Ärzte Zeitung online, 29.12.2011

Türkische Augenklinik will den Markt aufrollen

Femto-Laserbehandlung für beide Augen ab 1500 Euro - mit diesem Angebot startet die türkische Dünyagöz-Gruppe ihr Worldeye Center in Frankfurt am Main. Worldeye will aber mehr sein als eine Laserklinik.

Von Monika Peichl

Türkische Klinikkette setzt in Deutschland auf hohes Niveau zum günstigen Preis

Worldeye Center in Frankfurt: Hohe Qualität und günstige Preise.

© pei

FRANKFURT/MAIN. Der repräsentative Standort der Klinik am teuren Frankfurter Museumsufer wurde nicht zufällig gewählt - die Dünya Augen GmbH legt Wert auf einen gediegenen Auftritt, wie Geschäftsführerin Selin Selda Peker im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" erläutert.

Die GmbH ist eine Tochtergesellschaft der türkischen Gruppe Dünyagöz, deren Eigentümer, ein Bauunternehmer, zunächst ein Allgemeinkrankenhaus erwarb und sich 1996 für die Spezialisierung auf Augenheilkunde entschied.

Das sei damals in der Türkei ein neues Konzept gewesen, so Peker, zuvor habe es dort nur Allgemeinkrankenhäuser gegeben.

Derzeit betreibt die Gruppe, an der mittlerweile ein Fonds der National Bank of Kuwait mit 30 Prozent beteiligt ist, insgesamt 16 Augenkliniken, in die nach Pekers Angaben bisher etwa 300 Millionen US-Dollar (rund 230 Millionen Euro) investiert wurden.

Weitere Häuse in Europa geplant

2012 soll die Zahl auf 19 Häuser steigen: Dem deutschen Ableger, der den Betrieb im Oktober aufgenommen hat, sollen weitere Kliniken in England, Deutschland, Skandinavien und Osteuropa folgen.

Nach eigener Darstellung sind die Worldeye-Kliniken die größte Augenklinikkette der Welt - und zwar die größte Kette, die das gesamte Spektrum der Augendiagnostik und -behandlung anbietet.

Die Strategie der Gruppe liege, so Peker, darin, ophthalmologische Zentren zu errichten, wodurch sie sich von den Ketten unterscheide, die auf refraktive Chirurgie zur Korrektur von Fehlsichtigkeit spezialisiert sind.

Insgesamt beschäftige Günyagöz etwa 160 Augenärzte, das seien vermutlich mehr, als ganz Holland oder Belgien an Ärzten dieses Faches hätten.

Kette setzt in der Heimat auf Gesundheitstouristen

Jährlich werden laut Peker in den türkischen Günyagöz-Kliniken 30.000 ausländische Patienten behandelt. Diese Gesundheitstouristen können ein Gesamt-Paket für Reise, Unterkunft und Augenbehandlung buchen.

In Köln, Amsterdam und London unterhält die Gruppe Worldeye-Polikliniken, die die Patienten für ihre Vorbereitungsuntersuchungen und Nachkontrollen aufsuchen.

Mit der Frankfurter Klinik hat die Gruppe den ersten Schritt zur Expansion in Europa verwirklicht, sie sei "ein deutsches Krankenhaus für Augenheilkunde", betont die Geschäftsführerin.

Derzeit arbeiten hier drei Augenärzte, drei weitere werden nach Pekers Angaben noch gesucht.

Das Startangebot für die Laserbehandlung solle es nur etwa sechs Monate lang geben, danach werde der Preis auf über 2000 Euro steigen.

Am Markt etablieren will sich die Kette nicht über Kampfpreise am unteren Ende der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), sondern mit umfassender Diagnostik und Therapie auf hohem Qualitätsniveau zu günstigen Preisen.

Günyagöz pflegt eine enge Zusammenarbeit mit dem griechischen Ophthalmologen Professor Ioannis Pallikaris, dem Erfinder der LASIK-Methode, und dessen Abteilung an der Universität von Kreta.

Auch Frankfurt soll von den Klinikaktivitäten profitieren

Günstige Preise könnten die Worldeye-Kliniken schon wegen der Einkaufsmacht bieten, die die Günyagöz-Gruppe aufgrund ihrer Größe besitze, so Peker.

Die in Frankfurt eingesetzten Geräte stammten aus den USA und Deutschland, darunter ein neuartiger Laser, einer von nur zweien dieses Typs in ganz Deutschland.

Für die Frankfurter Klinik sei das Verfahren zur Zertifizierung durch den TÜV Süd angelaufen.

Medizinisches Renommee will das Frankfurter Worldeye Center auch durch eine neue Laseroperationsmethode bei Katarakt erwerben, die in der Türkei gerade eingeführt werde, und durch ophthalmologische Seminare, die alle drei Monate stattfinden sollen.

Auch die Stadt Frankfurt soll vom Worldeye Center profitieren: Die Günya Augen GmbH will Gesundheitstouristen aus Osteuropa, den GUS-Staaten, dem Nahen Osten und sogar aus Großbritannien hierher locken.

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