Freitag, 31. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 30.06.2011

UKE-Chef Debatin kehrt Kliniken den Rücken

Professor Jörg Debatin ist einer der bekanntesten Klinikmanager Deutschlands. Nun verlässt er das UKE - und will auch nicht mehr in anderen Kliniken arbeiten.

Von Dirk Schnack

UKE-Chef Debatin kehrt Kliniken den Rücken

Abschied nach acht Jahren UKE: Prof. Jörg Debatin.

© Dirk Schnack

"Richtig angreifen" wolle er in seiner neuen Aufgabe beim Labordienstleister amedes AG, dem er ab Oktober als Vorstand dienen wird, kündigte Professor Jörg Debatin in einer Pressekonferenz an.

Als Angreifer haben auch die Hamburger den Mediziner kennen gelernt: Als der 2003 zum UKE kam, herrschten dort Zustände, die einen tatkräftigen Manager ohne Scheu vor Konflikten und mit dem Mut, veraltete Strukturen umzukrempeln, erforderten.

Debatin ließ buchstäblich kaum einen Stein auf dem anderen. Neue Gebäude inklusive eines hochmodernen Zentralklinikums waren äußere Zeichen, die er setzte. Wirtschaftlich führte er das überschuldete UKE in sicheres Fahrwasser und präsentierte für das abgelaufene Geschäftsjahr eine schwarze Null.

In der Vergangenheit verunsicherte Patienten kehrten zurück und sorgten für einen Andrang, der manchmal schwer zu bewältigen war. Unter seiner Ägide gab es viele Personalwechsel, und nicht jeder Mitarbeiter schwärmt so von seinem Chef wie der kaufmännische Direktor Dr. Alexander Kirstein, der Debatin "Tatkraft, Energie und täglich neue Ideen" bescheinigte.

Kirstein würdigte auch Debatins Talent im Umgang mit den Medien, die dem Klinikmanager allerdings auch manches Kopfzerbrechen bereiteten. Etwa, als sie die Sorgen der UKE-Klinikchefs und negative Patientenerfahrungen genüsslich ausbreiteten, als kurz nach dem Umzug ins neue Klinikum noch nicht alles wie am Schnürchen lief.

Debatin nahm solche Scharmützel stets sportlich. Er ging in solchen Auseinandersetzungen meist in die Offensive - wissend, dass in der Medienstadt Hamburg ein Unternehmen seiner Größe nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt werden kann.

Aber auch nicht gegen die Politik, wie Debatin feststellen musste. Mit Hamburgs neuer Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) soll Debatin nicht immer einer Meinung gewesen sein.

Das ging so weit, dass der frühere Gesundheitssenator und heutige Hamburger CDU-Fraktionschef Dr. Dietrich Wersich mutmaßte, die Hamburger SPD habe Debatin "vergrault".

Der Klinikmanager dementierte glaubhaft - denn Streit ist der konflikterprobte Manager in den vergangenen Jahren in Hamburg nie aus dem Weg gegangen. "In politische Fragen mischt man sich ein, deswegen geht man nicht", sagt Debatin.

Stapelfeldt kam nicht umhin, den UKE-Chef zu würdigen. Dieser habe maßgeblich dazu beigetragen, das UKE zu modernisieren, sagte sie, und bescheinigte dem UKE, unter seiner Führung, auch in der EHEC-Krise "vortreffliche Arbeit" geleistet zu haben.

EHEC war nach Angaben Debatins auch dafür verantwortlich, dass die Bekanntgabe seines Wechsels erst jetzt und nicht schon vor zwei Monaten erfolgte.

Warum aber wechselt der in ganz Deutschland bekannte Klinikmanager zu einem Labordienstleister, dessen Namen nur Insider kennen? Erstens, weil Debatin gar nicht zu einem anderen Klinikum wechseln konnte - zu eng ist sein Name mit dem UKE verbunden. Er hat stets das Gefühl vermittelt, sich voll mit dem Haus zu identifizieren. "Mehr als UKE ging nicht", formulierte es Debatin.

Zweitens, weil er Herausforderungen liebt. Als Vorstandsvorsitzender der amedes AG wird der 49-Jährige dort nicht nur einen Generationswechsel einleiten, sondern ein Unternehmen führen, das in einem der dynamischsten Märkte des Gesundheitssystems agiert. Unter Debatin will das Unternehmen den Börsengang wagen.

Was wird nun aus dem UKE? Debatin glaubt, dass das Haus gut genug aufgestellt ist, um in Ruhe einen Nachfolger suchen zu können. Kirstein rechnet damit, dass sich das UKE künftig auch ohne Debatin positiv entwickeln wird - was dieser auch verlangt. "Sonst komme ich zurück", scherzte er in der Pressekonferenz - die Identifikation mit dem UKE lässt sich nur schwer ablegen.

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