Ärzte Zeitung online, 12.04.2016

Befragung zeigt

Viele junge Ärzte sind Burn-out gefährdet

Viele Ärzte in Weiterbildung sind mit ihrer Situation unzufrieden, und ein nicht unerheblicher Teil arbeitet am Rande des Burn-outs. Lässt sich die Situation dadurch verbessern, dass Krankenhäuser ihre Weiterbildung besser strukturieren?

Viele junge Ärzte sind Burn-out gefährdet

Viele junge Ärzte klagen über eine hohe Belastung im Job.

© pathdoc / fotolia.com

MANNHEIM. Der Anteil der Ärzte und Pflegekräfte in Krankenhäusern mit Burn-out bzw. Symptomen einer Depression steige weltweit an, sagte Professor Michael Denkinger von der Agaplesion Bethesda Klinik in Ulm.

Würden unterschiedliche Fachgruppen verglichen, seien die Internisten dabei weit vorn. Eine Ende 2015 publizierte Metaanalyse bezifferte den Anteil der gemäß etablierten Screening-Fragebögen depressiven Krankenhausärzte auf etwa ein Viertel.

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) haben eine großangelegte Befragung bei 1696 Weiterbildungsassistenten in den Jahren 2014 und 2015 durchgeführt, um zu eruieren, wie zufrieden die jungen Ärzte in Deutschland mit ihrer Arbeitssituation sind.

Beim DGIM 2016 stellte Denkinger einige Resultate vor. Lediglich 5 Prozent gaben an, insgesamt sehr zufrieden zu sein. Knapp ein Drittel war unzufrieden oder sehr unzufrieden.

Mehrheit sieht Qualität der Patientenversorgung gefährdet

Mehr vom DGIM-Kongress

Weitere Berichte vom Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Mannheim finden Sie hier: aerztezeitung.de/dgim2016

Deutlich kritischer waren die Antworten auf die etwas konkreteren Fragen. So sahen drei von vier Befragten die Qualität der Patientenversorgung durch die Veränderungen im ärztlichen Arbeitsumfeld der letzten Jahre gefährdet.

80 Prozent sagten, dass in ihrer Einrichtung nicht längerfristig absehbar sei, wann und in welche Fächer im Rahmen der Weiterbildung rotiert werde.

Und deutlich über 90 Prozent gaben zu Protokoll, dass externe, freiwillige Fortbildungen nötig seien, um jene Kompetenzen zu erwerben, die für die jeweilige Facharztausbildung erforderlich sind.

Einen wichtigen Ansatz zur Verbesserung der Situation der Weiterbildungsassistenten sieht Denkinger darin, die Weiterbildung besser zu strukturieren, sie berechenbarer und weniger willkürlich zu machen.

Dazu haben die Berufsverbände der Internisten, Chirurgen und Orthopäden/ Unfallchirurgen im Jahr 2013 ein Mastertrainerkonzept entwickelt, das Krankenhäuser nutzen können, um die Weiterbildung zu optimieren.

Zweitägiger Workshop zu Mastertrainern

Im Rahmen dieses Konzepts werden weiterbildungsermächtigte Ärzte, typischerweise Chef- oder Oberärzte, in einem zweitägigen Workshop zu Mastertrainern ausgebildet, denen vermittelt wird, mit welchen Maßnahmen sich die Weiterbildung besser strukturieren lässt.

Dazu zählt der Aufbau eines auf die jeweilige Einrichtung abgestimmten Kerncurriculums, außerdem systematische Rückmeldungen über den Lernstand, die bei Bedarf durch gezielte Testate ergänzt werden können.

Daneben gebe es auch noch andere Maßnahmen, um die Zufriedenheit der Assistenzärzte zu verbessern und ihre Burn-outgefahr zu reduzieren, betonte Professor Marcus Siebolds von der Katholischen Hochschule in Köln.

Er regte Supervisionsangebote an, die sich an Eltern - nicht nur Frauen - richten, die Familie und Beruf vereinbaren wollen. Auch eine vermehrte Nutzung von Balint-Gruppen könne dazu beitragen, Überforderungssituationen zu vermeiden. (gvg)

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