Ärzte Zeitung App, 04.11.2014

Prävention

Urologen gehen offensiv auf junge Männer zu

Männer gelten als "Vorsorgemuffel" - vor allem was Untersuchungen angeht, die selbst gezahlt werden müssen. Anlässlich des Weltmännertages wollen Urologen nun speziell die Unter-25-Jährigen für die Prävention gewinnen.

Von Matthias Wallenfels

Urologen gehen offensiv auf junge Männer zu

Alles in Ordnung? Urologen wollen vor allem junge Männer motivieren, mehr Vorsorgeangebote in ihren Praxen wahrzunehmen.

© ISO K° - photography / fotolia.com

DÜSSELDORF. "Männer sind Vorsorgemuffel" - unter diesem leicht larmoyant anmutenden Diktum versuchen niedergelassene Urologen wie auch Hausärzte seit Jahren, das starke Geschlecht für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen - viele davon auf Selbstzahlerbasis - zu begeistern.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) fokussieren nun die heranwachsenden Männer, um sie frühzeitig für die Signifikanz der eigenen Gesundheit und -erhaltung zu sensibilisieren, wie sie jetzt anlässlich des Weltmännertages am 3. November und des internationalen Männertages am 19. November hinweisen.

Das Fernziel der Bemühungen der beiden Organisationen ist nach eigenem Bekunden, ein möglichst kongruentes Vorsorgeverhalten beider Geschlechter herbeizuführen. "Wir wollen die Jungen frühzeitig sensibilisieren und ihr Gesundheitsbewusstsein wecken, sodass der Gang zum Arzt so selbstverständlich wie bei Mädchen und Frauen wird", verdeutlicht DGU-Pressesprecherin Professor Sabine Kliesch.

Zweigleisiges Vorgehen

Zu diesem Zweck fahren DGU und BDU derzeit zweigleisig. "Zum einen sind wir dabei, eine Jungensprechstunde in urologischen Praxen zu etablieren, die den Jungen auch in der Pubertät einen ärztlichen Ansprechpartner bietet und damit eine Lücke im Männerleben schließt", erläutert BDU-Pressesprecher Dr. Wolfgang Bühmann.

Zum anderen kooperierten die Urologen mit der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung bei der gesundheitlichen Bildung von Jungen in Schulen.

Im Versorgungsalltag wollen die Urologen zum Beispiel die frühzeitige Feststellung medizinischer Fehlbildungen, die Einhaltung eines altersgerechten Impfplans, die rechtzeitige Aufklärung über Verhütung und sexuell übertragbare Infektionen sowie die Aufklärung über Selbstuntersuchung zur Früherkennung von Hodenkrebs erreichen.

"Männliche Jugendliche sind eine wichtige Zielgruppe, um die Männergesundheit langfristig zu verbessern", untermauert Kliesch die Zielsetzung.

DGMG: Zäsur durch Bundeswehrreform

Derweil sind nicht nur DGU und BDU besorgt, dass heranwachsende Männer aus dem Präventionsraster herausfallen, sofern sie nicht eigeninitiativ einen Arzt zur medizinischen Abklärung aufsuchen.

Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) zum Beispiel stellt die vor vier Jahren angestoßene Bundeswehrreform eine potenziell große Gefahr für die Sicherstellung der Vorsorge bei jungen Männern dar. Ihr Argument: Bei der bis dato obligatorischen, aber kostenfreien Musterung seien harmlose, aber auch gefährliche Männerleiden oft noch frühzeitig erkannt worden.

Steilvorlage für IGeL-Offerten

Zugleich sieht die DGMG diesen Umstand aber auch als Steilvorlage für niedergelassene Ärzte, die sich in ihrer Praxis um die Gesundheit junger Männer zwischen 18 und 35 Jahren kümmern. So sind Hausärzte, Urologen, Andrologen, Endokrinologen sowie Internisten, aber auch Vertreter weiterer Disziplinen prädestiniert, dieser Zielgruppe das variabel gestaltbare Präventionspaket U 25 anzubieten.

Das Vorsorgeangebot soll die Bedürfnisse der Männer befriedigen, die nach Ansicht der DGMG bis 35 systematisch durch das Vorsorgeraster der gesetzlichen Krankenversicherung fallen. Je nach Leistungsumfang können Ärzte auf Basis Individueller Gesundheitsleistungen (IGeL) 200 Euro oder mehr in Rechnung stellen.

Um aber junge Männer mit diesen Beträgen nicht abzuschrecken, können individuell natürlich auch kleinere, kostengünstigere U 25-Pakete geschnürt werden.

Bausteine der U 25 sind unter anderem die ausführliche Anamnese mit einem Gespräch über Ernährungsverhalten, Sexualität, Work-Life-Balance sowie Sport oder die Untersuchung der Körperzusammensetzung (BMI, Bauchumfang, Bioimpedanzanalyse), eine Langzeitblutdruckmessung und verschiedene Scores, darunter Procam.

DGU und BDU ihrerseits wollen bei Männern jeder Altergsgruppe mit Informationsangeboten zur Prävention punkten und appellieren an die Männer, ihre Gesundheitskompetenz zu schärfen und vorhandene Gesundheitsangebote besser zu nutzen.

Sie selbst halten dafür diverse Ratgeber sowie ein umfangreiches Angebot medizinischer Informationen für Interessierte und Patienten auf ihrer Website www.urologenportal.de vor und setzen sich mit regelmäßigen Laienforen für die öffentliche Aufklärung ein.

[04.11.2014, 20:12:25]
Dr. Christoph Luyken 
Tiefschlag gegen die Hausärzte!
Die Idee, Präventionsangebote für junge Männer zu schaffen, ist gut.

Aber, was in aller Welt hat das mit Urologie zu tun??
Die Kampagne kann nur als Versuch gewertet werden, neue Betätigungsfelder für Urologen zu schaffen und ist eine Attacke gegen die Familienmedizin (=Allgemeinmedizin).

Wohin so etwas führt, kann man sehr gut an Kindern und Frauen beobachten, die (nach entsprechenden Aktivitäten der pädiatrischen und gynäkologischen Berufsverbände) abgewandert sind oft jahrelang nicht mehr in den Hausarztpraxen auftauchen. In der Geriatrie sind ähnliche Tendenzen zu beobachten.

Der Gesetzgeber sollte das genau beobachten und sich überlegen, ob Hausärzte in Zukunft überhaupt noch gewünscht werden.
Wenn nein, dann weiter so! zum Beitrag »

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