Ärzte Zeitung online, 30.09.2011

Tarifverhandlungen an Unikliniken gescheitert – jetzt drohen Streiks

BERLIN (sun/dpa). Nach rund zwei Monaten sind die Tarifverhandlungen über die Bezahlung für rund 20.000 Ärzte an 23 Unikliniken mit den Ländern gescheitert. Jetzt drohen an den Unikliniken in Deutschland Streiks.

Tarifverhandlungen an Unikliniken gescheitert – jetzt drohen Streiks

Ab dem 7. November drohen an den Unikliniken in Deutschland Ärztestreiks.

© Andreas Kuhn / fotolia.com

Das teilte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) am 30. September in Berlin mit. Die Mitglieder würden kurzfristig zur Urabstimmung über Arbeitskampfmaßnahmen aufgerufen. Diese findet vom 7. bis 20. Oktober statt, ab dem 7. November könnten dann Streiks beginnen.

MB-Chef Rudolf Henke warf der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) eine „unzureichende Kompromissbereitschaft“ vor. „Die TdL war zu keiner Zeit bereit, dem Marburger Bund ein faires Angebot zu machen“, ergänzte MB-Verhandlungsführer Lutz Hammerschlag.

Statt dessen sei in der Sondierung versucht worden, dem MB ein "Tarifdiktat" aufzuzwingen. Das belege, dass die TdL nicht wisse, wie die Realität an den Unikliniken aussehe.

Henke forderte, dass die Uni-Ärzte den Ärzten in den privaten und kommunalen Kliniken umgehend gleichgestellt werden müssten. Nur so ließe sich vermeiden, dass sich "die Probleme bei der Nachwuchsgewinnung und der Akquisition von Fachärzten" nicht verschärften.

Private und kommunale Kliniken zahlen deutlich mehr für Nachtdienste als Uni-Kliniken

Dafür müssten Nachtdienste deutlich besser bezahlt werden. Heute würden zusätzlich 1,28 Euro pro Stunde in der Nacht bezahlt – ein "Mini-Zuschlag" aus MB-Sicht. An privaten und kommunalen Kliniken seien Zeitzuschläge von 15 Prozent vereinbart worden.

Der TdL-Vorsitzende, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), zeigte für den Verhandlungsabbruch kein Verständnis: "Wir waren immer zu angemessenen Verbesserungen bereit und sind dem Marburger Bund am Donnerstag noch einmal weit entgegengekommen."

Das gelte insbesondere für die geforderte Erhöhung der Zuschläge für Nachtarbeit.

Ärzte machen andere Rechnung auf als der Finanzminister

Die Ärzte fordern nach eigener Darstellung 6,3 Prozent mehr Geld. Dies setzt sich aus einer fünfprozentigen linearen Erhöhung und weiteren Verbesserungen zusammen.

Möllring kommt hingegen auf fast zehn Prozent insgesamt – und das sei "nicht darstellbar". Der MB habe seinen Mitgliedern zu große Versprechungen gemacht und sei nicht zu einem tragfähigen Kompromiss fähig, wetterte der TdL-Vorsitzende. Man werde sich vom MB nicht unter Druck setzen lassen.

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