Ärzte Zeitung, 29.01.2013

Leitartikel zu Op-Zahlen

Das Op-Maß ist gar nicht geeicht

Greifen Chirurgen in Deutschland zu schnell zum Messer? Der internationale Vergleich deutet darauf hin, ist aber ziemlich windschief. Die Alternativen - neue Methoden der Qualitätssicherung - sind noch nicht ausgereizt.

Von Fritz Beske

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Zu schneller Griff zum Messer? Harte Belege für eine solche Behauptung existieren nicht.

© iStockphoto.com

Es wird zu viel operiert in Deutschland, so schallt es in allen Medien. Sprachlich bedeutet zu viel, dass mehr operiert wird als notwendig, als medizinisch begründet.

Das bedeutet zunächst, dass bekannt ist, welches denn die richtige Zahl an Operationen ist, die Zahl also, gegen die gemessen wird mit dem Ergebnis, dies ist zu viel.

Derartige Zahlen, derartige Normen sind jedoch nicht bekannt, für keine der diskutierten Operationen, in Deutschland nicht und auch nicht im Ausland.

Zugrunde gelegt wird ausschließlich ein internationaler Vergleich. In anderen Ländern wird weniger operiert als in Deutschland.

Die Norm, gegen die gemessen wird, ist also keine wissenschaftliche Begründung, sondern die Feststellung, dass in anderen Ländern weniger operiert wird. Schlussfolgerung: In Deutschland wird zu viel operiert.

Wenn dies so einfach wäre. Abgesehen von möglicherweise unterschiedlichen Altersstrukturen mit einem unterschiedlichen Bedarf an medizinischen Leistungen spielen finanzielle Aspekte eine entscheidende Rolle.

So könnte zum Beispiel auch gesagt werden, dass in anderen Ländern Unterversorgung besteht, dass zum Beispiel nicht jeder, der eine Endoprothese benötigt, eine neue Hüfte zum Beispiel oder ein neues Knie, diese Endoprothese auch erhält, und zwar zeitnah, wie dies in Deutschland der Fall ist ...

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