Ärzte Zeitung, 26.10.2012

Der Standpunkt

Wo der IGeL im Pfeffer liegt

Die Diskussion um Individuelle Gesundheitsleistungen empfindet Helmut Laschet als bizarr. Er kritisiert die Rolle der KBV und der Ärztekammern - und fordert ein Umdenken.

Wo der IGeL im Pfeffer liegt

Der Autor ist stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Gesundheitspolitik. Schreiben Sie ihm: helmut.laschet@ springer.com

Die nun schon Monate dauernde Kontroverse um Individuelle Gesundheitsleistungen ist bizarr und bigott.

Da maßen sich Krankenkassen in der Beurteilung individueller Medizin einen Anspruch an, der ihnen in einem von Subsidiarität geprägten Gesundheitssystem, das neben die Solidarität auch die Eigenverantwortung stellt, einfach nicht zukommt.

Da perpetuiert auch die KBV den Irrtum, mit IGeL könnten und müssten Ärzte unzulängliche Kassenhonorare kompensieren. Als ob Hausärzte in sozialen Brennpunkten wie in Neukölln oder auf dem Land wie in Mecklenburg-Vorpommern oder im Bayerischen Wald auch nur den Hauch einer Chance hätten, mit IGeL den grünen Zweig zu erklimmen.

Es ist nicht prioritäre Aufgabe der KBV, den Ärzten Nebeneinnahmen mit einer vielleicht wünschenswerten Sekundärmedizin zu sichern, sondern darauf zu achten, dass die Kernaufgaben der ärztlichen Versorgung hinlänglich vergütet werden.

Ein Blick auf die Ungleichgewichte in der Vergütung verschiedener Arztgruppen zeigt, wo das Handlungsfeld der KBV liegen müsste. Jedenfalls nicht bei IGeL.

Aber gewiss müssen diese individuelle Leistungen Thema der ärztlichen Selbstverwaltung sein: der Bundesärztekammer, der Ärztekammern und der medizinischen Fachgesellschaften. Doch auch hier hört man bestenfalls politische Lyrik und das Lamento über Unzulänglichkeiten im GKV-System. Stichwort Ökonomisierung. Damit macht man es sich zu einfach und versäumt, den Kollegen an der Versorgungsfront professionell den Rücken zu stärken.

Unterstellt, dass nicht jede medizinisch mögliche Leistung solidarisch in einem Kollektivvertragssystem finanziert werden muss, so ist es Aufgabe der ärztlichen Profession, Algorithmen für die zielgerichtete und individuelle Anwendung von IGeL zu entwickeln und dies zum Gegenstand medizinischer (!) Fortbildung zu machen. Hier liegt der IGeL im Pfeffer. Würde diese Arbeit glaubhaft geleistet, bedürfte es nicht einer paternalistischen Politik.

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[26.10.2012, 11:17:27]
Dr. Helmut Raabe 
Mehr Transparanz durch Einzelleistungsvergütung
Ich stimmme mit dem Statement von Herrn Laschet grundsäztlich überein. IGEL Leistungen sind getrennt von der GKV zu werten und in der Eigenverantwortung des Arztes im transparenten Dialog mit dem Patienten als sinnvolle oder gar erforderliche (neue Erkenntnisse der Medzinischen Forschung) Ergänzung anzubieten.
Das Problem der ungleichen Verteilung, wie von Kollegen Eberhard richtig bemerkt, liese sich mit mehr Transparenz im Sinne der Einzelleistungsvergütung auch bie GKV Patienten größtenteils lösen. Dies wäre nicht unbezahlbar. Viele unnötigen Kostenfresser z.B. hoher Verwaltungsanteil bei der GKV, Doppelleistungen bei Kollegen u.a. würden mittels mehr Transparenz dezimiert. Der Patient ist wie bei der PKV mit eingebunden und kann seinen Anteil bei der Leistungs und Kostentransparenz leisten.
Mit kollegialem Gruß zum Beitrag »
[26.10.2012, 08:34:49]
Dr. Eberhard Wochele 
was übersieht die Gesundheitspolitik und sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr ?
Die Behauptung, die KV habe doch genügend Geld, sie würde es nur nicht an die Fachgruppen gerecht verteilen, lenkt von dem eigentlichen Problem immer wieder verblüffend ab. Ich nenne das jetzt ein Todschlagargument. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Gesundheitspolitik. Wie lange sollen wir uns Ärtze noch verdummen lassen. Wir arbeiten im niedergelassen Bereich mit ca.16 % der eingezahlten Mitgliedsbeiträge der Krankenkassen und versorgen damit ca. 80% der kranken Bevölkterung. Warum fragen die verantwortlichen Politiker und Chefs nicht wo das restliche Geld versickert? Wir gehen pleite Herr Laschet. Wollen sei das.
und wollen sie den Gesundheitmarkt lenken und leiten. Wollen Sie den Markt abgreifen und sagen (unter dem Deckmantel des noch sozial Möglichen) was bezahlt wird und was der Patient dann selber zahlen muß. Das nennt man aber nicht mehr soziale Marktwirtschaft. Was wird dann wohl der Gesundheitwirtschaft für ein Name angeheftet. Ich lasse es offen.
PS: Der mündige Bürger wird bei der Wahl nicht mehr wählen gehen.
Dann sinken bei den Parteien aber gewaltig die Einnahmen. zum Beitrag »

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