Ärzte Zeitung, 25.10.2010

Hotel-Klinik im Luxusambiente für Medizintouristen

Medizintouristen finden in Düsseldorf eine neue Anlaufstelle mit Hotelservice.

Von Katrin Berkenkopf

DÜSSELDORF. Am Ende des Hotel-Flures mit dem plüschigen Teppich, der jeden Schritt dämpft, öffnet sich eine unscheinbare Tür - und der Besucher steht mitten in einer kleinen Klinik, links der OP, rechts die Patientenzimmer. An Krankheit soll hier aber wenig erinnern, die Innenausstattung ist aus edlen Materialien in Naturtönen, Orchideen und Aquarien beruhigen das Auge. Wohlhabende Patienten aus aller Welt werden hier seit Kurzem Tür an Tür mit dem Düsseldorf Luxus-Hotel Breidenbacher Hof behandelt.

Neben der führenden Destination München ist auch Düsseldorf in Deutschland ein bedeutendes Ziel für Medizintouristen aus dem Ausland. Davon wollen Ärzte und Hoteliers verstärkt profitieren. Die Idee zur Klinik, die in ein Hotel integriert ist, hatten die beiden Chirurgen Dr. Malte Villnow und Dr. Branislav Matejic. Er war bislang Chefarzt an der Klinik der Augustinerinnen in Köln, Villnow besitzt bereits mehrere Kliniken.

Im Breidenbacher Hof gab es schon die Privatpraxis Preventicum, jetzt kommt die neue Einrichtung hinzu. "Ich kenne kein Hotel in Europa, das eine solche Klinik hat", sagt Hotel-Direktor Cyrus Heydarian. Er will durch Medizintouristen in den kommenden Jahren seine Auslastung um drei bis sechs Prozent steigern. Bereits heute reisen 20 bis 30 Prozent der russischen Hotelgäste für medizinische Behandlungen an.

2,5 Millionen. Euro haben sie in die 500 Quadratmeter große Einrichtung investiert. Anfänglich war ihr Konzept auf die Schönheitschirurgie beschränkt, dann aber erweiterten sie die Idee. "Wir wollten nicht nur ästhetisch indizierte Medizin fördern", sagt Matejic. In den beiden Klinikbereichen "Pearl of Aesthetic" und "Clinic of Medical Experts" arbeiten jetzt sieben Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen. Die meisten von ihnen sind Chefärzte an Kliniken der Umgebung. Weitere Fachärzte sollen das Team künftig komplettieren. "Wir haben immer wieder festgestellt, dass viele internationale Patienten sich in der Umgebung der üblichen Krankenhäuser nicht so wohlfühlen", sagt Dr. Bernhard Johannes Lammers, leitender Arzt für Koloproktologie und Hernienchirurgie am Lukas-Krankenhaus Neuss.

Wohlfühl-Ambiente steht dagegen in der Privatklinik an oberster Stelle. Patienten und Angehörige können im Hotel wohnen. Ist ein stationärer Aufenthalt nötig, können die Patienten für einige Tage eines der vier Betten belegen und dabei gleichzeitig die Service-Angebote des Breidenbacher Hofs in Anspruch nehmen. "Schwerkranke mit großem Risiko werden wir hier sicher nicht versorgen", erklärt Professor Peter Goretzki, Chefarzt der Chirurgie am Lukas-Krankenhaus. So will er hier etwa kleinere Schilddrüseneingriffe vornehmen. Goretzki will die Hälfte seines Honorars aus dieser Nebentätigkeit an die Organisation Ärzte ohne Grenzen spenden.

Zehn Mitarbeiter stehen parat, im Notfall ist ein Arzt innerhalb von zehn Minuten vor Ort. Läuft es nach den Plänen von Villnow und Matejic, sind die drei OP-Säle in Zukunft für zwölf Stunden täglich an sechs Tagen in der Woche ausgelastet.

Auch Privatpatienten, die keine Unterbringung im Hotel wollen oder brauchen, sollen hier versorgt werden, dafür gibt es einen eigenen Ein- und Ausgang zur Königsallee hin. Doch nicht nur Wohlhabende sollen das Innere der Klinik künftig zu Gesicht bekommen. "Es soll nicht nur eine Klinik für Privatpatienten bleiben", betont Matejic. Der Verhandlungen mit Kassen liefen, um künftig auch gesetzlich Versicherte behandeln zu können.

Zudem wollen die Inhaber die Klinik zur Aus- und Fortbildung junger Mediziner nutzen. So gibt es in den OP-Sälen Kameras, die Eingriffe entweder in den klinikeigenen Besprechungsraum oder auch in einen Tagungssaal des Hotels übertragen.

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