alternative zu den Plattformen sind Finanzierungsangebote der Münchner Dr. Bauer Vermögensmanagement. Die Gesellschaft vermittelt über ihre Tochter DBC Finance Inhaberteilschuldverschreibungen von Projektentwicklern und prüft dabei vorab die Vorhaben.

Die Mindestbeteiligung beträgt dabei 10.000 Euro. "Zur Risikoreduzierung können Anleger ihr Kapital über mehrere Projekte streuen", sagt Dr.-Bauer-Vermögensverwalter Frank Walter.

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