Ärzte Zeitung online, 21.04.2011

30 Millionen Euro Defizit: Offenbacher Klinikum mit dem Rücken zur Wand

OFFENBACH (ava). Eine Hiobsbotschaft von ihrem städtischen Klinikum hat die Stadt Offenbach zu verkraften. Das Krankenhaus hat 2010 fast 30 Millionen Euro Defizit gemacht. Das sind 8,4 Millionen Euro mehr als Anfang Dezember erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt eine jetzt von der Stadt veröffentlichte Rechnungsprüfung.

Das unerwartet hohe Minus wird nach Angaben der Stadt zunächst dazu führen, dass das Klinikum seine Eigenkapital-Reserve stärker angreifen muss. Die Stadt Offenbach hatte sie Ende 2010 von 20 auf 50 Millionen Euro erhöht. Laut Angaben von Stadtkämmerer und Klinik-Dezernenten Michael Beseler ist das Klinikum noch zwölf Monate zahlungsfähig. Darüber hinaus wagte er keine Prognose. Um Kosten zu senken, will die Klinikleitung nun Personal abbauen. Bis zu 150 Stellen - vor allem in Verwaltung und Technik - stehen Beseler zufolge auf dem Prüfstand. Bis zu 7,5 Millionen Euro könnten so eingespart werden.

Das Klinikum Offenbach ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung, das über rund 900 Betten verfügt. Erst im vergangenen Sommer wurde ein 150 Millionen Euro teurer Neubau eröffnet. Der Jahresumsatz lag 2008 bei 152 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Bei 430 Millionen Euro Umsatz hat die Universitätsklinik des benachbarten Frankfurt/Main im vergangenen Jahr 3,5 Millionen Euro Verlust gemacht - halb so viel wie 2009, als noch rund sieben Millionen Euro zu Buche schlugen.

Das 30 Millionen Euro-Defizit des Offenbacher Klinikums ist daher zwar erschreckend hoch, passt aber in das Bild, das beispielsweise das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) alljährlich in seinem Krankenhaus Rating Report von der Situation kommunaler Klinken malt. Vor einem Jahr prognostizierte der RWI-Forschungskoordinator Boris Augurzky ein Gesamt-Defizit von 750 Millionen Euro für kommunale Häuser.

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