Ärzte Zeitung, 09.02.2015

Neues Konzept

Arztbewertung mit Gegenleistung

Mit einem neuen Konzept tritt ein Arztbewertungsportal aus München an. Bewerten dürfen Patienten nur nach Registrierung - gegen Aufwandsentschädigung.

Von Jürgen Stoschek

Arztbewertung mit Gegenleistung

Guter Service und gute medizinische Versorgung? In Bewertungsportalen können Patienten subjektiv empfundene Qualität transparent machen.

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MÜNCHEN. Ein neues Arztbewertungsportal kombiniert mit einem Tool zur Terminvereinbarung über das Internet ist jetzt in München gestartet.

Das Besondere: Patienten, die nach einem Besuch in einer der teilnehmenden Praxen eine Bewertung abgeben, bekommen dafür ein geldwertes Guthaben, und zwar unabhängig davon, ob die Bewertung positiv oder negativ ausfällt.

Das als Pilotprojekt angekündigte Portal ist für Ärzte und Patienten unter www.patientsbest.de erreichbar.

Dort finden sich derzeit vor allem Hausärzte, Frauenärzte, Kinderärzte, Orthopäden, Internisten, HNO-Ärzte, Zahnärzte sowie andere Heilberufe wie Heilpraktiker, Osteopathen und Physiotherapeuten aus München und der näheren Umgebung.

Nach einer Anlaufphase soll das Portal auf Regionen wie Hamburg, Rhein-Main und Berlin erweitert werden, kündigte der Gründer und Geschäftsführer der QMed.Best GmbH, Gesellschaft für Qualität in der Medizin, Dr. med. Kia Parssanedjad, an.

Für Ärzte außerhalb von Ballungsräumen mache eine Teilnahme an dem Portal derzeit keinen Sinn.

Entweder hopp oder top

Nach Parssanedjads Ansicht sind die meisten Arztbewertungsportale nicht repräsentativ, weil 98 Prozent der Patienten keine Bewertung abgeben und die restlichen zwei Prozent sich entweder nur sehr lobend oder sehr kritisch äußern.

Bei PatientsBest gehe man deshalb einen anderen Weg. Bei der Gutschrift für eine Bewertung bei PatientsBest handele es sich um eine Aufwandsentschädigung, wie sie in der Marktforschung üblich ist. Nur so sei es möglich, auf Dauer valide Datensätze zu generieren.

Ärzte, die am Angebot des Portals teilnehmen wollen, müssen sich gewissen Regularien unterwerfen, erläuterte Parssanedjad.

Dazu gehört mindestens ein Besuch eines Mitarbeiters des Unternehmens in der Praxis, bei dem bestimmte Standards hinsichtlich der Servicequalität ermittelt werden.

Die Teilnahme ist für den Arzt derzeit kostenlos, auf mittlere Sicht müsse aber über eine Aufwandsbeteiligung nachgedacht werden.

Für Patienten ist das Angebot ebenfalls kostenlos. Über die Homepage von PatientsBest können sie sich das Profil des Arztes anschauen, Fragen stellen und einen Termin vereinbaren, der dann von der Praxis telefonisch bestätigt wird.

Registrierung ist kostenlos

Patienten, die sich beim Portal kostenlos registriert haben, bekommen nach einem Arztbesuch eine E-Mail mit einem Bewertungsbogen, der online ausgefüllt wird. So wird sichergestellt, dass nur tatsächliche Arztbesuche bewertet werden.

Die Patienten können Punkte vergeben und ihre Eindrücke auch als Freitext formulieren. Gegenwärtig werden die Bewertungen als Sterne veröffentlicht, es sei geplant künftig auch Bewertungstexte ins Netz zu stellen, erklärte Parssanedjad.

Ärzte, die nicht nur im Urteil ihrer Patienten gut abschneiden, sondern sich auch einer Beurteilung von Experten des Portals und von Fachkollegen stellen, bekommen ein Zertifikat.

Für ihre Bewertung, die nur wenige Minuten in Anspruch nimmt, bekommen registrierte Patienten zehn Prozent ihrer privaten Arztrechnung gutgeschrieben, bei GKV-Versicherten betrifft das Individuelle Gesundheitsleistungen, alternativmedizinische Leistungen oder Leistungen im Bereich von Zahnersatz und Kieferorthopädie.

Bei PKV-Versicherten fallen alle ärztlich abgerechneten Leistungen unter das Bonussystem. Der Bonus wird als Gesundheits-Euro gutgeschrieben und entspricht im Wert einem "echten" Euro.

Das Guthaben kann mit späteren privaten Arztrechnungen verrechnet werden. Mittelfristig soll man das Guthaben auch bei Partner-Apotheken einlösen können.

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