Ärzte Zeitung, 17.08.2016

Krebs mit 37

Junger Arzt reflektiert eigenen Tod

Noch in seiner Facharztausbildung erhält Paul Kalanithi die Diagnose Krebs. Über den Weg vom Arzt zum Patienten erzählt er hochemotional in einem Buch.

Von Jana Kötter

Junger Arzt reflektiert eigenen Tod

Krebs während der Medizin-Ausbildung: Ein Arzt wird vom nüchternen Wissenschaftler zum emotionalen Patienten.

© Albrecht Knaus Verlag

NEU-ISENBURG. "Die Diagnose war eindeutig: Die Lunge war von unzähligen mattschwarzen Tumoren durchzogen, die Wirbelsäule deformiert, ein Leberlappen wie ausradiert." Als Paul Kalanithi seine CT-Bilder sieht, wird der junge, aufstrebende Neurochirurg vom Arzt zum Patienten.

Über seinen tragischen Perspektivwechsel spricht er in dem Buch "Bevor ich jetzt gehe". Er hat es in den Monaten vor seinem Tod mit nur 37 Jahren verfasst.

"Bevor ich jetzt gehe" ist das Vermächtnis eines jungen Mannes für seine Tochter, aber auch das eines jungen Mediziners, der das Gesundheitssystem reflektiert. "Für viele beginnt mit der Leichensektion die Verwandlung eines sachlichen, respektvollen Studenten in einen abgestumpften, arroganten Arzt", beobachtet er.

Viele seiner Kommilitonen spezialisierten sich auf "LifestyleFächer" - mit humaneren Arbeitszeiten, besserer Bezahlung, weniger Druck. Noch bevor Kalanithi aber sein Idealbild eines Arztes werden kann, ändert die Diagnose Krebs alles.

Auch wenn er kurze Momente der Hoffnung hat, spürt er doch schnell, dass das Ende naht. "Wie meine eigenen Patienten musste ich mich mit dem Sterben auseinandersetzen und begreifen, was mein Leben lebenswert machte", erzählt er.

Trotz – oder gerade wegen – dieser todtraurigen Überlegungen lohnt die Lektüre. Die Zeilen sind literarisch, bewegend - regen aber auch zum Nachdenken über den Umgang von Arzt und Patient an.

[19.08.2016, 11:32:33]
Patricia Klein 
Perspektivwechsel tut immer gut!
...und wenn er über ein Buch gelingt, sollte man sich freuen.
Das wir Ärzte bestimmte Einstellungen noch einmal ändern, wenn wir selbst oder ein uns nahestehender Mensch lebensbedrohlich erkrankt, ist selbstverständlich, aber müssen wir für einen Perspektivwechsel wirklich darauf warten?
Wenn uns Bücher und Filme helfen können, uns in unsere Patienten hineinzuversetzen, mit ihnen zu fühlen ohne mit Ihnen zu leiden, finde ich das eine wichtige Lernoption.
Dem, der es nicht hören und spüren WILL, werden natürlich auch solche Bücher nicht helfen, aber das werden eben auch nie wirklich gute Ärzte.

Und noch etwas möchte ich sagen: wenn ich wählen muss zwischen einem fachlich hochqualifizierten Kollegen, der kalt wie eine Hundeschnauze ist und einem schlecht ausgebildeten Kollegen, der total empathisch ist, würde ich immer die Hundeschnauze wählen ;-) und mir die Empathie über meine Freunde und Familie holen. Wünschen würde ich mir aber natürlich den fachlich perfekten Experten, der auch noch ein mitfühlender Mensch ist. Und Hand aufs Herz: es gibt sie!
Auch wenn ich in meinem Leben als Patientin und als Angehörige viele furchtbare Erlebnisse mit Kollegen hatte, habe ich doch auch mindestens genauso viele beeindruckende Kolleginnen und Kollegen erlebt, die einem das geben, was man als Patient braucht. Und von allen habe ich gelernt: von den einen, wie man es machen sollte und von den anderen, wie man es nicht machen sollte. Leben heißt lernen, egal wie und mit welchen Mitteln. Bücher können durchaus helfen...  zum Beitrag »
[17.08.2016, 18:13:18]
Wolfgang P. Bayerl 
„Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, ....
... würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ (Martin Luther)
Was soll das ganze Vorbereiten, liebe Vorredner,
was den armen Kollegen belastet, ist die Sicherheit des vorzeitigen Todes,
was dem Normalmensch erspart bleibt, nach dem alten Lateiner-Sruch:
mors certa hora incerta.
Ich habe noch keine Krebspatient erlebt, der nicht noch länger leben wollte. zum Beitrag »
[17.08.2016, 11:04:39]
Claus F. Dieterle 
Es wundert mich immer wieder
Wenn die Leute verreisen wollen, studieren sie diverse Kataloge und vergleichen Preise und Leistungen. Warum bereiten sie sich dann auf ihre längste Reise, nämlich in die Ewigkeit, nicht genau so sorgfältig vor? Jeder der an Jesus Christus glaubt, hat das ewige Leben (Johannes 3,16). zum Beitrag »
[17.08.2016, 08:48:59]
Wolfgang Ebinger 
Was wartet hinter der Tür?
Welch ein tragisches Schicksal, mit nur 37 Jahren in der Blüte des Lebens, diese Bühne verlassen zu müssen. Das ist wahrlich traurig!

Der Autor "musste sich mit dem Sterben auseinandersetzen und begreifen, was sein Leben lebenswert machte".

Aber mal ehrlich: müssen wir das nicht letztlich alle? Und was kommt dann?

Wartet - wie auf dem Titelbild des Buches - tatsächlich ein "grüner Himmel mit weißen Wölkchen" auf uns? Das ist letztendlich eine Glaubenssache, um deren Antwort wir uns rechtzeitig bemühen sollten.

Mose, der Dichter des 90. Psalms der Bibel richtet in Vers 12 folgende Bitte an Gott: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Die Beschäftigung mit dem (leider notwendigerweise unausweichlichen) eigenen Sterben ist sehr hilfreich, gedanklich die Elemente des eigenen Lebens zu entdecken, die wirklich zählen und eine unvergängliche Bedeutung haben. zum Beitrag »

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