Ärzte Zeitung, 29.01.2016

Therapie für die Börsen

Arzneititel als gesunde Anlage

Bei den jüngsten Börsenturbulenzen sind auch Pharmaaktien unter die Räder gekommen. Analysten sehen darin eine Chance, jetzt günstig in diese Titel einzusteigen.

Von Richard Haimann

Arzneititel als gesunde Anlage

Aktien von Pharmaherstellern bieten Anlegern aktuell Chancen auf Rendite.

© blobbotronic / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Sorgen um ein schwächeres Wirtschaftswachstum in China und die erste Leitzinserhöhung in den USA seit sieben Jahren haben die Börsen in den vergangenen Wochen beben lassen. Aktien von Pharmaherstellern gerieten dabei besonders stark unter Druck.

Denn die Demokratin Hillary Clinton, die Barack Obama als neue Präsidentin beerben will, hatte lauthals angekündigt, den "übertriebenen Preiserhöhungen der Konzerne ein Ende" zu bereiten.

Da alle großen börsennotierten Branchenunternehmen in den USA einen wesentlichen Teil ihrer Umsätze und Einnahmen erzielen, habe dies "die Kurse von Pharma-Aktien noch weiter ins Minus getrieben", sagt Christophe Eggmann, Fondsmanager der Zürcher Investmentgesellschaft GAM.

Eggmann und etliche andere Strategen kommt der Kursrutsch wie gerufen. Sie sehen darin die Chance, günstig an Branchentitel zu gelangen. Dass die Gewinne der Pharmakonzerne nach einem Wahlsieg Clintons in den USA drastisch beschnitten würden, glaubt der Fondsmanager indes nicht.

Demografiewandel treibt Pharma

"Die Wahrscheinlichkeit, dass der von Republikanern dominierte US-Kongress die Branche in Bezug auf die Preissetzung stärker reguliert, erscheint sehr niedrig." Die Republikaner dürften - egal, wie die Präsidentschaftswahl am 8. November ausfällt - auch weiterhin die Mehrheit im Kapitol haben.

Denn aufgrund der sechsjährigen Wahlperiode in den einzelnen US-Bundesstaaten werden alle zwei Jahre jeweils nur ein Drittel der 100 Senatoren neu gewählt.

Viel entscheidender als die in US-Wahlkämpfen üblichen Forderungen der Demokraten nach einer Kappung der Medikamentenpreise seien die langfristigen Perspektiven der Branche, sagt Eggmann.

Und die sehen sehr gut aus, wie eine neue Studie der New Yorker Unternehmensberatungsgesellschaft Deloitte zeigt. Danach wird der Medikamentenabsatz weltweit bis 2019 jährlich um 4,3 Prozent wachsen, der Markt für Medizintechnik um 4,1 Prozent.

Hoffnungsträger Mittelschichten

Der wichtigste Grund dafür: In den Industrienationen Europas, Nordamerikas sowie in Japan, Australien und Neuseeland wächst in den kommenden Jahren die Zahl der Senioren rapide - und damit jene Bevölkerungsgruppe, die überproportional häufig auf Medikamente angewiesen ist.

"Aktien aus dem Pharmasektor sind wegen der überdurchschnittlichen Gewinnerwartung der Unternehmen interessant", sagt deshalb Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

Erhebliches Wachstumspotenzial für die Branche bietet zudem die starke Konjunkturentwicklung in den Schwellenländern. "Allein in Asien soll die Zahl der Angehörigen der Mittelschicht bis 2030 von 600 Millionen auf drei Milliarden Menschen wachsen", sagt Gottfried Urban, Vorstand des Anlageverwalters Bayerische Vermögen.

"Entsprechend wächst damit auch die Zahl potenzieller Patienten, die sich höherwertige Medikamente leisten können."

Analysten der New Yorker Investmentbank Jeffries erwarten bereits in diesem Jahr deutliche Gewinnanstiege bei großen Pharmaunternehmen. Denn etliche Branchenriesen haben zuletzt kleinere Mitbewerber übernommen.

Der US-Konzern Pfizer legte jüngst 160 Milliarden US-Dollar für den Wettbewerber Allergan hin. Der britisch-schwedische Wettbewerber AstraZeneca übernahm die Biotech-Spezialisten Acerta Pharma in den Niederlanden und ZS Pharma in Kalifornien.

Diese Übernahmen würden zu hohen Kosteneinsparungen führen und damit die Erträge der neuen Eigentümer stärken, meinen die Jeffries-Experten.

Anleger können in Pharmawerte investieren, indem sie Aktien einzelner Unternehmen erwerben. Um die Chancen zu erhöhen und die Risiken zu senken, bieten sich Pharmafonds an, die in Papiere zahlreicher ausgewählter Konzerne investieren. Um die Ausgabeaufschläge von bis zu fünf Prozent zu sparen, können Fondsanteile über die Börsen erworben werden.

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