Ärzte Zeitung, 17.04.2012

Appell an Ärztinnen: "Lassen Sie sich nicht unterbuttern!"

Appell an Ärztinnen im Beruf: "Lassen Sie sich nicht unterbuttern!"

Berufswunsch Nummer 1 bei Abiturientinnen ist weiter Ärztin. Das drückt sich in den Studienzahlen aus. Aber noch nicht bei der Karriere.

WIESBADEN (ger). Der Trend zu einer zunehmend von Frauen dominierten Medizin ist auch beim Internistenkongress in Wiesbaden deutlich spürbar gewesen.

"Der Ärztin gehört die Zukunft", sagte der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Frank Ulrich Montgomery beim Forum "Chances".

Befragt nach ihrem Berufswunsch stehe der Arztberuf bei den jungen Frauen mit Abitur weiterhin auf Platz 1, bei jungen Männern dagegen erst auf Platz 9. Das spiegele sich auch in den Zahlen bei den Studienanfängern. 70 Prozent von ihnen seien mittlerweile Frauen, so Montgomery.

Sie sei den Begriff "Feminisierung der Medizin" mittlerweile fast leid, äußerte sich Professor Elisabeth Märker-Hermann von den Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden beim Kongress.

"Es kann nicht beim Bild der kommunikativen Ärztin, die sich empathisch um ihre Patienten kümmert, stecken bleiben", betonte Märker-Hermann. Vielmehr müssten Ärztinnen auch in leitende Positionen gelangen.

Behandlung zweiter Klasse?

Aus diesem Grund biete die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin auch Mentoring-Veranstaltungen für eine akademische Karriere an.

"Lassen Sie sich nicht unterbuttern", appellierte auch Dr. Michael Denkinger vom Jungen Forum im Bund Deutscher Internisten (BDI) an die Ärztinnen. Das Junge Forum im BDI sieht sich als Interessenvertretung für Nicht-Fachärzte, also Studenten und Assistenzärzte, die Internisten werden wollen.

Er berichtete von einer Klinik, in der bei Forschungsarbeiten die Arbeitsteilung immer noch traditionell laufe: Ärztinnen seien dann zuständig für die Erfassung der Daten, weil sie nach Meinung des Chefarztes, "sorgfältiger arbeiten".

Für die Auswertung seien dann die männlichen Ärzte und der Chefarzt zuständig. Das müsse sich keine Ärztin mehr gefallen lassen, betonte der Jungmediziner.

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