Ärzte Zeitung, 16.01.2009

"Jetzt ist meine Existenz gesichert"

Den Wechsel vom selbstständigen Praxischef zum angestellten Arzt im MVZ Glückstadt hat Dr. Andrey Michalski nicht bereut.

Von Dirk Schnack

Der frühere Praxischef Dr. Andrey Michalski (Mitte) hat jetzt als MVZ-Chirurg betriebswirtschaftliche Ratgeber zur Seite. i

Foto: di

"Für mich und meine Patienten hat sich nicht viel geändert. Nur der Druck ist weg - wirtschaftliche Belange interessieren mich nicht mehr", sagt Dr. Andrey Michalski. Der Chirurg ist seit gut einem Jahr angestellter Arzt im MVZ Glückstadt, das zum Klinikum Itzehoe zählt. Zuvor war Michalski acht Jahre lang als niedergelassener Arzt sein eigener Chef und trug das volle unternehmerische Risiko.

Dafür hat er jetzt die Betriebswirte Matthias Brandt und Hannah Maria Werner an seiner Seite. Die beiden Kaufleute sind im Klinikum Itzehoe für den Bereich ambulante Versorgung zuständig und damit auch für die beiden MVZ mit insgesamt sieben Zulassungen und 34 Mitarbeitern verantwortlich.

Die Klinik-MVZ arbeiten noch nicht kostendeckend

Unter den elf angestellten Ärzten ist Michalski als ehemals Niedergelassener eine Ausnahme. Er hat seine Praxis an das Klinikum verkauft, weil er den wirtschaftlichen Druck satt hatte. Als angestellter Arzt hat der 58-Jährige jetzt die Perspektive, finanziell abgesichert, bis zum Ruhestand arbeiten zu können. Bereut hat er den Schritt nicht. Michalski ist sogar sicher, dass er aktuell unter den Bedingungen der Honorarreform seine Praxis kaum noch hätte halten können.

Über solche Probleme muss sich Michalski nicht mehr den Kopf zerbrechen. Brandt und Werner dagegen haben das Problem, dass die beiden Klinik-MVZ noch nicht kostendeckend arbeiten. Auch die mittelfristige Perspektive können sie wegen der Honorarreform nicht abschätzen. Dennoch halten sie die Übernahme der Zulassungen für den richtigen Schritt - denn sonst hätte die Konkurrenz zugegriffen.

Die meisten Zulassungen aus dem Kreis Steinburg werden dem Klinikum angeboten, weil die Praxisinhaber ihre ärztliche Tätigkeit aufgeben wollen und keinen Nachfolger finden. Wenn die Zulassung ins Konzept passt, besetzt Brandt die Stelle meistens mit Ärzten aus dem Klinikum.

Das Interesse der Klinikärzte an solchen Veränderungen ist nach Angaben Brandts hoch. Das Klinikum kann nach seiner Einschätzung mit dem Angebot, Ärzte auch in Praxen einsetzen zu können, auf dem Stellenmarkt Pluspunkte sammeln.

Zumindest keine Minuspunkte bringt dem Klinikum das MVZ-Engagement unter den einweisenden Ärzten der Region ein. "Wir engagieren uns in Absprache mit den Praxen in der ambulanten Versorgung und legen Wert auf die Kommunikation", betont Hannah Maria Werner. Und das bedeutet auch mal, Anbietern eine Absage erteilen zu müssen. So etwa für das halbe Dutzend Hausärzte, die dem Klinikum ihre Zulassung angeboten haben. "Ich befürchte, dass dies sogar noch mehr werden", sagt Brandt.

Die Klinik-MVZ konzentrieren sich auf die fachärztliche Versorgung. Nicht ausschließen will Brandt, dass bei einem entsprechenden Angebot auch solche Fachrichtungen hinzukommen, die die Klinik bislang nicht abdeckt, etwa Augenheilkunde oder Dermatologie. Kein Interesse hat er dagegen an Standortverlagerungen. Das heißt: Die Praxen sollten schon in Nähe der beiden Klinik-MVZ in Itzehoe und Glückstadt liegen.

Neben den MVZ zählen auch das ambulante Operieren und die Behandlung von Patienten nach Paragraf 116b SGB V zum Verantwortungsbereich Brandts und Werners. Statt auf Konfrontationskurs zu gehen, sind viele Praxisinhaber nach Erfahrungen Brandts froh, wenn das Klinikum Sprechstunden für seltene Erkrankungen einrichtet.

Niedergelassene sehen nicht nur die Konkurrenz

Die Resonanz der niedergelassenen Ärzte auf die Pläne des Klinikums im ambulanten Bereich ist unter dem Strich deutlich positiver als etwa in Metropolen mit hohem Konkurrenzdruck. Rückfragen von Kollegen bei Michalski zeigen, dass viele nicht nur für eine Kooperation aufgeschlossen sind, sondern konkret über einen Verkauf der Praxis nachdenken. Viele fragen ihn, was denn nach dem Verkauf aus seiner Altersvorsorge wird. Michalski ist sicher: "Wenn ich in Rente gehe, hätte ich die Praxis nicht mehr verkaufen können und meine Schulden wären noch nicht abgetragen gewesen. Jetzt ist meine Existenz gesichert."

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