Ärzte Zeitung, 28.11.2008

Patienten aus dem Ausland stellen hohe Ansprüche an deutsche Krankenhäuser

Diskussion um Behandlungsqualität schadet Kliniken

ROSTOCK (di). Patienten aus dem Ausland erfordern einen hohen Aufwand. Für Kliniken lohnt die Behandlung deshalb meist erst ab einer dreistelligen Patientenzahl.

Der Schheich kommt samt Entourage eingeflogen, lässt sich von deutschen Ärzten behandeln und begleicht großzügig die Rechnung. Wer sich die Behandlung ausländischer Patienten so einfach vorstellt, wird schnell von der Realität eingeholt.

Denn ausländische Patienten, dies wurde auf einer Tagung der Techniker Krankenkasse in Warnemünde deutlich, verlangen hohe Aufmerksamkeit. "Ausländische Patienten erfordern eine Betreuung rund um die Uhr", lautet die Erfahrung von Gunter Gotal. Der kaufmännische Direktor der Universität Greifswald hat in den vergangenen Jahren die Bemühungen insbesondere um Patienten aus Skandinavien und Polen erfolgreich intensiviert. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 81 Patienten in die Uniklinik, um sich stationär behandeln zu lassen. Hinzu kommt eine höhere Zahl von ambulant behandelten Auslandspatienten.

Die Betreuung rund um die Uhr ist Pflicht.

Die bringen aber nicht nur extrabudgetäre Einnahmen, sondern erfordern auch hohes Engagement. Um sich auf die Bedürfnisse der fremden Patienten einzustellen, sind laut Gotal neben einem Dolmetscherdienst und einer Abstimmung mit der Küche auch Angebote außerhalb des medizinischen Bereichs für Begleitpersonen und eine intensive Beratung über Leistungen notwendig. Gotal warnte zugleich davor, ausländischen Patienten zu hohe Preise zuzumuten. "Patienten wissen sehr genau, was eine Leistung an anderen Standorten kostet." Er riet zu einer detaillierten und verständlichen Rechnung.

Nach seinen Erfahrungen sollten sich nur größere Kliniken der Herausforderung stellen. Nach Ansicht des TK-Europa-Experten Günter Danner ist es nötig, dass sich medizinische Einrichtungen einer Region beim Werben um ausländische Patienten besser vernetzen. Bundesländer könnten nach seiner Einschätzung verstärkt auf europäischer Ebene auf vernetzte Gesundheitsangebote in ihrer Region aufmerksam machen. Zugleich verwies er auf starke Konkurrenz. Anbieter bräuchten deshalb Geduld und müssten die Bereitschaft mitbringen, Rückschläge zu verkraften. Als Problem für das Image deutscher Anbieter im Ausland schätzt er die ständige Diskussion um die Qualität im deutschen Gesundheitswesen ein. Danner warnte davor, das deutsche System schlecht zu reden.

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