Ärzte Zeitung, 04.05.2016

Seminar für Nachwuchs-Hausärzte

Lernen und Lachen gehört dazu

Überraschungsbesuche, Smiley-Buttons und viel Platz für Fragen: Beim Seminar "Karriere Allgemeinmedizin" wollen norddeutsche Hausarztverbände junge Mediziner für den Hausarztberuf gewinnen.

Von Christian Beneker

Lernen und Lachen gehört dazu

Dr. Marion Renneberg und Professor Thomas Lichte peppten ihr Seminar mit Überraschungsbesuchen von Hausarztkollegen auf, die den Nachwuchsmedizinern Praktisches aus dem Berufsalltag erzählten.

© Niedersächsischer Hausärzteverband

LÜNEBURG. Die beste Idee waren die spontanen Gäste: Alle 20 Minuten schneite ein junger Hausarzt in das Seminar "Karriere Allgemeinmedizin" auf dem Seminarkongress der norddeutschen Hausarztverbände in Lüneburg herein - und schwärmte kurz und knackig vom Job.

"Jeder von Ihnen hat die besten Chancen! Werden Sie bloß Hausarzt!", verkündete etwa Timo Schumacher den 20 verdutzen Studierenden, Ärzten in Weiterbildung und Niederlassungswilligen. Zwei Minuten später war Schumacher wieder verschwunden.

Das Seminar sollte gezielt junge Mediziner ansprechen, um sie für den Hausarztberuf zu gewinnen. "Denn nur, wenn Studenten das Fach Allgemeinmedizin gut kennenlernen, können sie es lieben lernen und den Beruf des Hausarztes wählen", begründet der Vorsitzende des Niedersächsischen Hausärzteverbandes, Dr. Matthias Berndt, die Wahl des Themas.

Von alten Hasen lernen

Junge Ärzte in Fokus

Mit einer neuen Themen-Seite will die "Ärzte Zeitung" vermehrt junge Ärzte in Studium und Weiterbildung in den Blick nehmen.

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Die beiden Seminarleiter Dr. Marion Renneberg, Hausärztin und Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, und Allgemeinmediziner Professor Thomas Lichte präsentierten die Arbeitsfelder der Hausärzte von Anamnese über Palliativmedizin bis hin zur Praxisorganisation, Weiterbildung und Abrechnung.

Was soll es in Zukunft sein - Anstellung,Gemeinschaftspraxis oder doch die Einzelniederlassung? "Man kann heute in der Allgemeinmedizin wählen," hatte Timo Schumacher in seinem Statement gesagt.

"Volldampf geben in der Einzelpraxis oder zuerst einmal langsam tun und sich anstellen lassen. Vielleicht nur halbtags. Alles geht!" Lichte empfahl, die Praxismodelle, in denen man arbeitet, "so weit es geht selbst mitzubestimmen. Dann gefällt es einem später auch." Allen Anfängern aber riet er dazu, "bei einem alten Hasen zu lernen."

Einige Teilnehmer hatten indessen ganz konkrete Probleme: "Ich habe eine Tochter und bin eigens zur Verbundweiterbildung nach Buchholz bei Hamburg gegangen, weil der Ort angeblich Kita-Plätze anbietet", sagte die junge Medizinerin Susanne Lösel. "Aber bis heute habe ich keinen erhalten."

Darum werde man sich kümmern, und wenn man die Sache bis zum Landrat durchfechten müsse, versprach Renneberg.

Als Hausärztin Profi für alles

Frage aus der Runde: "Ich fühle mich zu schmal für die Chirotherapie. Was soll ich tun?" Dass die Statur keine Rolle spielt, wenn die Technik stimmt, konnte die niedergelassene Hausärztin Claudia Kahle berichten: "Ich bin 1,60 und behandle Hünen!" Als Hausärztin sei sie Profi für alles, betonte sie.

Diese Antwort dürfte schon deshalb wichtig sein, weil unter den 20 Seminaristen in Lüneburg genau drei Männer waren. "Wäre ich Kardiologin, hätte ich einen Schallkopf in der Hand und würde den ganzen Tag Herzen angucken. Aber das Hausarzt-Dasein ist bunt", so Kahle.

Und wie kommt man am besten an Verbund-Weiterbildungsplätze? Wie ist der Quereinstieg geregelt? Was ist noch mal der Unterschied zwischen der KV und der ÄK?

Wie oft muss, darf und sollte man Fortbildungen machen? Was ist finanziell von der Zusatzbezeichnung "Naturheilverfahren" zu halten? Und schließlich: Verdienen Hausärzte wirklich so schlecht?

All diese Fragen kamen zur Sprache. Zum Einkommen sagte Renneberg: "Nein. Wir verdienen gut. Und das wird auch so bleiben." Größere Regresse hätten sie nie gehabt, versichern Renneberg und Lichte.

Attraktive drei Stunden

Später kam auch noch Lichtes Mitarbeiterin Manuela Kausch-Deuschle in den Raum. "Uns erzählen die Patienten auch mal Sachen, die sie dem Arzt nicht sagen", berichtete sie.

Dr. Ruben Bernau erzählte von der Übernahme der väterlichen Praxis: "Ich hatte anfangs auch Befürchtungen vor der Niederlassung. Aber ich habe gemerkt: Vernetzung hilft. Heute geht´s mir sehr gut im Beruf. Was wollt Ihr noch wissen?"

Das Seminar sei ein Versuch gewesen, das Wichtigste über das Hausarztdasein in attraktive drei Stunden zu verpacken, sagte Renneberg der "Ärzte Zeitung".

Am Schluss gab es gelbe Anstecker für alle mit einem Smiley, einem "ok" oder einem schlichten "K". "Was heißt "K"?", fragte eine Teilnehmerin. "Kollegin", erklärte ein anderer.

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