Ärzte Zeitung, 17.02.2012

KV Hessen genervt vom "IGeL-Bashing"

Das Kassenportal "IGeL-Monitor" hat eine hitzige Debatte entfacht, denn das Portal ist alles anderes als unumstritten. Die KV Hessen bittet zu mehr Sachlichkeit und warnt vor "IGeL-Bashing".

"IGeL-Bashing":   KV Hessen mahnt mehr Sachlichkeit an

FRANKFURT/MAIN (maw). Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) mahnt zu mehr Sachlichkeit in der Debatte um die angebliche Sinnlosigkeit verschiedener Selbstzahlerleistungen.

Maßgeblich ausgelöst wurde die seit Wochen schwelende Diskussion durch die Freischaltung des gemeinsam vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) und dem GKV-Spitzenverband ins Leben gerufene Online-Portal www.igel-monitor.de (wir berichteten).

Die aus ihrer Sicht teils unreflektierte, pauschale Kritik an IGeL in Arztpraxen klassifiziert die KVH in einer Mitteilung als "IGeL-Bashing".

"Was wir in den letzten Wochen erleben, hat nur noch wenig mit einer sachlichen Auseinandersetzung zu tun", so die KVH-Chefs Frank-Rüdiger Zimmeck und Dr. Gerd W. Zimmermann.

Patient muss im Vordergrund stehen

"Undifferenziertes Verdammen teilweise durchaus sinnvoller medizinischer Zusatzleistungen führt zu einer Belastung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient und nützt somit niemandem."

Beim IGeLn müsse selbstverständlich der Patient mit seinen Beschwerden bzw. den Möglichkeiten, ihm zu helfen, im Vordergrund stehen.

"Wer die individuellen Gesundheitsleistungen als Chance nutzt, sein Praxiseinkommen wider besseres medizinisches Wissen aufzustocken, riskiert eine nachhaltige Schädigung des Vertrauensverhältnisses zu seinen Patienten", warnt das Duo.

Andererseits sei es unstrittig, dass viele Leistungen, die mittlerweile selbstverständlich zum GKV-Leistungskatalog gehören, zuvor als IGeL erprobt wurden.

"Zum Beispiel das Hautkrebsscreening wurde über Jahre als Selbstzahlerleistung erprobt und dann vom Gemeinsamen Bundesausschuss in die Regelversorgung integriert. Gleiches gilt für die Akupunktur. Wer also vorschnell alle IGeL als Scharlatanerie brandmarkt, behindert letztendlich den medizinischen Fortschritt", ergänzt das Duo.

[17.02.2012, 17:32:47]
Bernhard Behrens 
"IGeL" von Leistungen der GKV
Viel schlimmer ist es, wenn Leistungen der GKV ge-igelt werden mit der Begründung, die Kasse würde das nicht zahlen. Das ist gang und gäbe bei Urologen, die Diagnostik, Beratung, Behandlung bei erektiler Dysfunktion (ED) auf diese Art privat abrechnen. Bis auf Arzneimittel gegen ED ist alles andere Leistung der GKV. Auch das Medikament (Alprostadil) für den SKIT/Sono/Farbdoppler ist nach der Arzneimittel-Richtlinie ausdrücklich als Diagnostikum verordnungsfähig.

Bernhard Behrens
Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)
www.impotenz-selbsthilfe.de
kontakt@impotenz-selbsthilfe.de


 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »