Ärzte Zeitung online, 04.08.2011

Essener Kliniken gründen "Heart Failure Board"

KÖLN (iss). In Essen bündeln Ärzte aus drei Kliniken ihre Kompetenzen, um die Versorgung von Patienten mit einer schweren Herzschwäche zu verbessern. Die Universitätsklinik, das Elisabeth-Krankenhaus und das Alfried Krupp Krankenhaus haben das "Zentrum für Herzinsuffizienz Essen" ins Leben gerufen.

Ein Kernstück des neuen Zentrums ist das "Heart Failure Board". In der Expertenkommission sitzen drei Kardiologen und ein Kardiochirurg.

Ihnen können niedergelassene Ärzte sowie Kollegen aus den drei beteiligten Kliniken und anderen Krankenhäusern Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz vorstellen - entweder persönlich, über eine Telefonkonferenz oder die elektronische Befundübermittlung.

Vorbild Tumorkonferenzen

Die Board-Ärzte treffen sich einmal in der Woche oder alle zwei Wochen und sind über eine spezielle Rufnummer zu erreichen.

Vorbild für die Arbeit des Gremiums sind die Tumorkonferenzen. "Unser Ziel ist es, gemeinsam die jeweils optimale Therapie für die Patienten zu finden", sagt Dr. Florian Laubenthal vom Alfried Krupp Krankenhaus, einer der vier Herzinsuffizienz-Experten.

Sie helfen den Kollegen auch dabei, für die Patienten gegebenenfalls die geeigneten Behandlungsplätze zu finden, etwa wenn es um eine Herztransplantation oder um ein Kunstherz geht. "Ärzte haben oft Schwierigkeiten, die Patienten unterzubringen."

Die Versorgungsstrukturen seien bislang auf die steigende Zahl von schwer Erkrankten nicht eingestellt.

"Wir sind beratend tätig"

Laubenthal will Vorbehalte gegenüber der neuen Einrichtung abbauen. Das Zentrum solle nicht dazu dienen, die Kranken von den niedergelassenen Ärzten oder den anderen Kliniken wegzuholen, betont der Kardiologe. "Wir sind beratend tätig."

Bislang haben die Experten nur die Therapie für Patienten aus den drei beteiligten Häusern besprochen, berichtet er. Die Kliniken haben zusammen 375 Betten zur Behandlung von Patienten mit Herzerkrankungen.

Auf Basis der internationalen Leitlinien entwickeln sie gemeinsam Standards für die Diagnostik und Therapie im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung.

Das Zentrum soll künftig auch Fortbildungsveranstaltungen, Lehrgänge und virtuelle Trainingskonzepte zur Prävention oder zum Screening von leichten und mittleren Formen der Herzinsuffizienz für Ärzte und Patienten anbieten.

"Es ist ein Pilotprojekt. Wir müssen jetzt sehen, ob es sich bewährt", sagt Laubenthal. Es werde sich zeigen, ob Änderungen am Konzept notwendig sind und das Board beispielsweise erweitert werden muss.

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Kommentar: Kooperation statt Konkurrenz

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