Ärzte Zeitung, 30.07.2009

Die Töchter der Kliniken übernehmen vielerorts die Geschäfte

Krankenhäuser machen sich mit ihren Servicegesellschaften zunehmend unabhängig von privaten Dienstleistern.

Von Tim Braun

Für Kliniken rechnet es sich, die Technik in Eigenregie zu warten.

Foto: FAC´T

Die ersten Kunden der technischen Abteilung des Franziskus-Hospitals in Münster waren Konkurrenz-Häuser aus der Umgebung. Die Nachfrage stieg rasant. "Irgendwann standen wir vor der Entscheidung, ob wir uns eingliedern, schlucken lassen oder ein eigenes Unternehmen gründen sollen", sagt Tobias Krüer, Mit-Geschäftsführer der Fac`t GmbH, einer Tochtergesellschaft der St. Franziskus Stiftung in Münster. Die Stiftung entschied sich für die Gründung einer Servicegesellschaft. Um auf dem Markt als Multi-Dienstleister auftreten zu können, holte sie sich einen privaten Dienstleister dazu. Die Fresenius-Tochter Vamed führte über zwei Jahre die Geschäfte. Vor anderthalb Jahren kaufte die Stiftung dem privaten Partner die Anteile wieder ab und agiert seitdem selbstständig.

Das Selbermachen wird zum Trend. Große Maximalversorger, vor allem Universitätskliniken scheinen über diesen Schritt nachzudenken -einige haben ihn bereits vollzogen. Die Mehrzahl der großen privaten Klinikträger putzt, kocht und sterilisiert schon längst in Eigenregie. Das Know-how dafür kann man sich bei den Privaten einkaufen, den Geschäftsgewinn können die Gesellschaften dann selbst einstreichen.

Die ehemalige Technische Abteilung ist heute ein Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern und hat vier Tochtergesellschaften. Momentan versorgt Fac`t 50 Einrichtungen - neben Krankenhäusern sind das auch Altenheime und Reha-Kliniken - 14 davon gehören zur Stiftung.

Lassen sich mit einem derartigen Modell Gewinne machen, wo vorher nur Kosten entstanden? "Im Prinzip ja, doch an die Börse kann man damit nicht gehen", sagt Krüer. "Unser Umsatz wächst zwar pro Jahr zweistellig, der Gewinn hingegen nicht. Die Rendite nimmt stetig ab - und liegt deutlich unter fünf Prozent."

Die Kunden der Dienstleister drehen momentan kräftig an der Preisschraube - selbst langfristige Geschäftsbeziehungen würden derzeit von Seiten der Krankenhäuser neu überprüft, so Krüer. Das setzt vor allem die privaten Dienstleiter zusätzlich unter Druck - zumal der Markt für die klassischen Dienstleistungen wie das Catering und die Reinigungsarbeiten als abgegrast gilt. Wer hier noch Anteile ergattern will, muss andere verdrängen. Ab 200 Betten, so lautet eine Faustregel in der Branche, lohnt sich eine Servicegesellschaft - ab 2000 werden Dienstleister nicht mehr gebraucht.

Die Universitätsklinik Leipzig beispielsweise hat im Zuge ihres Umbaus ein zentrales Servicecenter geschaffen, das sie mit eigenen Mitarbeitern betreibt. Nur die Wäscheversorgung hat sie vergeben. "Wir sollten uns als Krankenhäuser nicht unter Wert verkaufen - vieles können wir auch alleine machen", sagt Matthias Wokittel, Kaufmännischer Vorstand der Uni-Klinik. Auch in den Universitätskliniken Münster und Bamberg gäbe es konkrete Überlegungen, den Dienstleistungsbetrieb in Zukunft selbst zu übernehmen, ist aus dem Umfeld der privaten Dienstleister zu hören.

Private Klinikbetreiber hingegen sind da schon weiter: "Eigentlich sind Helios und die Rhön Kliniken zumindest unter den Großen mittlerweile schon die Ausnahme. Sie haben ihre Dienstleistungs-Versorgung weitgehend regionalisiert, schreiben ihren aktuellen Bedarf jeweils aus und sorgen für einen regen Unterbietungswettbewerb", so ein Dienstleistungs-Manager, der nicht genannt werden will. Die Damp Holding hat sich dazu entschlossen, ihre Häuser künftig über eine zentrale Servicegesellschaft mit sämtlichen Leistungen zu versorgen. Über acht Standorte werden bislang zehn eigene und 15 externe Einrichtungen bedient. "All diese Leistungen von der Sterilgut-Versorgung über Reinigungsdienst und Catering bis hin zur Logistik selbst zu übernehmen, macht für einen Träger vor allem dann Sinn, wenn er groß genug und regional gebündelt ist", sagt Ralf Berscheid, Sprecher der Geschäftsführung der Servicegesellschaft, die momentan 1500 Mitarbeiter beschäftigt."Das Know-how und die Weitsicht, die man bei dem Geschäft braucht, hatten wir größtenteils selbst, da wir ja ein Klinikverbund sind. Spezielles Know-how sowie die dazu notwendige Geschwindigkeit haben wir uns eingekauft", so Berscheid. Vor der Umstrukturierung seien diese Aufgaben vor allem über Organschaften von privaten Dienstleistern erbracht worden.

Heute sind das Konkurrenten auf dem Markt - zumindest in den Regionen Norddeutschlands, in denen die Damp-Holding ihre Einrichtungen hat. Die externe Nachfrage steige, so Berscheid. Im Jahr 2008 hat die Servicegesellschaft - samt Einkaufsgemeinschaft - einen Umsatz von 100 Millionen Euro erwirtschaftet. Immerhin zehn Millionen Euro stammten aus dem Geschäft mit externen Einrichtungen. "Uns geht es vor allem darum, die Produktionsstätten besser auszulasten", sagt Berscheid. Die Tochter der St. Franziskus-Stiftung Fac`t hingegen hat gerade eine neue Tochtergesellschaft gegründet, die einem neuen Bedarfstrend folgt: Dem Energie-Management in Krankenhäusern.

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