Ärzte Zeitung, 02.07.2008

Charité bietet Kinderbetreuung auch über Nacht

Kostenloses Angebot wird durch Stiftung gefördert / Ärztinnenbund: Familienfreundliche Strukturen immer wichtiger

BERLIN (ami). Die Charité Universitätskliniken in Berlin bauen ihre Kinderbetreuungsangebote für Mitarbeiter aus. Seit Mitte Juni steht für Kinder von Ärzten und Pflegekräften an den Campi Mitte und Virchow Klinikum ein betrieblich geförderter Übernachtungs-Kindergarten zur Verfügung.

Das vorerst kostenlose Angebot wird bis Ende 2010 von der Robert-Bosch-Stiftung mit 50 000 Euro pro Jahr gefördert. Es gilt von montags bis freitags und umfasst zehn Plätze für Kinder, die regulär einen Kindergarten des geförderten Trägers INA besuchen. Angesiedelt ist das Pilotprojekt am Campus Virchow Klinikum im Norden Berlins. Kinder von Mitarbeitern des Südberliner Campus Benjamin-Franklin können es laut Charité aus juristischen Gründen nicht nutzen. Eine Woche pro Monat ist die Kita nachts geschlossen, dafür aber dann am Wochenende tagsüber geöffnet.

Für "sehr wichtig" hält die Pflegedirektorin der Charité Hedwig François-Kettner das Projekt. "So können wir Mitarbeiter halten, die sonst vielleicht wegen fehlender Betreuungsmöglichkeiten ihre Stelle aufgeben müssten", so François-Kettner. Projektleiterin Gabriele Rau geht davon aus, dass vorwiegend Alleinerziehende im Drei-Schicht-Dienst das neue Angebot nutzen werden. "Viele Mitarbeiter wollen ihre Kinder nicht auch noch in die Übernachtung geben, manche müssen aber", sagt Rau.

Das Pilotprojekt ist eingebettet in eine Gesamtstrategie der größten deutschen Uniklinik zur Kinderbetreuung. So finanziert die Charité nach Raus Angaben zum Beispiel in zwei Kitas Personalkosten für verlängerte Öffnungszeiten von 5.45 bis 20.30 Uhr und eine flexible Kinderbetreuung, wenn die Eltern Überstunden machen müssen oder das Kind krank wird. Alle Betreuungsmöglichkeiten sind auf einer Intranetseite für Mitarbeiter dargestellt. Im Allgemeinen bleibt die Kinderbetreuung an deutschen Kliniken nach Angaben des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB) noch deutlich hinter dem Bedarf zurück.

Das Beispiel der Charité bestätigt die Einschätzung von DÄB-Präsidentin Dr. Astrid Bühren, dass familienfreundliche Strukturen an Kliniken mit Blick auf den wachsenden Ärztemangel immer wichtiger werden. Bei einem Wettbewerb unter der Schirmherrschaft von Wirtschaftsminister Michael Glos und Familienministerin Ursula von der Leyen wurde die Charité für familienbewusste Personalpolitik ausgezeichnet.

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