Ärzte Zeitung online, 22.03.2010

Klinikärzte streiken vor Verhandlungen

KÖLN (dpa). Mit bundesweiten Warnstreiks haben Klinikärzte vor Fortsetzung der Tarifverhandlungen versucht, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Nach Angaben der Gewerkschaft Marburger Bund (MB) beteiligten sich am Montag mehrere tausend Ärzte in über 100 kommunalen Krankenhäusern an der eintägigen Aktion.

Auf die Patienten habe dies keine größeren Auswirkungen gehabt, sagte ein MB-Sprecher. "Nur in Einzelfällen wurden planbare Operationen verschoben, die Notfallversorgung war überall gewährleistet." Am Abend sollte in Köln die vierte Runde der Tarifverhandlungen für die rund 55 000 Ärzte an kommunalen Kliniken beginnen.

Zuvor kamen laut MB rund 1200 Mediziner, unter anderem aus Kliniken in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern zur zentralen Kundgebung in Köln. In weißen Kitteln und mit Trillerpfeifen zogen sie am Verhandlungsort vorbei. Auf Plakaten hieß es zum Beispiel "Arzt sein - Vom Traum-Job zum Job-Trauma" oder "Kein Nachtdienst zum Billiglohn".

Die Ärzte verlangen fünf Prozent mehr Gehalt und bessere Bezahlung der Bereitschaftsdienste. "Wir erwarten Bewegung bei den Arbeitgebern", sagte der Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB), Rudolf Henke, der dpa. "Wenn es keine Annäherung gibt, schließen wir eine Urabstimmung nicht aus." Schon jetzt seien 5000 Arztstellen unbesetzt, weil schlechte Bedingungen junge Ärzte abschreckten. Nach MB-Angaben gibt es in Deutschland etwa 800 kommunale Kliniken, rund 100 davon haben aber einen eigenen Haustarifvertrag.

Die Vereinigung kommunaler Arbeitgeber (VKA) weist die Forderungen der Ärzte-Gewerkschaft als unerfüllbar zurück. Sie hat vorgeschlagen, die Ärzte-Gehälter genau wie die der übrigen Krankenhaus-Beschäftigten um 2,3 Prozent zu erhöhen. Die deutschen Ärzte verdienten ohnehin schon Spitzengehälter im europäischen Vergleich, sagte VKA-Verhandlungsführer Joachim Finkenburg der dpa. Auch bei den Bereitschaftsdiensten habe es in den vergangenen Jahren bereits "Gehaltsanpassungen" gegeben.

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