Ärzte Zeitung online, 21.10.2011

97 Prozent: Uniärzte stimmen klar für Streik

Die Patienten von Unikliniken müssen sich wohl auf Unannehmlichkeiten einstellen. Die Ärzte wollen streiken - und zwar bald. Schon in der Vergangenheit haben sie bewiesen: Das kann dauern.

Uniklinik-Ärzte stimmen für Streik

Diese Klinik in Tübingen wurde jüngst bestreikt: nun droht der Arbeitskampf von 23 Unikliniken.

© Tobias Kleinschmidt / dpa

BERLIN (sun). Die Ärzte an 23 deutschen Universitätskliniken wollen ab dem 7. November flächendeckend streiken.

In einer Urabstimmung votierten 97,4 Prozent der Mediziner für einen Arbeitskampf. Dies hat die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) am Freitag in Berlin bekannt gegeben.

Der Marburger Bund hatte die Tarifverhandlungen mit den Ländern für die 20.000 Ärzte an Unikliniken Ende September nach fünf ergebnislosen Verhandlungsrunden für gescheitert erklärt.

Gewerkschaft befürchtet Tarifdiktat

Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) habe sich während der Verhandlungen "keinen Millimeter bewegt", kritisierte Dr. Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des MB.

"Die TdL will uns ein Tarifdiktat aufzwingen, das der hohen Leistungsbereitschaft der Uniklinik-Ärzte in Spitzenmedizin, Forschung und Lehre Hohn spricht."

Die TdL habe noch nicht einmal einen vollen Inflationsausgleich in Aussicht gestellt.

Ärzte bereiten sich auf langen Streik vor

Der MB sei für den Arbeitskampf gut gerüstet. "Die Ärzte haben 2006 bewiesen, dass sie auch einen langen Streik erfolgreich durchstehen", so Botzlar. Der Streik werde solange andauern, bis die TdL ein zustimmungsfähiges Angebot vorlege.

Die Ärzte seien in der Lage, einen Streik so zu organisieren, dass es die Kliniken auch treffe - nicht aber die Patienten. Die Notfallversorgung werde weiterhin gewährleistet.

"Wir holen das raus, was den Ärzten zusteht", ergänzte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer und Verhandlungsführer des MB, Lutz Hammerschlag.

Prozente für Nachtarbeit gefordert

Die Ärztegewerkschaft fordert tarifliche Verbesserungen im Volumen von 6,3 Prozent. Dies setzt sich aus einer fünfprozentigen linearen Erhöhung und weiteren Verbesserungen zusammen.

So sollen die für Nachtarbeit heute zusätzlich gezahlten 1,28 Euro pro Stunde durch einen 25-Prozent-Aufschlag abgelöst werden.

Die TdL reagierte mit Unverständnis auf die Streikankündigung. Diese sei vollkommen unangemessen, sagte der TdL-Vorsitzende und niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring.

TdL findet Streik "unverantwortbar"

Er forderte die Gewerkschaft auf, ihre "unrealistischen Forderungen" zu überdenken und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

"Ein Streik auf dem Rücken der Patienten ist unnötig, ärgerlich und nicht verantwortbar."

Ausgenommen von dem Arbeitskampf, zu dem die Große Tarifkommission nach der Urabstimmung die MB-Mitglieder aufrief, sind nur Hessen und Berlin. Diese beiden Länder gehören nicht der TdL an.

[21.10.2011, 19:56:38]
Maren Reed 
Ärztestreik
Ich kann sicherlich nachvollziehen, dass gerade die Ärzte im Krankenhaus mit den ganzen Notdiensten an den Rand der Belastbarkeit kommen und ich weiß nicht, ob ich im Notfall von einem Arzt operiert werden möchte, der bereits 48 Stunden Dienst hinter sich hat. Dass sie also für bessere Bedingungen streiken wollen - OK. Aber: Mehr Geld für die Ärzte heißt im Umkehrschluss (noch) weniger Geld für die Schwestern und Pfleger, bzw. noch weniger Personal und mehr Einsparungen. Denn irgendwo muss das Geld ja herkommen. Und das Pflegepersonal ist auch am Limit - warum streiken die nicht mal? Im Ausland wird Pflegepersonal deutlich besser bezahlt und höher angesehen als hier - und das verdienen sie auch. zum Beitrag »

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