Ärzte Zeitung, 14.12.2011

Hintergrund

Das wünschen sich Ärztinnen für die Zukunft

Wie ihr Berufsleben im Jahr 2020 aussehen soll, haben junge Ärztinnen genau im Kopf. Auf diese Wünsche sollten potenzielle Arbeitgeber eingehen, um attraktiv zu sein, so der Tenor auf dem Kongress "Ärztin 2020 - Perspektiven für die Ärztin von morgen". Vor allem die Kliniken müssten umdenken.

Von Anne-Christin Gröger

Das wünschen sich Ärztinnen für die Zukunft

Neben familienfreundlicheren Arbeitsbedingungen wünschen sich Frauen mehr Berücksichtigung in der Arzneimittelforschung.

© Alexander Raths / shutterstock.com

Verkrustete hierarchische Strukturen in den Kliniken aufzubrechen und damit familienfreundlichere Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte zu schaffen - das sind die wichtigsten Herausforderungen, vor denen die Berufspolitik in den kommenden Jahren stehen wird. Davon ist Dr. Inke-Iria Bruns, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe aus Köln, überzeugt.

Die junge Frau hat kürzlich selbst ein Kind bekommen und weiß, welche Steine jungen Eltern, die in der Klinik arbeiten, in dieser Lebensphase in den Weg gelegt werden.

Kliniken müssen umdenken

Bruns sitzt im Vorstand des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB). Sie fordert, dass bestimmte überkommene Gefüge in der Klinikorganisation aufgebrochen werden, damit junge Mediziner Krankenhäuser in Deutschland auch in Zukunft als attraktive Arbeitgeber ansehen.

Nur so könne die Flucht der gut und teuer ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte aus der kurativen Medizin gestoppt werden.

"Morgenbesprechungen vor acht Uhr, Überstunden, Nacht- und Wochenenddienste - all das kann man auch familienfreundlich organisieren", sagte sie auf dem Kongress "Ärztin 2020 - Perspektiven für die Ärztin von morgen" in Düsseldorf.

"Da muss in den Geschäftsführungen und beim Führungspersonal noch viel passieren."

Familienfreundlicher Arbeitgeber erwünscht

Betriebskindergärten mit an den Schichtdienst angepassten Öffnungszeiten oder das Angebot einer Hausaufgabenbetreuung seien wichtige Voraussetzungen, um den medizinischen Nachwuchs an der Klinik zu halten. "Ein familienfreundlicher Arbeitgeber führt auch zu zufriedeneren Mitarbeitern und einer geringeren Personalfluktuation", sagte sie.

Fortbildungsprogramme auch während der Elternzeit könnten zudem den Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern.Dr. Gabriele Kaczmarczyk, Gastprofessorin an der Berliner Charité, forderte von den Ärztinnen von morgen, sich stärker in berufspolitischen Gremien zu engagieren.

"Obwohl heute schon 60 Prozent der Medizinstudierenden weiblich sind, bleiben die meisten ärztlichen Vereinigungen männerdominiert", sagte sie.

"Es kann nicht so bleiben, dass in Organisationen wie der deutschen Gesellschaft für Senologie oder der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie nur zehn bis 20 Prozent Frauen in den Vorständen und wissenschaftlichen Beiräten zu finden sind."

Frauen wollen in Forschung stärker berücksichtigt werden

Damit die Partizipation der Frauen in den Gremien steigt, ist es jedoch essentiell, dass sich die Ärztinnen Partner suchten, die mit ihnen die Familienarbeit teilten, forderte sie. "Weil Kammerversammlungen und Sitzungen oft spät abends stattfinden, muss es möglich sein, dass auch der Mann einmal zuhause bei den Kindern bleibt."

Neben familienfreundlicheren Arbeitsbedingungen und mehr Beteiligung von Frauen in den berufspolitischen Gremien wünschen sich die DÄB-Medizinerinnen eine stärkere Berücksichtigung von weiblichen Probanten in der Forschung.

"Insbesondere in der Arzneimittelforschung wird der biologische Unterschied gerne negiert und kleingeredet", kritisierte Dr. Regine Rapp-Engels, Ärztin für Allgemeinmedizin und Präsidentin des DÄB.

Stoffwechselunterschiede stärker beachten

Der unterschiedlich verlaufende Stoffwechsel von Männern und Frauen müsse bei der Aufnahme von Medikamenten berücksichtigt werden, auch hormonelle Einflüsse müssten eine Rolle spielen.

"Auch ohne individuelle Genomanalyse wissen wir, dass bei Männern und Frauen etwa bestimmte Leber-Enzyme ungleich verteilt sind, die für die unterschiedliche Aufnahme und chemische Umwandlung von Medikamenten verantwortlich sind", sagte sie.

"Wir hätten viel weniger unerwünschte Nebenwirkungen bei Frauen, weniger Aufwand und geringere Kosten, wenn wir eine nach Geschlecht differenzierende Medizin anwenden würden", sagte sie.

Führungsstellen sollten doppelt besetzt sein

In der Zukunftswerkstatt "Ärztin trifft Ärztin" sprachen die Kongressteilnehmerinnen über Wünsche für 2020 und konkrete Handlungsmöglichkeiten. "In zehn Jahren soll es möglich sein, in Kliniken Führungsstellen doppelt zu besetzen, um auch Frauen in Teilzeit eine Karriere zu ermöglichen", sagte eine junge Frau.

Eine andere Medizinerin ermutigte Paare, schon während des Studiums Kinder zu bekommen, weil es in dieser Zeit viel einfacher sei, Termine familiengerecht zu legen und mit den Lehrveranstaltungen zu vereinbaren.

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