Ärzte Zeitung, 01.10.2008

In der Kölner Neurologie-Klinik regelt der Fallmanager die Patienten-Aufnahme

Stationsarzt-Prinzip ist passé / Case-Manager ordnet jedem Patienten einen Arzt zu

KÖLN (akr). Die neurologische Klinik der Universität Köln geht bei der Versorgung von Patienten neue Wege: Sie hat das Stationsarztprinzip abgeschafft. Die Rheinische Fachhochschule Köln und das Institut für Medizin-Ökonomie & Medizinische Versorgungsforschung haben das Projekt mit ihrem Innovationspreis ausgezeichnet.

"Wir Ärzte begreifen zunehmend, dass wir auch auf der Managementebene mitreden müssen, wenn wir weiterhin auf hohem Niveau Patienten versorgen wollen", sagte Professor Gereon Fink, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Köln. Fink hat das Projekt "Cologne Consultant Concept" ins Leben gerufen.

Es sieht vor, dass Patienten bei der Aufnahme oder einer Verlegung von einem Case-Manager betreut werden. Der Case-Manager ordnet den Patienten einem Pflegebereich und einem Assistenzarzt zu, der für die Aufnahme verantwortlich ist. "Die Aufnahme ist der aufwendigste Prozess während des Klinikaufenthalts des Patienten", sagte Fink. Die Zuordnung des Patienten zu einem Arzt erfolgt anhand einer Telefonliste und nicht mehr nach einer Stationsgrenze oder dem Aufnahmetag.

Bettenkapazitäten können optimal genutzt werden.

Auf der Liste sind alle Ärzte verzeichnet, die am jeweiligen Tag zur Verfügung stehen. Da der Case-Manager den Ärzten auf der Telefonliste die Patienten nacheinander zuordnet, bekommen die Ärzte gleichmäßig viele Personen zugewiesen. Der Patientenbestand des Arztes spielt dabei keine Rolle. "Langsames Arbeiten wird nicht mehr belohnt", sagt Fink.

Weil die Case-Manager den Pflegebereich bestimmen - zum Beispiel entscheiden, ob ein Patient auf eine pflegeintensive Station kommt - können die Bettenkapazitäten optimal genutzt werden. Die Entscheidung für den Pflegebereich fällt der Case-Manager unabhängig von der Aufnahme-Indikation nur nach dem Gesichtspunkt des Pflegebedarfs des Patienten. Gleichzeitig wird der Patient pflegebereichsübergreifend vom Arzt behandelt. Bei einer Verlegung behält der Erkrankte denselben Mediziner - bei Stationsarztprinzip dagegen führt eine Verlegung zu einem Wechsel des Behandlers und damit häufig zu Informationsverlusten. Mediziner können unbequeme oder sehr aufwendige Patienten nicht durch eine zu frühe Entlassung loswerden. Kommt ein Patient nach dem Klinikaufenthalt rasch wieder, ordnet der Case-Manager ihn dem ursprünglichen Arzt zu.

Das neue Verfahren wird seit rund einem Jahr praktiziert. "Seitdem ist die Verweildauer um 15 Prozent gesunken", sagte Fink. Er ist überzeugt, dass die Abkehr vom Stationsarztmodell zu einer veränderten Mentalität bei den Behandlern geführt hat. "Von dem Modell profitieren alle Seiten", sagte er. Patienten würden zügig behandelt, die Klinikleitung könne knappe Ressourcen sinnvoll einsetzen und Ärzte könnten den Erkrankten trotz ökonomischer Zwänge gerecht werden.

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