Ärzte Zeitung, 29.09.2012

Orientierungswert

Kliniken im Clinch mit Kassen

WIESBADEN (dpa). Der neue Richtwert für die finanziellen Zuwendungen der Kassen an die Krankenhäuser sorgt bei den Verhandlungsparteien für Streit.

Die Kliniken mussten für Personal und Sachausstattung von Juli 2011 bis Ende Juni 2012 im Schnitt zwei Prozent mehr ausgeben als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Der sogenannte Orientierungswert wurde zum ersten Mal veröffentlicht. Er soll künftig als Steuerungsgrundlage für die Gesundheitsausgaben in Krankenhäusern dienen. Die Personalkosten legten demnach im betreffenden Zeitraum um 1,9 Prozent zu, die Sachkosten etwas stärker um 2,2 Prozent.

Zwei Prozent decken nicht einmal die Inflationsrate

Kritik kam von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Der ermittelte Orientierungswert sei mit zwei Prozent weit weg von der tatsächlichen Kostenbelastung, die Krankenhäuser aktuell und im kommenden Jahr hätten. "Die Krankenhäuser brauchen Preiserhöhungsspielräume, die die Kostenbelastung in 2013 realistisch widerspiegeln", sagte DKG-Präsident Alfred Dänzer.

Zwei Prozent deckten nicht einmal die Inflationsrate ab. "Ohne Hilfe des Gesetzgebers droht den Krankenhäusern in 2013 eine Finanzierungskatastrophe", sagte Dänzer.

GKV: Schreckensbild fern der Realität

Der GKV-Spitzenverband wies die Kritik zurück. "Die Krankenhausgesellschaft malt ein Schreckensbild an die Wand, welches fern der Realität ist", sagte Sprecher Florian Lanz. Der Orientierungswert zeige, dass die tatsächlichen Kostensteigerungen der Kliniken viel geringer seien als behauptet.

Bislang war die Ausgabensteigerung für Klinikleistungen durch die Einnahmenentwicklung der GKV gedeckelt. Der Orientierungswert soll nach dem Willen der Bundesregierung die tatsächliche Kostenentwicklung der Kliniken genauer abbilden. Er wird aus bereits vorhandenen statistischen Daten wie der Verdiensterhebung, der Preisentwicklung und dem Kostennachweis der Krankenhäuser errechnet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »