Ärzte Zeitung online, 31.12.2011

Erstes zertifiziertes Traumanetzwerk in Westsachsen

LEIPZIG (tt). 29 Kliniken in Westsachsen wurden jetzt als Traumanetzwerk zertifiziert. Für die Region Mitteldeutschland ist es eine Premiere, da es das erste Zertifikat in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist.

Der Zusammenschluss ist zudem einer der größten unter den 50 in der ganzen Republik, da durchschnittlich sonst nur rund ein Dutzend Kliniken zusammengeschlossen sind. In den Netzwerken sind Kliniken verbunden, die über eine bestimmte Ausstattung verfügen.

Dazu gehören zum Beispiel ein Hubschrauberlandeplatz, ein Schockraum und eine Blutbank. Zudem können sie rund um die Uhr eine chirurgische Notfallbehandlung bieten.

Professor Christoph Josten, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Leipzig und zugleich Sprecher des neuen Traumanetzwerkes, sagte anlässlich der Zertifizierung in Leipzig, dass "in Westsachsen die Versorgungssituation von Schwerverletzten trotz zum Teil schon bestehender Kooperationen optimierbar" gewesen sei.

"Mit dem Traumanetzwerk können wir jedoch jetzt Diagnostik und Behandlung auf höchstem Niveau garantieren."

Besondere Herausforderung: Große Verteilung

Die 29 Kliniken erstrecken sich über halb Sachsen. Vom Erzgebirge im Süden bis ins Zentrum des Freistaats im Osten. Diese regionale Breite stelle das Netzwerk vor besondere Herausforderungen, erklärte Josten gegenüber der "Ärzte Zeitung".

Im Gegensatz zu vielen anderen Netzwerken, wie etwa im Ruhrgebiet oder in Mecklenburg-Vorpommern, müsse das Netzwerk in Westsachsen gewachsene ländliche und urbane Strukturen vereinen. Vor allem für Rettungsdienste würden sich eingeübte Verfahren ändern.

In einer verbesserten Koordination der Kliniken untereinander sieht auch Dr. Erhardt Weiß, Chefarzt der Unfallchirurgie der Helios-Klinik im erzgebirgischen Aue, den größten Gewinn durch das Netzwerk.

"Wir wissen, dass zwei Drittel der vermeidbaren Todesfälle beim Polytrauma durch Managementfehler auftreten, Behandlungs- und Diagnostikfehler spielen eine untergeordnete Rolle", sagte er.

Effektive Reaktion bei MANV

"Deshalb liegt der Schlüssel der Verbesserung der Behandlungsergebnisse in der Verbesserung der Logistik." In seiner Klinik seien inzwischen alle "Verlegungswege vorgebahnt", geht es um die Verlegung in das überregionale Traumazentrum in Leipzig.

Hauptgedanke eines Traumanetzwerks, so Josten, sei der einzelne Patient und die Verbesserung seiner Versorgung. Freilich ginge es beim neuen Netzwerk aber auch darum, effektiver bei Massenunfällen reagieren zu können, der Unfallchirurg verwies dabei auf den Flughafen in Leipzig.

Mit der Zertifizierung der westsächsischen Kliniken habe man zwar schon einen weiten Weg zurückgelegt, aber noch nicht den ganzen. So erwähnte er Modellprojekte in anderen Traumanetzwerken, in denen die Kliniken telematisch untereinander verbunden sind.

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