Ärzte Zeitung, 15.01.2015

Vor Geschäftsreisen

Oft zu wenig Aufklärung über Reisemedizin

Eine reisemedizinische Aufklärung vor Geschäftsreisen zum Beispiel nach Osteuropa, Afrika oder Asien wünschen sich viele Fach- und Führungskräfte. Viele Unternehmen kommen diesem Wunsch aber nicht nach. Für Ärzte ist das eine Chance.

Von Matthias Wallenfels

Oft zu wenig Aufklärung über Reisemedizin

Warten auf den Flieger: Manager sind auf Geschäftsreisen oft mit Gesundheitsrisiken konfrontiert.

© Alija/iStock

BERLIN. Die globalisierte Wirtschaft erfordert es von Fach- und Führungskräften, auch in Zeiten von Ebola, SARS, Vogelgrippe und Konsorten in Länder zu reisen, wo diese potenziellen Gesundheitsgefahren drohen.

92 Prozent der Geschäftsreisenden wünschen sich, dass ihr Arbeitgeber Informationen über mögliche Gesundheitsrisiken im Zielland bereitstellt. Doch nur 43 Prozent sehen diesen Wunsch erfüllt.

Das zeigt die neue Studie "Chefsache Business Travel 2015" von Travel Management Companies im Deutschen ReiseVerband (DRV), die der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Wie die Befragung von 110 Geschäftsführern, die selbst regelmäßig auf Geschäftsreisen seien, sowie 110 geschäftsreisenden Führungs- und Fachkräften aus Unternehmen ab 250 Mitarbeitern ergeben habe, nutzten nur wenige Unternehmen Angebote wie Infoportale, die von Geschäftsreisebüros bereitgestellt würden, und auf denen Mitarbeiter tagesaktuelle Hinweise zu Reisezielen abrufen könnten.

Laut DRV führt rund ein Viertel aller Geschäftsreisen aus Deutschland weltweit in Länder mit Gesundheitsrisiken, etwa einer hohen Verbreitung von Krankheiten, schlechter medizinischer Versorgung oder mangelnder Trinkwasserqualität.

Potenzial für reisemedizinische Angebote

Die Ergebnisse der Befragung sind auch ein Signal für niedergelassene Ärzte mit einem Schwerpunkt auf Reisemedizin.

In vielen größeren Unternehmen wird zwar eine betriebsmedizinische Abteilung vorgehalten, die die Manager auf ihre Geschäftsreisen reisemedizinisch vorbereiten und über potenzielle Gesundheitsrisiken in den Zielländern aufklären können.

Jedoch verfügen gerade viele kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) nicht über entsprechende Abteilungen. Hier kann es sich für niedergelassene Ärzte lohnen, gezielt auf Firmen zuzugehen und reisemedizinische Beratungen für reisende Fach- und Führungskräfte anzubieten, die von den Firmen auf GOÄ-Basis zu begleichen sind.

Nachgewiesen wurde dieser besondere Nachholbedarf an reisemedizinischer Beratung in KMU bereits vor sieben Jahren in einer Studie des IMWF Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung in Hamburg zur Betrieblichen Gesundheitsvorsorge. 84 Prozent der befragten KMU-Manager gaben damals an, ihr Betrieb vernachlässige die Aufklärung über Gesundheitsrisiken in Reisegebieten.

Dass Geschäftsreisen häufig mit einer gesunden Lebensführung konfligieren können, geht aus der aktuellen DRV-Befragung hervor.

So gaben 82 Prozent der Teilnehmer zur Aussage, wenig Zeit für das gewohnte Sportprogramm zu haben, an, dies treffe voll und ganz oder eher zu. Ebenfalls 82 Prozent gaben an, nach den Terminen am Abend noch zu arbeiten.

79 Prozent der befragten Manager stimmten der Aussage zu, auf Geschäftsreisen schon mal eher Alkohol mit Geschäftspartnern oder Kollegen zu trinken.

Letzteres Ergebnis überrascht vor dem Hintergrund nicht, dass es in vielen Ländern gerade Osteuropas sowie Süd- und Nordostasiens Usus ist, Geschäftsanbahnungen oder -abschlüsse mit reichlich - vor allem hochprozentigen - Spirituosen zu fördern respektive zu feiern.

Immerhin 76 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, auf Geschäftsreisen weniger Bewegung zu haben als üblich. Das ist gerade für Vielflieger eine Herausforderung, die besonders bei gehäuften Interkontinentalverbindungen mit einer erhöhten Thrombosegefahr konfrontiert sind.

72 Prozent gaben an, unregelmäßiger zu essen als am angestammten Arbeitsplatz. Schlafdefizite oder -probleme plagen 68 Prozent der Fach- und Führungskräfte.

In puncto Ernährung stimmten 65 Prozent der Aussage zu, insbesondere bei Geschäftsessen mehr zu verspeisen als man eigentlich wolle.

Zeitverschiebung und Klimawechsel belasten

Obwohl Manager häufig über Zeit- und Klimazonen hinwegjetten, stecken sie diese körperlichen Belastungen anscheinend nicht ohne Weiteres weg.

So gaben mit 82 Prozent fast vier von fünf Fach- und Führungskräften an, in den vergangenen drei Jahren Geschäftsreisen mit Zeitverschiebung gehabt zu haben.

18 Prozent von ihnen sprechen von sehr großen Anpassungsproblemen an die lokale Zeit der Destination, 46 Prozent von eher großen Anpassungsproblemen.

68 Prozent der Befragten absolvierten in den vergangenen drei Jahren Geschäftsreisen in andere Klimazonen. 20 Prozent von ihnen hatten dabei sehr große Anpassungsprobleme an die klimatischen Bedingungen vor Ort, 39 Prozent eher große.

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