Ärzte Zeitung, 28.11.2012

Katar & Co

Petro-Dollar für die Gesundheit

Einige Staaten des Mittleren Ostens setzen bei der Gesundheitsversorgung verstärkt auf westliche Medizintechnik und Ärzte. Dabei werden Milliarden aus dem Ölgeschäft in Healthcare investiert.

Von Matthias Wallenfels

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Das Sidra Medical and Research Center in Doha soll nach seiner Fertigstellung medizinische Exzellenz am Persischen Golf bieten.

© Sidra/Qatar Foundation

Arabisches Ambiente kombiniert mit westlicher Spitzenmedizin inklusive modernster Medizintechnik - auf dieses Modell setzen immer mehr Staaten am Persischen Golf.

Exemplarisch dafür steht das im Bau befindliche Sidra Medical and Research Center in der katarischen Hauptstadt Doha. Nach Klinikangaben geht die Idee für das Projekt auf Sheika Moza bint Nasser aus der königlichen katarischen Familie zurück.

Nach bint Nassers Vorstellung soll das Sidra nach seiner Fertigstellung zu den weltweit führenden Forschungskrankenhäusern zählen.

Um diesen Erfolg zu garantieren, wurde Professor Joachim Dudenhausen, ehemaliger Leiter der Klinik für Geburtsmedizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin, von Katar verpflichtet.

Klinik soll zur Weltspitze zählen

Der für seine Verdienste um die perinatale Medizin mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnete Experte für Geburtshilfe und Gynäkologie soll als Head of Medical Services dafür sorgen, dass das öffentlich abgegebene Leistungsversprechen eingehalten wird.

"Sidras Mission ist es, neue regionale und globale Standards im Bereich der Gesundheit von Frauen und Kindern zu setzen. Das soll durch die Versorgung in der Klinik, Forschung und Gesundheitserziehung erfolgen", erläuterte Dudenhausen seine Zielvorgabe anlässlich der weltgrößten Medizinmesse Medica in Düsseldorf.

Den Fokus soll Sidra vornehmlich auf die Bereiche Geburtshilfe und Pädiatrie legen. Bis 2015, so das Ziel, sollen 9300 Schwangere aus der gesamten Golfregion als Patientinnen die Angebote der Hochleistungsklinik in Anspruch nehmen.

Im Portfolio sollen dann unter anderem die Reproduktionsmedizin sowie die pädiatrische Onkologie, Traumatologie und Chirurgie sein.

Das finanzielle Fundament für das Sidra-Projekt baute die Qatar Foundation, eine unabhängige private Non-Profit-Organisation. Sie ließ laut Sidra 7,9 Milliarden US-Dollar springen.

Dafür soll Sidra dazu beitragen, Katar, das nur halb so groß wie Hessen ist, als weltweit führend bei der innovativen Erziehung und Forschung zu implementieren.

Wie in vielen anderen Staaten der Region auch ist die Gesundheitsversorgung für Einheimische wie Expatriates kostenlos. Katar setzt dabei auf Spitzenmedizin, wenn auch die Investitionen des öffentlichen Sektors vor diesem Hintergrund eher bescheiden anmuten.

Gesundheitskosten steigen immens

Nach Angaben der Deutschen Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest (gtai) verzeichnete der Supreme Council of Health (SCH) bei den Ausgaben des katarischen Gesundheitssektors für 2011 mit umgerechnet 3,32 Milliarden US-Dollar eine Steigerung gegenüber Vorjahr um 27 Prozent.

Dabei trug der öffentliche Sektor 2011 mit umgerechnet 2,56 Milliarden US-Dollar rund 77 Prozent der Gesundheitskosten. Für investive Zwecke seien dabei 580 Millionen US-Dollar aufgewendet worden.

Der Löwenanteil sei dabei mit 430 Millionen US-Dollar auf Bauinvestitionen entfallen, für Medizintechnikanschaffungen gab es vom Staat 110 Millionen US-Dollar. Für IT und sonstige Anschaffungen waren 40 Millionen US-Dollar drin.

Die Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben erhöhten sich laut gtai von 1561 US-Dollar in 2010 auf 1920 im vergangenen Jahr. Aufgrund des hohen Bevölkerungsanteils von "gesunden" Gastarbeitern unter 45 Jahren, die sich ohne Familienanhang in Katar aufhalten, lasse sich der Pro-Kopf-Wert aber nicht mit dem anderer Staaten vergleichen.

Der SCH habe deshalb die tatsächliche Bevölkerungszahl von 1,73 Millionen (2011) auf 950.000 "bereinigt". Somit seien im vergangenen Jahr in Katar Gesundheitsausgaben von 3496 US-Dollar je Kopf angefallen.

Auch Dubai setzt auf deutsche Ärzte

Deutsches medizinisches Know-how ist auch in Katars unmittelbarer Nachbarschaft gefragt. So setzen die Vereinigten Arabischen Emirate auf deutsche und andere westliche Fachärzte. Exemplarisch hierfür steht die Dubai Healthcare City.

Das nach eigenen Angaben größte zusammenhängende Gesundheitsareal der Welt beherbergt mehr als 100 medizinische Einrichtungen und setzt auf Spitzenmedizin(technik), um so auch ein Stein im Brett zu haben bei Medizin-Touristen aus aller Welt (wir berichteten).

Saudis wollen vor allem die Technik

Auch Saudi-Arabien legt großen Wert auf die Gesunderhaltung seiner Bevölkerung und investiert laut einer aktuellen Studie des Deutschen Orient-Instituts 19 Prozent des Staatshaushaltes in den Gesundheitssektor.

Im aktuellen Fünf-Jahres-Plan, der bis 2014 reicht, sind laut Studie umgerechnet 46,4 Milliarden Euro für Gesundheitsausgaben vorgesehen. Bis 2016 sollen 138 neue Kliniken entstehen.

Allerdings fokussiert das streng wahhabistisch geprägte, autoritativ geführte Land eher die westliche Medizintechnik denn Ärzte aus Europa oder den USA.

Bei der Gesundheitsversorgung am Golf hinkt Kuwait indes hinterher. Laut gtai stagniert die Zahl der staatlichen Kliniken seit Jahren bei 15. Die Bettenzahl habe 2010 bei knapp über 7000 gelegen.

Um die Kapazitäten zu erhöhen, habe das Gesundheitsministerium das "Eight Hospitals Program" aufgelegt, das für 5000 zusätzliche Betten sorgen soll. Das Investitionsvolumen belaufe sich auf umgerechnet 2,4 Milliarden US-Dollar.

Für weitere 2,6 Milliarden US-Dollar plane das Arbeitsministerium den Bau von vier weiteren Kliniken. Zudem setze Kuwait künftig bei der Gesundheitsversorgung auf das Engagement privater Investoren.

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