Ärzte Zeitung online, 08.04.2011

Klinikum Fulda: Operationen mit unsterilem Besteck

Das Klinikum Fulda kommt nicht zur Ruhe: Anfang des Jahres war das Haus mit verunreinigtem OP-Besteck in die Schlagzeilen geraten. Nun bahnt sich ein neuer Skandal an: Patienten wurden mit unsterilen Instrumenten operiert.

Klinikum Fulda: Operationen mit unsterilem Besteck

Erneut in der Kritik: Am Klinikum Fulda wurden Patienten offenbar mit nicht sterilen Instrumenten operiert.

© dpa

FULDA (dpa/eb). Nur drei Monate nach dem jüngsten Hygieneskandal am Klinikum in Fulda hat es dort erneut eine Panne gegeben. Nach Angaben des Klinikums wurden mindestens zwölf Patienten mit OP-Besteck operiert, das zuvor nicht sterilisiert wurde.

Wie das passieren konnte, sei noch unklar, sagte Klinikvorstand Harald Jeguschke am Freitag. Offenbar habe ein Mitarbeiter einen Fehler gemacht. Nach derzeitigem Stand "müssen wir von menschlichem Versagen der höchsten Stufe ausgehen", sagte der Klinikchef.

Die genaue Zahl der betroffenen Patienten stehe noch nicht fest. Sie seien zwischen dem 31. März und dem 5. April operiert worden. Das Klinikum sucht noch sieben weitere Patienten, die mit den Instrumenten operiert worden sein könnten.

Eine wachsame OP-Schwester hatte die Panne aufgedeckt. Ihr war aufgefallen, dass ein notwendiger Sterilitätshinweis an dem Besteck fehlte. Schlimme Folgen für die Patienten hatte das Versehen allerdings wohl nicht.

Die nun betroffenen Siebe und Einzelinstrumente seien zwar gereinigt und desinfiziert worden, sagte Jeguschke. Das Material sei aber "am Sterilisator vorbei" zurück in die jeweiligen Fachgebiete gegeben worden.

Derzeit lägen "keine Erkenntnisse über etwaige Komplikationen" bei den Patienten vor, wurde der Vorstand der Krankenversorgung, Professor Winfried Fassbinder, in einer Mitteilung des Klinikums zitiert. Es sei "eher wahrscheinlich", dass Patienten keinen Schaden genommen haben.

Klinikchef Jeguschke sagte der "Fuldaer Zeitung": "Der Prozess der Reinigung ist ein Kreislauf. Der wurde bewusst unterbrochen." Die Reinigung sei seit den Vorfällen im Januar ein höchst sensibler Prozess. Umso größer seien nun auch Wut und Unverständnis in der Belegschaft, so Jeguschke.

Erst im Januar war OP-Besteck schmutzig aus der Sterilisation gekommen. Auf den Scheren, Zangen und Klemmen, die nach dem OP-Gebrauch gereinigt werden sollten, hatten unter anderem Flugrost und Blutreste geklebt.

Hunderte von Operationen mussten abgesagt werden, es entstand ein Verlust von mindestens einer Million Euro. Die Zentralsterilisation war Mitte Januar geschlossen und später neu eröffnet worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte nach den Vorfällen im Januar Ermittlungen aufgenommen. Auch nach dem jüngsten Vorfall ermittelt sie.

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