Ärzte Zeitung online, 15.11.2011

Tote Frühchen kosten Bremer Chefarzt den Job

BREMEN (cben/eb). Nach dem Tod von drei frühgeborenen Babys im Bremer Klinikum-Mitte ist der Chefarzt der betroffenen Kinderklinik, Hans-Iko Huppertz, entlassen worden.

Tote Frühchen kosten Bremer Chefarzt den Job

Klinikum Bremen-Mitte: Der Chef der Kinderklinik muss seinen Hut nehmen.

© Ingo Wagner / dpa

In dürren Worten teilte die die Geschäftsführung der Gesundheit Nord und des Klinikums Bremen-Mitte mit, sie habe den Chefarzt der Prof.-Hess-Kinderklinik und der Klinik für Neonatologie fristlos gekündigt.

Hupperz hatte auch das Amt des Hygienebeauftragten inne, das er bereits vor wenigen Tagen nieder gelegt hatte. Huppertz sei für den betroffenen Bereich verantwortlich gewesen.

"Es hat sich gezeigt, dass eine Weiterbeschäftigung von Professor Huppertz mit dem hohen Qualitätsanspruch des Klinikums Bremen-Mitte und des gesamten Klinikverbunds Gesundheit Nord nicht vereinbar ist", erklärte Gesundheit Nord Geschäftsführer Dr. Diethelm Hansen.

Ursachensuche läuft weiter

Im Klinikum Bremen-Mitte waren 23 Frühchen mit dem Keim Klebsiella pneumoniae besiedelt. Seit August sind drei Kinder gestorben und neun infiziert.

Die Quelle des Keims ist nach wie vor unentdeckt. Die Auswertung der Krankenunterlagen durch das Robert Koch-Institut, das die Neonatologie im Klinikum Bremen Mitte begutachtet hatte, läuft. Die Ergebnisse werden Ende November erwartet.

Die Analyse und Aufarbeitung der Vorfälle habe deutlich gemacht, dass Professor Huppertz als verantwortlicher Chefarzt nicht rechtzeitig Maßnahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung des Keims eingeleitet habe, teilte die Klinik-Holding mit.

Verdacht nicht rechzeitig gemeldet

Offenbar habe er bezüglich des Keimausbruchs eine Fehleinschätzung getroffen und den Ausbruchsverdacht nicht rechtzeitig gemeldet.

Im Interesse einer umfassenden rechtlichen Aufklärung des Sachverhaltes hat die Geschäftsführung der Gesundheit Nord die Staatsanwaltschaft über diesen Schritt informiert, um bei der Aufklärung des Falls mitzuwirken, hieß es.

Der Bremer Senat hat derweil Justizstaatsrat Matthias Stauch mit einer Untersuchung der tödlichen Infektion von Frühchen im Klinikum Mitte beauftragt.

Der Senat habe ein schnelles Aufklärungsinteresse, teilte Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) am Dienstag mit.

Senat will die Staatsanwaltschaft unterstützen

Böhrnsen versicherte, der Senat werde alles tun, um die Staatsanwaltschaft und den parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der am Freitag eingesetzt werden soll, zu unterstützen.

Seit April waren immer wieder frühgeborene Babys auf der Intensivstation des Klinikums Bremen-Mitte mit einem multiresistenten Keim infiziert worden.

Drei Frühchen starben. Das Gesundheitsamt und die Gesundheitssenatorin erfuhren erst mit Verspätung von den Vorfällen. Der für Hygiene zuständige Arzt des Krankenhauses trat zurück.

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