Ärzte Zeitung, 19.07.2016

Der Arzt als Unternehmer

Münchener Studenten lernen unternehmerisches Denken

Fachlich versiert, aber unternehmerisch ahnungslos? So geht es vielen niederlassungswilligen Ärzten zu Beginn ihrer Praxiskarriere. An der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität lernen Münchener, unternehmerisch zu denken.

Von Christina Bauer

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Erfolgreiche Absolventen: Mittlerweile zum 13. Mal fand in diesem Jahr der Kurs „Arzt und Unternehmer“ an der LMU in München statt.

© Christina Bauer

MÜNCHEN. Der Schritt in die Selbstständigkeit als niedergelassener Arzt erfordert mehr als nur medizinisches Können. Seit einigen Jahren ist an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) etwas von diesem "mehr" Gegenstand eines Wahlfachkurses.

Dabei geht es etwa um Themen wie KV-System, Management, Steuer, Medizinrecht und Medizinethik. Unter dem Titel "Arzt und Unternehmer" wird er jedes Semester für Medizinstudenten im zweiten Studienabschnitt angeboten.

Dozenten aus verschiedensten Fachbereichen

Mit Input von ehrenamtlich tätigen Experten verschiedener Fachgebiete – von Medizinrechtler Dr. Andreas Staufer bis zur Steuerberaterin Richarda Hinz - und intensiver Betreuung durch Team-Coaches, etwa Unternehmensberater Wolfgang Engels, werden dort komplette Praxisgründungen durchgespielt.

Initiiert wurde der Kurs 2008 von dem Chirurgen Professor Matthias Siebeck, seinem Fachkollegen Dr. Frank Rathfelder und dem Unternehmer Manfred Barth.

"Professor Siebeck gründete diesen Kurs aufgrund der Beobachtung, dass Niederlassungen manchmal scheitern, und das Thema ,Ärzte als Unternehmer‘ in der normalen medizinischen Ausbildung nicht vorkommt", sagte Dr. Oliver Rauprich vom Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, der mittlerweile die Leitung des Kurses innehat.

Gute Werbung für die Niederlassung

Eine Erfahrung, die Dr. Ernst Engelmayr, Vorstandsmitglied und Fortbildungsbeauftragter des Bayerischen Hausärzteverbands (BHÄV) bestätigte. "Es ist wichtig, dass junge Mediziner an den unternehmerischen Gedanken herangeführt werden", so Engelmayr.

Das diene zudem dazu, dem medizinischen Nachwuchs mögliche Ängste vor der Niederlassung zu nehmen und sie zur Praxisgründung zu ermutigen. Der BHÄV fördert den Kurs mit einem Zuschuss, ebenso wie die KV Bayerns (KVB) und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank).

Bei der öffentlichen Abschlussveranstaltung des mittlerweile 13. Kursdurchgangs vor Kurzem berichtete die frühere Teilnehmerin PD Irmgard Bumeder über ihre Erfahrungen als Praxisgründerin. Sie habe von dem praxisnahen Veranstaltungsformat, an dem sie 2011 teilnahm, profitiert.

"Es gab viel zu lernen, was ich nach 20 Jahren Tätigkeit an der Uniklinik noch nicht kannte", sagte sie. Nach langer Tätigkeit an der Universitätsklinik der LMU, unter anderem an der onkologischen Tagesklinik, hat Bumeder inzwischen in Ebersberg eine eigene Praxis und Tagesklinik für Hämatologie und internistische Onkologie gegründet. Diese habe, wie sie berichtete, nach etwa drei Jahren begonnen, Gewinn abzuwerfen.

Im damaligen LMU-Kurs habe ihr besonders das erworbene Wissen über Rechtsformen, Steuern und Rahmenbedingungen geholfen, zudem die unmittelbaren Kontakte zur Kassenärztlichen Vereinigung. Etwas mehr Input hätte sie sich noch vorstellen können in den Bereichen Personalgewinnung, Personalführung und Arbeitsrecht.

Spannend wurde es, als die Teilnehmer des aktuellen Kurses die von ihnen erarbeiteten Praxisgründungskonzepte vorstellten. Ihre Modellvorhaben bezogen sich auf eine allgemeinmedizinisch-kardiologische Gemeinschaftspraxis in Rosenheim sowie ein MVZ mit sieben Ärzten von Gastroenterologie bis Urologie in Landsberg.

Ideenwerkstatt: Blaupausen für die eigene Praxis

Die Studenten erwiesen sich als äußerst kreativ - was ihnen denn auch das Lob der Experten einbrachte. Die Zusatzangebote für die neuen Standorte reichten von einer eigenen Flüchtlingssprechstunde bis hin zur Integration eines Mediziners als Betriebsarzt in ortsansässige Firmen. Lob gab es auch für die intensive Auseinandersetzung der Studenten mit Standortanalysen, Gründungsformen und Finanzierungsfragen.

Zu einzelnen Details, etwa im Hinblick auf Mitarbeitergehälter, Umsatz- und Gewinnprognosen, gab es allerdings dann doch einige kritische Anmerkungen der Experten und Anregung zur weiteren Reflexion.

Dennoch, die Studenten schätzen den Kurs sehr. "Es ist gut, einen Überblick zu Chancen und Risiken als niedergelassene Ärztin zu bekommen", sagt etwa Teilnehmerin Esther Marie Bux. Viel Neues habe sie vor allem über die Arbeit als Selbstständige mit angestellten Ärzten, über wichtige Abrechnungsfragen und auch über rechtliche Aspekte der Niederlassung gelernt.

Zuerst einmal, so die Studentin, wolle sie nach dem Studium angestellt arbeiten und Erfahrungen sammeln. Später aber könne sie sich die Arbeit in eigener Praxis als Hausärztin vorstellen.

Kursteilnehmer Benedikt Kohler hat, wie er sagt, nun eine viel konkretere Vorstellung vom Arbeitsleben als niedergelassener Arzt. So sieht es auch Andrea Lang, die eine Niederlassung "attraktiver als die Arbeit an einer Klinik" einschätzt.

Weitere Unis nehmen Konzept an

Volker Breidbach von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank zeigte sich sehr angetan von den Lernfortschritten der Teilnehmer. Mancher Student habe den Kurs mit sehr wenig Wissen im Bereich Betriebswirtschaftslehre begonnen. "Am Ende können sie einen abgabefähigen Businessplan vorlegen."

BHÄV-Vorstandsmitglied Engelmayr möchte das Konzept weiter verbreiten. In Erlangen ist das, wie er im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" berichtet, inzwischen gelungen. An der dortigen Hochschule laufe eine ähnliche Veranstaltung nun im zweiten Durchgang. An der Universität Würzburg sei derzeit ein vergleichbares Konzept in Vorbereitung.

[20.07.2016, 07:46:40]
Johannes Hupfer 
einfach nur zum Lachen oder mehr zum Weinen
Als Unternehmer orientiert sich der Preis für mein Produkt an mehreren Faktoren.
Unsere Honorare ( wenn man sie als solche bezeichnen möchte, eher als Almosen anzusehen),werden
von einer handvoll mafiaartig organisierter Grüppchen bestimmt. Da von unternehmerischer Tätigkeit
zu sprechen, kann nur als schlechter Aprilscherz gesehen werden.
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