Ärzte Zeitung, 13.09.2016

China

Neue Seidenstraße verleiht Rohstoff-Aktien neue Fahrt

Gigantische Infrastrukturprojekte in Fernost treiben die Nachfrage nach Bodenschätzen. Scherheitsbewusste Anleger können Chancen der Entwicklung nutzen.

Von Richard Haimann

Neue Seidenstraße verleiht Rohstoff-Aktien neue Fahrt

Shanghais Überseehafen: Chinas Bedarf an Rohstoffen zum Ausbau der Infrastruktur ist gewaltig.

© patrick / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Es ist ein Billionenprojekt: Fernstraßen, Bahnlinien, Öl- und Gaspipelines - Chinas Regierung will mit Macht die historischen Handelswege aus dem Reich der Mitte quer durch Asien nach Europa wiederbeleben.

"Die neue Seidenstraße ist das größte Investitionsprogramm, seit die US-Regierung nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Marshallplan Westeuropa wieder aufgebaut haben", sagt Steen Jakobsen, Chefökonom der Saxo Bank. Allein für den Ausbau des Karakorum Highways von Xinjiang im Nordwesten Chinas zum Ufer des Indischen Ozeans in Pakistan, wendet Peking derzeit knapp 50 Milliarden Euro auf.

Mit dem gigantischen Vorhaben will China die Staaten in Zentralasien politisch und wirtschaftlich enger an sich binden, schnellere Transportwege zu den Exportmärkten in Europa schaffen und die Umweltbelastung im eigenen Land drastisch reduzieren.

"China wandelt sich von der verlängerten Werkbank der westlichen Welt zu einer Dienstleistungsgesellschaft", sagt Rudolf Tschopp, Partner und Verwaltungsrat der Zürcher Diener Syz Real Estate, die auf Immobilieninvestments in Asien spezialisiert ist.

Chinesische Konzerne sollen in den kommenden Jahren wesentliche Teile ihrer Textil- und Stahlproduktion in die asiatischen Niedriglohnländer verlagern. Neue Arbeitsplätze will Peking künftig vor allem im Finanz-, High-Tech- und Industrie-Sektor schaffen.

Nutznießer Bergbau-Konzerne

Zu den Nutznießern zählen nicht nur chinesische Unternehmen, sondern auch die drei größten Bergbau-Konzerne der Welt, die britische Anglo American sowie die australischen Mitbewerber BHP Billiton und Rio Tinto und der Schweizer Rohstoffhändler Glencore.

Denn weil China immer mehr Asphalt, Beton und Stahl für die Bauvorhaben benötigt, ziehen weltweit die Preise für deren Basisrohstoffe wie Erdpech, Eisenerz, Kalkstein, Kies, Sand und Ton an.

"China hat allein in den vergangenen drei Jahren mehr Zement verbaut, als die USA in den letzten 100 Jahren", macht Clemens Kustner, Geschäftsführer der Linzer Vermögensverwaltungsgesellschaft Aspoma, die Dimension deutlich.

Das treibt nun auch die Börsennotierungen der Rohstoffkonzerne. Der Aktienkurs von Anglo American stieg in den vergangenen drei Monaten um 51 Prozent, Glencore gewann 47 Prozent.

Selbst BHP Billiton gewann in den vergangenen drei Monaten 26 Prozent, obwohl Abschreibungen auf das darniederliegende Schiefergasgeschäft in den USA dem Konzern im Ende abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von knapp 5,7 Milliarden Euro bescherte.

Mittelfristig könnte das Seidenstraßen-Projekt in Fernost auch die Staaten in Europa und die USA zwingen, ihre veralteten Autobahnen und Schienenverbindungen schneller auf Vordermann zu bringen als zurzeit noch geplant. Dies würde die Nachfrage nach den entsprechenden Rohstoffen noch weiter forcieren und den Branchenunternehmen weitere Zuwächse bescheren.

"Wenn die entwickelte Welt nicht mehr Geld in ihre zunehmend marode Infrastruktur pumpt und China seine hohe Quote beibehält, werden Europa und Nordamerika zum Schaden ihrer Unternehmen ins Hintertreffen geraten", sagt Kustner.

Einzelwerte nicht zwingend

Um an Pekings Billionenprojekt zu partizipieren, müssen Anleger nicht zwingend in Aktien einzelner Konzerne investieren. Der von der Bremer Landesbank aufgelegte und von deren Chefökonom Folker Hellmeyer gemanagte BLB-Global-Opportunities-Fonds (ISIN LU1338307660) spielt in seiner Anlagestrategie auch das Thema neue Seidenstraße.

Der börsennotierte Indexfonds (ETF) Comstage CBK Commodity Ex Agriculture (LU1275255799) bildet einen von der Commerzbank entwickelten Index von Rohstoffwerten exakt nach. Im Gegensatz zu den meisten anderen Rohstoff-Fonds und -ETF sind nur Bodenschätze, nicht aber landwirtschaftliche Produkte wie Mais oder Kaffee in diesem Index enthalten.

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