Ärzte Zeitung, 18.03.2010

Kommentar

Identifikationsfigur und Ratgeber

Von Matthias Wallenfels

Marathonläufe sind mit Sicherheit nicht das Erste, was einem beim Brainstorming zur weiteren Ausgestaltung der Praxismanagementstrategie spontan in den Sinn kommt. Dennoch sollten sie nicht sofort aus der Ideensammlung gestrichen werden, wenn die einzelnen Vorschläge einer näheren Analyse unterzogen werden. Marathons eignen sich zumindest für Ärzte, die selbst passionierte Läufer sind, um ihr persönliches Steckenpferd in den Praxisalltag zu integrieren.

Sie können Patienten, die mit der Teilnahme an einem solchen Sport-Event liebäugeln, aber noch keineswegs fit dafür sind, als Identifikationsfigur dienen. Diese Zielgruppe wird Ärzten, die selbst die Strapazen eines Marathons kennen, Ratschläge viel eher abnehmen, als wenn ihnen ein als unsportliches Ebenbild empfundener Ratgeber gegenüber sitzt.

Diese Patienten werden dann wahrscheinlich auch kein Problem damit haben, wenn sie für die kompetente Beratung ärztlicherseits einen Obolus entrichten müssen, sprich: sie das Coaching als IGeL erfahren. Bei der Marathonvorbereitung stehen Praxen übrigens viele Optionen offen. So können Praxischefs auch mit Fitnessstudios kooperieren, um die Patienten auf ihre sportliche Herausforderung vorzubereiten.

Lesen Sie dazu auch den Gastbeitrag:
Lust am Marathon bringt auch Ärzten Arbeit

[18.03.2010, 17:41:56]
Dr. Dieter Kleinmann 
Marathon und Praxis
Bei 30-jähriger Marathonerfahrung hat sich mir zur Motivation meiner Patienten bewährt, meine Startnummern von großen nationalen und internationalen Marathonläufen an einer Praxiswand anzubringen. Die Patienten vergessen die Wartezeit und studieren die Startnummern. Wo war er dieses oder letztes Jahr? Marathon Berlin, Hamburg, München, Paris, London, Athen, Jungfrau-Maraton, Swissalpine Davos, New York, San Franzisko, Boston, Honkong, Honolulu, Two Oceans-lauf Kapstadt, 100 km Biel usw., also laufend die Welt sehen, neben den gesundheitlichen Auswirkungen in jeder Hinsicht ein attraktives Ziel. Vor allem sportlich orientierte Patienten haben Vertrauen, kommen gern und lassen sich beraten, untersuchen und gegebenenfalls behandeln. Neben der lange bekannten anthiatherosklerotischen Wirkung mit Blutdruck-, Katecholamin- und Glukosesenkung mit Beseitigung einer Insulinresistenz (falls vorhanden), Steigerung des HDL-Cholesterins bei gleichzeitiger Gewichtsnormalisierung sowie Verbesserung der Endothelfunktion mit vermehrter NO-Bildung sind in letzter Zeit auch positive Effekte auf die Hirnleistung und aktuell auch auf die Telomerlänge und die Telomerase (2009 Nobelpreis) und damit eine Verzögerung der Zellalterung durch Ausdauersport festgestellt worden. Nicht verschweigen möchte ich gelegentliche „Nebenwirkungen“ durch ein Lauftraining, die oft schon durch eine kompetente Beratung zu behandeln bzw. vermeidbar sind, siehe Kleinmann, D.: LAUFNEBENWIRKUNGEN, vom Ermüdungsbruch zum plötzlichen Herztod. Was können Sie dagegen tun? Deutscher Ärzte-Verlag Köln, 2. Auflage 2009.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Dieter Kleinmann
Internist/Sportmedizin
Frisonistr. 7
70736 Fellbach
E-Mail: dr.kleinmann@vr-web.de

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