Ärzte Zeitung online, 18.08.2011

Hintergrund

Erfahrene Ärzte werden im Ausland deutlich besser bezahlt

Deutschlands Ärzte verdienen gut, sagt die Krankenhausgesellschaft. Das ist relativ, meint der Marburger Bund.

Von Christiane Badenberg

DKG sieht für Klinikärzte keinen Grund zum Jammern

Streik für bessere Bezahlung: Die Kliniken sehen für die Ärzte allerdings keinen Grund zum Jammer.

© Marburger Bund

Wenn es um ihr Einkommen geht, haben Deutschlands Krankenhausärzte keinen Grund zur Klage. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

Der Chef des Marburger Bundes, Rudolf Henke, sieht das natürlich anders und bezeichnet die von der DKG veröffentlichten Zahlen als "Spiegelfechterei".

Sie seien lediglich dazu gedacht, die bereits laufenden Tarifverhandlungen für die Ärzte an den Universitätskliniken und die in Kürze beginnenden Verhandlungen an den kommunalen Krankenhäusern zu beeinflussen.

"Die Krankenhausärzte in Deutschland sind im Vergleich zu ihren europäischen Kollegen attraktiv und gut bezahlt. Behauptungen, die Vergütungen deutscher Klinikärzte seien nicht wettbewerbsfähig, haben keine Grundlage", kommentiert der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft Georg Baum zwei Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und des Deutschen Krankenhausinstituts.

Diese waren von der Krankenhausgesellschaft in Auftrag gegeben worden. Ziel war es, die Arzteinkommen international vergleichen zu können.

Dabei zeigt sich, dass die deutschen Ärzte keineswegs zu den europäischen Spitzenreitern gehören, aber auch nicht die rote Laterne tragen. Deutlich wird aber, dass, wenn es um das untere Ende der Gehaltsskala geht, die deutschen Ärzte, ob erfahren oder nicht, im europäischen Vergleich relativ gut abschneiden.

Geht es aber um das obere Ende der Gehaltsskala, liegen sie gerade noch im Mittelfeld. So beträgt nach DKG-Angaben das minimale Einstiegsgehalt für einen ledigen Arzt ohne Kinder in Deutschland etwa 29.000 Euro pro Jahr.

Das ist im Vergleich der neun aufgeführten Länder das dritthöchste Einkommen. In der Schweiz kann er mit 36.000 Euro am meisten verdienen, in Frankreich kommen junge Ärzte dagegen nur auf etwa 19.000 Euro Jahresgehalt.

Bei den maximal zu erzielenden Einstiegsgehältern rutscht Deutschland auf der Skala allerdings auf den fünften Rang. So können junge Ärzte in Dänemark bis zu 45.000 Euro pro Jahr verdienen, in Norwegen 38.000 Euro, in Deutschland bis zu 35.000 Euro.

Damit liegen sie aber wieder deutlich vor den französischen Klinikärzten, die es bei einer guten Bezahlung lediglich auf 21.000 Euro bringen.

Ganz erheblich werden die Unterschiede dann aber bei erfahrenen Ärzten mit zwei Kindern. So können diese mit fünf bis acht Jahren Berufserfahrung in der Schweiz bis 78.000 Euro verdienen, in den Niederlanden bis zu 71.000 Euro, in Frankreich bis zu 65.000 Euro und in Deutschland bis zu 57.000 Euro. Schlusslicht ist hier Schweden mit 40.000 Euro. Die genannten Zahlen sind jeweils kaufkraftbereinigte Nettoeinkommen.

MB-Chef Henke hält die aufgeführten Daten für fragwürdig. So würde für die deutschen Gehälter der 15. August 2011 als Stichtag benannt. Für die acht anderen einbezogenen europäischen Länder gebe es dagegen keinen Stichtag.

Hier reiche das Quellenmaterial teilweise mindestens bis zu vier Jahre zurück. Henke geht zudem davon aus, dass die Position der deutschen Ärzte in der Gehaltsrangliste noch schlechter wäre, wenn nicht mit einem seiner Meinung nach zweifelhaften Kaufkraftvergleich gearbeitet worden wäre.

So würden zum Beispiel die norwegischen Gehälter um 28 Prozent abgewertet und so ein Bruttoeinkommen von 60.000 Euro auf eine Kaufkraftparität von unter 32.000 Euro runtergerechnet.

Der Marburger Bund weist auch darauf hin, dass die Einstiegsgehälter für junge Ärzte in Deutschland deutlich unter denen von Berufseinsteigern in naturwissenschaftlich-technischen Einrichtungen liegen.

So zeigten Zahlen der IG Metall, dass die Einstiegsgehälter für Uni-Absolventen in den Bereichen Automobil, Elektro, Maschinenbau oder Telekommunikation auf der Grundlage einer 35-Stunden-Woche im Mittel bei 4117 Euro liegen.

"Selbst bei einer 42-Stunden-Woche und damit einer um 20 Prozent längeren Arbeitszeit bleibt ein junger Uni-Arzt mit monatlich 3892 Euro Einstiegsgehalt deutlich darunter", so der Marburger Bund.

[18.08.2011, 17:00:52]
Dipl.-Med Wolfgang Meyer 
Zahlenspielereien und Taschenspielertricks
Solche Vergleiche untermauern die Richtigkeit des Spruchs mit den selbst gefälschten Statistiken. Ich nehme einfach meine Gehaltszettel aus den 90er Jahren und halte daneben die von heute. Wenn ich als junger
Assistent damals genausoviel verdient habe (in DM) wie heute in Euro als
Facharzt mit über 20 Jahren Berufserfahrung, dann dürfte da etwas aus dem Ruder gelaufen sein! Lag wohl an meiner Unfähigkeit, mit 51 Jahren nicht Chefarzt geworden zu sein, also selber schuld, ich weiß! zum Beitrag »

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