Ärzte Zeitung online, 30.07.2010

Vergütung im PJ: Bochum macht es vor

KÖLN (iss). Der Hartmannbund (HB) in Westfalen-Lippe setzt sich dafür ein, dass alle Kliniken des Landes Medizinstudierenden im Praktischen Jahr (PJ) eine Vergütung zahlen. Sie sei nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch als Ausdruck der Anerkennung für die geleistete Arbeit notwendig, argumentiert der HB. Der Verband begrüßt, dass die Universitätsklinik Bochum hier mit gutem Beispiel voran geht.

Vergütung im PJ: Bochum macht es vor

Die Uniklinik Bochum macht es vor: 400 Euro im Monat für jeden PJ'ler. Vielleicht folgenden bald andere Häuser, wir hier in Düsseldorf.

© Olaf Döring / imago

Die Bochumer Uniklinik und ihre akademischen Lehrkrankenhäuser zahlen den rund 200 dort tätigen PJ'lern seit 1. März eine Vergütung von 400 Euro. Das sei zwar im Vergleich mit der Bezahlung von Lehrern und Juristen im Referendariat immer noch wenig, aber ein wichtiges Signal, sagt der HB-Vorsitzende in Westfalen-Lippe Dr. Klaus Reinhardt. "Diese Anerkennung und Förderung ist längst überfällig und sollte flächendeckend in unserem Land üblich sein", lobt er.

Leider sehe es oft noch anders aus. "Durchschnittlich 38,5 Stunden pro Woche unbezahltes Arbeiten und währenddessen Vorbereitung auf anstehende Prüfungen - hier werden junge Ärzte vielerorts direkt darauf vorbereitet, dass ärztliches Tun keinesfalls entsprechend honoriert wird", sagt Reinhardt.

Auch der Studierendenvertreter des HB an der Bochumer Klinik Majed Hajmohammed lobt die Initiative. Neben dem klinischen Alltag und dem Selbststudium bleibe den Studierenden keine Zeit, Geld hinzuzuverdienen, sagt er. "Die neu eingeführte PJ-Vergütung halte ich für eine gute Entscheidung und eine konstruktive Maßnahme, um die studentische Ausbildung im Medizinstudium attraktiver zu gestalten."

[05.08.2010, 23:19:47]
Dr. Christoph Luyken 
Falsches Signal
Ich halte die Einführung einer Vergütung für Studenten im Praktischen Jahr für absolut verfehlt. Damit wird der skandalöse Zustand, daß die Studenten wie selbstverständlich zur Arbeit genötigt werden, zwar geschönt, aber gleichzeitig auch zementiert. Studium ist Studium und nicht Arbeit. Die akademischen Gäste aus der Uni zur Arbeit zu verpflichten, ist aus ärztlicher Sicht unwürdig und aus Sicht der Krankanhausverwaltungen schlicht Ausbeutung. Daran ändern auch 400€ (im Monat?) für 38,5 Wochenstunden nichts. Zur Zeit meines PJs waren wir als Gäste im Haus dazu eingeladen, den ärztlichen Arbeitsabläufen beizuwohnen und sie zu beobachten. Wir durften, aber mußten nicht (nach Anleitung) bestimmte Tätigkeiten übernehmen - aber ohne Zwang und Zeitdruck. Ebenso wurde akzeptiert, wenn wir das Gesehene in der Bibliothek vertieften. Die Nachmittage standen in der Regel für die Vorbereitung auf das 3. Staatsexamen zur Verfügung. - Was da offenbar heute in den akademischen Lehrkrankenhäusern abgeht, ist ja wohl eine Wiederholung der unhaltbaren Zustände von früher, wo angehende Ärzte gnadenlos ausgebeutet wurden. Gut daß Medizinalassistenten- und AiP-Zeiten abgeschafft wurden. Anscheinend haben die ehemaligen Nutznießer jetzt einen noch billigeren Ersatz an abhängigen (im Hinblick auf die mündliche Prüfung) Opfern gefunden... Schade, daß die Studenten sich durch die 400€ blenden lassen und scheinbar nicht merken, wie mit ihnen umgesprungen wird.
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