Ärzte Zeitung, 11.02.2015

IGeL-Monitor

Und wieder heißt es "unklar"

Im Bewertungsportal "IGeL-Monitor" des MDS ist jetzt die Magnetfeldtherapie bei Kreuzschmerz unter die Lupe genommen worden. Das Ergebnis - "unklar"  - ist wenig überraschend. Knackpunkt ist die medizinische Evidenz.

NEU-ISENBURG. Magneten werden seit Jahrhunderten heilende Wirkungen bei vielen Krankheiten nachgesagt.

Allein, es mangelt bisher an wissenschaftlich anerkannten Wirknachweisen der komplementärmedizinischen Behandlung mit Magnetismus bei verschiedensten Indikationen.

Nun hat der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) auf der Online-Plattform IGeL-Monitor die seinerseits umstrittene Bewertungsliste individueller Gesundheitsleistungen um die Anwendung statischer Magnetfelder bei Kreuzschmerzen ergänzt und kommt zum selben Ergebnis wie schon die Verfasser der Nationalen Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz.

Ausreichende Belege für einen Nutzen lassen sich nicht finden, Hinweise für einen Schaden auch nicht. Somit lautet das MDS-Urteil: "unklar".

Nur drei relevante Reviews

In mehreren Datenbankrecherchen waren insgesamt drei relevante Reviews aus den Jahren 2005, 2007 und 2011 identifiziert worden. Deren Autoren wiederum hatten jeweils bis zu 27 Studien zur Anwendung von Magneten bei verschiedenen Schmerzformen analysiert.

Für die MDS-Analyse interessierte lediglich die statische Magnetfeldtherapie bei unspezifischen akuten oder chronischen Kreuzschmerzen.

Dazu fanden sich nicht mehr als drei kontrollierte Studien, erschienen vor inzwischen anderthalb Jahrzehnten, in denen die Magnettherapie randomisiert und doppelblind gegen eine Scheinintervention geprüft worden war.

An der gemäß Jadad-Skala qualitativ hochwertigsten Studie hatten lediglich 20 Patienten teilgenommen: Es fand sich kein Anhalt für einen Nutzen des statischen Magneten mit einer Feldstärke von 30 Millitesla (mT).

In einer als methodisch schlecht bewerteten Studie mit 41 Kreuzschmerzpatienten gab es ebenfalls keinen signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.

Nur in einer auf Japanisch publizierten Untersuchung sollen sich die Kreuzschmerzen verbessert haben, wenn der 180 mT starke Magnet kontinuierlich über drei Wochen auf der schmerzenden Stelle getragen wurde, und zwar im Vergleich zu Patienten, die einen schwachen Magneten (10 mT) angewendet hatten.

Eine Woche nach Behandlungsbeginn sollen die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen signifikant gewesen sein. Diese Studie konnte aufgrund der Sprachbarriere jedoch nicht detailliert bewertet werden.

Kritik an geringer Teilnehmerzahl

Des Weiteren kritisieren die Prüfer des MDS, dass in keiner der Studien die Verblindung überprüft worden sei, sodass die beobachteten Effekte auch durch unspezifische Wirkungen hervorgerufen sein könnten.

Die Gesamtzahl von insgesamt 146 Kreuzschmerzpatienten, die an den drei kontrollierten Studien teilgenommen hatten, sei sehr gering. Daten zum langfristigen Nutzen der Magnetfeldtherapie gebe es nicht.

Stimulierende Wirkung im Fokus

Für therapeutische Zwecke werden pulsierende oder permanente Magnetfelder angewandt, am häufigsten jedoch permanente Magneten. Sie sollen ständig am Körper getragen werden, etwa als Armband, Schuheinlage oder Halskette. Die applizierten Feldstärken liegen typischerweise zwischen 30 und 500 mT.

Therapeuten gehen unter anderem davon aus, dass die Magnetfelder den Zellstoffwechsel, die Durchblutung und die Knochenbildung anregen sowie das Hormon- und Immunsystem stimulieren. Die wissenschaftliche Evidenz, die diese Annahmen stützt, ist allerdings begrenzt. (ner)

Lesen Sie dazu auch:
IGeL: Drei von vier Patienten sind dankbare-Abnehmer

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

"GOÄ-Novelle bis Ende 2017 ist sportliches Ziel"

Wann kommt die neue GOÄ? Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" verrät GOÄ-Verhandlungsführer Dr. Reinhard genaueres. mehr »

"Harte Hand" schadet dem Schulerfolg

Den Lebenswandel eines Kindes kann ein sehr strenges Elternhaus negativ beeinflussen, belegt eine Studie. mehr »