Ärzte Zeitung, 06.04.2010

Kooperation mit Niedergelassenen nur eine Stellschraube

Dem Fachärztemangel im Osten versucht eine Klinik durch verstärkte Zusammenarbeit mit Praxen zu begegnen. Der Schuh drückt aber noch an anderen Stellen.

Von Dirk Schnack

Kooperation mit Niedergelassenen nur eine Stellschraube

Der Fachärztemangel im Osten erforderte eine enge Kooperation zwischen Klinik und Niedergelassenen. © ioannis kounadeas / fotolia.com

WOLGAST. Das Kreiskrankenhaus Wolgast wächst allein im ambulanten Bereich und will enger mit den Praxen in der Region kooperieren. Ziel ist eine gemeinsame Antwort auf den Fachärztemangel im Osten. "Wir müssen uns auf die Bevölkerungsentwicklung und den zunehmenden Fachärztemangel einstellen und die Zusammenarbeit zwischen Klinik und Praxen ausbauen", sagte Chefarzt Dr. Frank Gürtler. In der Region haben abgebende Praxisinhaber besonders große Probleme, einen Nachfolger zu finden.

Wolgast hat gerade die sechste Vertragsvereinbarung mit einer Praxis im Nachbarort Anklam abgeschlossen. Die  Ärzte können die klinische Infrastruktur wie etwa OP-Räume in Wolgast nutzen. "Bei einer weiteren Ausdünnung des Ärztenetzes müssen sich Krankenhausärzte und ambulante Mediziner im Interesse ihrer Patienten gegenseitig wesentlich stärker unterstützen und ergänzen", forderte Gürtler. Das Krankenhaus spürt längst die hohe Nachfrage nach ambulanten medizinischen Leistungen.

Die Bilanz für das vergangene Jahr weist insgesamt 28 061 behandelte Patienten aus, das sind 1500 mehr als 2008. Ein Blick auf die ambulant behandelten Patienten macht deutlich, dass allein dieser Bereich wächst. Denn über die Hälfte der Patienten, genau 14 591, wurden ambulant behandelt. In 2008 waren es noch 12 650. Die Zahl der stationär behandelten Patienten war also rückläufig.

Das Umsatzergebnis der Klinik stieg um 5,5 Prozent von 25,2 Millionen Euro in 2008 auf 26,6 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Einen Rekordansturm verzeichnete die Zentrale Notaufnahme. Als Gründe nennt die Klinik die gute Sommersaison und den harten Winter. Mit 8181 Notfällen wurden in der Ambulanz mehr Patienten behandelt als je zuvor (2008: 7335).

Wegen des hohen Urlauberaufkommens in der Region kamen Menschen aus 18 verschiedenen Nationen in das kleine Krankenhaus.

Im Jahresdurchschnitt  arbeiteten 2009 insgesamt 382 Beschäftigte am Wolgaster Kreiskrankenhaus (2008: 368). Der Pflegedienst stellte mit 119 Mitarbeitern die größte Personalgruppe, 46 Ärzte sind am Krankenhaus beschäftigt. Mit 67 Prozent ist das Personal der größte Kostenblock - mit steigender Tendenz. 2007 betrug der Personalaufwand noch 14,2 Millionen Euro, für das laufende Jahr werden bereits 17 Millionen Euro erwartet.

Der Anstieg soll durch Effizienzsteigerungen ausgeglichen werden. Dazu soll auch ein digitales Patientenarchiv beitragen, das derzeit noch im Probebetrieb ist. "Die Zukunft in Wolgast ist digital; von der Papierakte werden wir uns in diesem Jahr verabschieden", kündigte Gürtler an. Röntgen- und MRT-Aufnahmen werden bereits über die 2008 gelegte Datenleitung zwischen Wolgast und der Uniklinik Greifswald versendet.

Kürzlich wurde der hundertste Patient für die telemedizinische Überwachung seiner Herzschwäche vom Wolgaster Krankenhaus an das Telemedizinzentrum nach Greifswald vermittelt. Gürtler: "Die Telemedizin ist ein Weg, die demografische Entwicklung mit neuen Technologien zu meistern."

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