Ärzte Zeitung, 28.11.2011

Ärztinnen - mit Hilfe die Karriereleiter hoch

Viele Ärztinnen geben sich zu wenig selbstbewusst und verspielen so Karrierechancen. Mit Hilfe von Netzwerken könnte sich das ändern, so die Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, Dr. Kirstin Börchers.

Von Anne-Christin Gröger

Ärztinnen: Mit Hilfe die Karriereleiter hoch

Wollen Ärztinnen in die erste Reihe, müssen sie fordernder werden, rät der Deutsche Ärztinnenbund.

© Andres Rodriguez / Fotolia.de

DÜSSELDORF. Ärztinnen, die in Klinik oder wissenschaftlicher Forschung Karriere machen wollen, müssen sich noch stärker in Netzwerken zusammenschließen und sich Mentoren suchen. Dazu ermutigt Dr. Kirstin Börchers, Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes.

"Mit Hilfe einer gestandenen Kollegin oder eines Kollegen kann es viel einfacher sein, eine Karriere stringent zu planen und voranzutreiben", sagte Börchers auf dem Medicakongress "Ärztin 2020 - Perspektiven für die Ärztin von morgen" in Düsseldorf. Viele Kliniken böten ein entsprechendes Programm bereits an, etwa die Charité in Berlin.

Fordernde Kommunikation aneignen

Teil der Unterstützung können Schulungen zum Thema Führungskompetenzen, Selbstvermarktung oder Bewerbungsverfahren sein. Aber auch Rhetorikkurse machen es Medizinerinnen leichter, sich an der Klinik gegen ihre männlichen Kollegen durchzusetzen.

"Frauen formulieren oft passiv und weniger fordernd als Männer", sagte Börchers.

Ihr Credo: Wer seine Kompetenzen gegenüber dem Chefarzt immer im Konjunktiv formuliert - "Ich denke, ich hätte auch die Fähigkeiten für den Job des Oberarztes" - braucht sich nicht zu wundern, wenn der Kollege bei der Stellenbesetzung vorgezogen wird, weil er aktiv gesagt hat: "Ja, ich kann das."

Leistung alleine reicht nicht

Reine Leistung reicht jedoch nicht aus, um Karriere zu machen, weiß Börchers. "Ärztinnen, die hoch hinaus wollen, müssen sich auch an ein paar unsichtbare Spielregeln halten", sagte sie.

Dazu gehört, Augen und Ohren offen zu halten. "Viele Entscheidungen werden im Hinterzimmer unter Männern getroffen", sagte sie. "Wer weiß, wo die Strippen gezogen werden, kann dabei sein und sich ins Gespräch bringen."

Mutig Forderungen stellen

Angesichts des Ärztemangels, der in vielen Kliniken schon Realität ist, sollten Frauen den Mut aufbringen, auch Forderungen an den Arbeitgeber zu stellen.

"Frauen können sich heute vielerorts viel eher leisten, familienfreundliche und flexiblere Arbeitszeiten zu fordern als früher", sagte Börchers. Die verstärkte Abwanderung vieler Kollegen ins Ausland sein ein weiterer Pluspunkt, den Ärztinnen nutzen sollten.

Festes Ziel setzen

"Die Chancen sind so gut wie nie", bestätigte Dr. Gabriele Kaczmarczyk, Gastprofessorin an der Berliner Charité und Mitautorin eines Buch über Karrierestrategien für Ärztinnen.

Dabei sei es wichtig, dass sich die Ärztin ein festes Ziel setze, wo sie in ein paar Jahren beruflich stehen will. "Die Haltung, mal abzuwarten und zu sehen, was sich so anbietet, ist out", sagte sie.

Lesen Sie dazu auch:
Karriere um jeden Preis - das wollen weder Frauen noch Männer

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »