Ärzte Zeitung, 09.07.2009

Ärztliche Kunst wird zum Kunstwerk

Mit Patienteneinwilligung werden im OP während des Eingriffs fotodokumentarische Bilder geschossen

FRANKFURT AM MAIN (ine). "Die Ergebnisqualität im OP muss stärker sichtbar gemacht werden", sagt Thomas Kraus, Ärztlicher Direktor am Nordwest Krankenhaus in Frankfurt am Main. Er geht dabei einen ganz eigenen Weg: Der Chefarzt zeigt Patienten, wie wunderschön ein Appendix oder ein Gallenstein aussehen kann. Das klingt nach oberflächlicher Ästhetik - ist es aber nicht.

So schön kann ein tubulovillöser Polyp in der Dickdarmschleimhaut sein: Ästhetische Op-Bilder zeigen Patienten ihre Einzigartigkeit.

Foto: Prof. Thomas Kraus

Hinter dem Ansinnen des Chefarztes steckt der Gedanke, dass Schönheit von den meisten Menschen mit etwas Gutem gleichgesetzt wird. Diesen Gedanken geht Thomas Kraus noch einen Schritt weiter und wendet ihn auf die medizinischen Leistungen seiner Klinik an. "Ich will unseren Patienten mit schönen Bildern die Qualität unserer Leistungen zeigen", erklärt er auf dem 3. Frankfurter Forum für Gesundheitskommunikation in Frankfurt am Main. "Gleichzeitig klären wir auf und zeigen, mit welchem Herzblut wir unsere Arbeit tun - damit erfüllen wir auch einen Marketing-Aspekt."

An der Klinik für Allgemein- und Viszeral-Chirurgie arbeiten 18 Ärzte. Für die stationäre chirurgische Behandlung stehen etwa 80 Betten auf drei Stationen zur Verfügung. Jedes Jahr operieren Thomas Kraus und sein Team im Schnitt etwa 2500 Patienten. Die Qualität einer Klinik zeigt sich für den Chirurgen bereits am Eingang mit einer Klarheit in Linie, Form und Struktur und macht auch vor dem OP nicht halt. Kraus und seine Mitarbeiter fotografieren, mit Einwilligung der Patienten, während der Operationen. Sie konzentrieren sich dabei auf Details, die Ergebnisse sind verblüffend: Da trägt ein Gefäßbogen in einem Darmabschnitt ein fast schon florales Muster, sehen Gallensteine wie schimmernde Kaviarkügelchen aus. Ein anderes Foto zeigt Verwachsungen am Darm als ein feines Netz aus Fäden, die die Schlingen umspannen. Mit einem ausgeprägten Sinn für Formen rückt das OP-Team sogar Hämorrhoiden ins rechte Licht.

"Wir zeigen damit dem Patienten seine Einzigartigkeit", beschreibt der Chirurg das Foto-Projekt. Es geht ihm um die Vermittlung von Eindrücken: "Ich will auch die emotionale Erfahrung des Teams zeigen, die Ernsthaftigkeit der Chirurgie." Nach dem Eingriff wird den Patienten die Mappe mit Fotos persönlich übergeben und besprochen. "Wir machen damit die Operation transparent und wir zeigen mit unseren Bildern, dass wir den Befund wertschätzen", so Kraus.

Die Reaktionen seien bislang durchweg positiv. Kraus plant, die Fotografien in einem Internet-Portal zu veröffentlichen: "Ich könnte mir eine Art Bildenzyklopädie vorstellen." In den nächsten zwei Monaten soll das Projekt realisiert werden.

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