Ärzte Zeitung online, 07.08.2008

Der Gesundheitscampus NRW ruft Lokalvertreter auf den Plan

AACHEN (akr). Der Standort des von der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen geplanten Gesundheitscampus findet nicht die ungeteilte Zustimmung in allen Regionen des Landes. Befürchtet wird eine einseitige Bevorzugung des Ruhrgebietes. Vertreter der Stadt und der Gesundheitswirtschaft in Aachen haben jetzt gemeinsam eine Protestnote an Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) verfasst.

Die Proteste richten sich gegen die Umsetzung des Projekts "Gesundheitscampus NRW". Mit dem Campus will die schwarz-gelbe Landesregierung die Kräfte der Gesundheitswirtschaft bündeln und nach außen sichtbar machen.

So wird sich auf dem Campus das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit ansiedeln. Geplant ist, dass das Epidemiologische Krebsregister von Münster dorthin geht, das Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen soll aus Krefeld übersiedeln. Herzstück des Projekts ist eine neue staatliche Fachhochschule für nichtärztliche Gesundheitsberufe wie Hebammen oder Logopäden.

Das Projekt soll insgesamt ein Finanzvolumen von 75 Millionen Euro haben, darunter sind 50 Millionen Euro Landesmittel.

Mehrere Regionen aus Nordrhein-Westfalen haben nun Ansprüche auf Teile des Gesundheitscampus erhoben, außer Aachen zum Beispiel Ostwestfalen-Lippe.

Politiker und Unternehmer aus Aachen fordern, dass die Region am "Gesundheitscampus Nordrhein-Westfalen" beteiligt wird, den die Landesregierung im Ruhrgebiet etablieren will. "Wir werden für das Projekt kämpfen", sagte der Aachener Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden (SPD). "Es geht nicht nur um das Geld vom Land, sondern darum, die vorhandene Infrastruktur auszubauen."

Hintergrund für die Proteste aus dem äußersten Westen des Landes: Die Universität Aachen hat einen hervorragenden Ruf. Sie ist die einzige in NRW, die im Zuge der Exzellenzinitiative für Spitzenforschung den Status als Eliteuniversität erhalten hat. Die Region Aachen gilt als ausgezeichneter Standort für Medizintechnik, argumentieren die Unterzeichner der Protestnote. Sie fordern, wenigstens den Bereich der anwendungsorientierten Medizintechnik in Aachen anzusiedeln.

Das Gesundheitsministerium will aber offenbar hart bleiben. "Die Entscheidung für das Ruhrgebiet ist keine Entscheidung gegen die anderen Regionen", so Sprecherin Eva Wüllner. Die Landesregierung habe sich für das Ruhrgebiet als Standort entschieden, weil es in keiner anderen Region eine so dichte Krankenhauslandschaft gibt.

Die Klinikdichte sei eine gute Voraussetzung für die Ergänzung der Ausbildung durch die neue Fachhochschule. Außerdem sei das Projekt wichtig für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Wo genau der Campus entsteht, wird in einem Wettbewerbsverfahren entschieden, das die Landesregierung nach der Sommerpause einleitet.

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