Ärzte Zeitung, 12.05.2011

Hintergrund

Die fetten Jahre für Kliniken sind vorbei

Öffentlich-rechtliche Krankenhäuser stehen wirtschaftlich signifikant schlechter da als Kliniken in anderer Trägerschaft. Das geht aus dem aktuellen Krankenhaus Rating Report 2011 hervor. Ein Grund: Die Politiker lassen den Klinikmanagern nicht die unternehmerische Freiheit.

Von Antonia von Alten

Die fetten Jahre für Kliniken sind vorbei

Klinik kurz vor der Schließung: Nach dem jüngsten Krankenhaus-Rating-Report droht jeder zehnten deutschen Klinik dieses Schicksal.

© imago/wolterfoto

Die gute Botschaft des aktuellen Krankenhaus Rating Reports lautet: Es ist grundsätzlich möglich, eine Klinik rentabel zu führen.

Lokalpolitiker bremsen die tatkräftigen Sanierer kommunaler Kliniken aus

Im Jahr 2009 befanden sich 12 Prozent der Krankenhäuser im "roten Bereich" mit hoher Insolvenzgefahr, 75 Prozent lagen im grünen Bereich, die restlichen 13 Prozent dazwischen.

Die Studienautoren des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), des Institute for Health Care Business (HCB) und der ADMED Unternehmensberatung haben für den 7. Krankenhaus Rating Report 700 Bilanzen unter die Lupe genommen.

Dahinter verbergen sich 1000 Krankenhäuser mit sehr unterschiedlicher Finanzkraft: private, freigemeinnützige und schließlich kommunale Krankenhäuser.

Insgesamt hat sich nach den Ergebnissen des Reports die wirtschaftliche Lage der Kliniken 2009 im Vergleich zu 2008 verbessert. Die Ergebnisse sind aber im Detail sehr heterogen. So schneiden öffentlich-rechtliche Häuser signifikant schlechter ab als private oder freigemeinnützige.

2009 lagen 21 Prozent der kommunalen Häuser im roten Bereich (hohes Insolvenzrisiko), während es bei freigemeinnützigen zehn Prozent und bei privaten vier Prozent waren.

Dr. Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit des RWI, sieht mehrere Ursachen für die finanzielle Schieflage der kommunalen Träger.

Ein wesentlicher Hemmschuh seien die Politiker, die grundsätzliche Sanierungen blockieren: "Die kommunalen Klinikbetreiber haben einfach nicht die unternehmerische Freiheit, die kirchliche oder private haben", so Augurzky.

Mit Entlassungen, Schließungen von Fachabteilungen oder Zusammenlegungen von Krankenhäusern können Kommunalpolitiker bei ihren Wählern nicht punkten.

Sie pumpen daher lieber weiter Geld in marode Häuser und bremsen über den Aufsichtsrat die Sanierungsvorschläge tatkräftiger Klinikmanager aus.

Dazu kommt, dass die kommunalen Krankenhäuser im Westen Deutschlands unter den Aufwendungen für die Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter stöhnen. Über die Tarifverträge ist ein Großteil der Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes in der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) pflichtversichert.

Da diese Versorgungsanstalt selbst finanzielle Probleme hat, müssen kommunale Arbeitgeber wie die Krankenhäuser Monat für Monat mehr Geld einzahlen, als später an Rente für ihre Mitarbeiter ausbezahlt werden wird.

Im Osten Deutschlands sieht es ganz anders aus: Hier schneiden die Häuser in kommunaler Trägerschaft durch die Bank gut ab. Die Erklärung ist einfach: Nach der Wende wurden die Krankenhaus-Strukturen stark bereinigt und kleine Häuser geschlossen.

So hat Sachsen ein Drittel weniger Klinikstandorte pro Einwohner als Bayern. Auch bei der Altersvorsorge haben die ostdeutschen Kliniken keine Altlasten übernommen: Sie haben sich für eine kapitalgedeckte Rentenversicherung entschieden.

In Zahlen ausgedrückt: Die ostdeutschen Häuser müssen nur 1,5 Prozent ihres Umsatzes in die Altersvorsorge ihres Personals stecken, im Gegensatz zu 4,1 Prozent des Umsatzes westdeutscher Kliniken.

Erstaunliche Ergebnisse liefert die RWI-Studie im Hinblick auf die Verteilung von finanzstarken und maroden Kliniken über die Bundesländer: In Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Thüringen und in Sachsen ist die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser 2009 am besten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Im Mittelfeld befinden sich Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin.

Auffallend schlecht geht es der Studie zufolge den Krankenhäusern in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Bremen und Bayern. Das Schlusslicht der Bundesländer bildet Baden-Württemberg.

Der Grund auch hier: In den Bundesländern, die besonders schlecht abschneiden, überwiegen die öffentlich-rechtlichen Träger, in Nordrhein-Westfalen, wo es den Kliniken besser geht, sind 70 Prozent der Häuser in freigemeinnütziger Hand.

Was ist zu tun? Der Ratschlag der Wirtschaftsfachleute ist eindeutig: Spezialisieren, schließen, zusammenlegen. Augurzky ist sich sicher: "Die Versorgungssicherheit wird dadurch auch auf dem flachen Land nicht gefährdet."

Gerade auf dem Land sei es häufig möglich, in einem Klinikverbund aus drei schwachen Häusern zwei zu sanieren und als "mittelstarke" Häuser weiterzuführen und das dritte zu schließen.

Als Beispiel nennt Augurzky die Übernahme der Rottweil-Kliniken durch den privaten Helios-Klinikkonzern im März dieses Jahres. Dort wird ein Standort geschlossen, die zwei anderen sollen saniert werden.

Der Krankenhaus Rating Report 2011 kostet 270 Euro und kann beim RWI bezogen werden: bestellungen@rwi-essen.de

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