Ärzte Zeitung, 01.02.2013

Skandal um Honorararzt

SLK-Kliniken geben Entwarnung

Im Fall um den niederländischen Skandalarzt haben die Heilbronner SLK-Kliniken nun erste Ergebnisse ihres Prüfverfahrens bekannt gegeben. Und atmen auf: Patienten seien nicht zu Schaden gekommen.

Von Ingeborg Bördlein

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2011 und 2012 half der niederländische Skandalarzt in der Neurologie der SLK-Kliniken aus.

© Thomas Niedermüller / dpa

HEILBRONN. Die Heilbronner SLK-Kliniken, die den niederländischen Skandalarzt Dr. J. S. beschäftigt hatten und seither nicht aus den negativen Schlagzeilen herauskommen, versprachen schnellste Aufklärung.

Nun wurde zu einer Pressekonferenz gebeten, das Medieninteresse war riesengroß. Mit Erleichterung stellten der Klinik-Aufsichtsratsvorsitzende und Heilbronner OB Helmut Himmelsbach sowie der SLK-Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges fest: Während der Tätigkeit des niederländischen Neurologen als Honorararzt in Heilbronn 2011 und 2012 sei kein Patient zu Schaden gekommen.

Zu diesem Ergebnis seien die ärztlichen Gutachter der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg nach Prüfung von 443 Patientenakten gekommen.

Die Patienten waren von dem Niederländer behandelt worden, der sich in seiner Heimat unter anderem wegen zahlreicher folgenschwerer Fehldiagnosen und Untreue vor Gericht verantworten muss.

In elf Fällen kommen die Heidelberger Gutachter zu dem Schluss, dass die Behandlung als medizinisch noch nicht ausreichend plausibel zu bewerten sei. 13 Patienten hatten sich direkt bei den SLK-Kliniken gemeldet.

Deren Krankenakten seien ebenfalls umgehend geprüft worden. Sieben Fälle gingen bei der Heilbronner Staatsanwaltschaft ein, die die Krankenakten von den Heidelberger Uni-Neurologen ebenfalls überprüfen ließ. Nach deren Angaben befinde man sich hier noch im Stadium der Vorermittlungen.

Zwei weitere Honorarärzte betroffen

Klärungsbedarf gibt es auch bei zwei weiteren Honorarärzten. So hat ein zweiter Neurologe, der auf Honorarbasis an einem Haus des SLK-Klinikverbundes am Plattenwald gearbeitet hat und auf dem Klinikgelände in einem Rauschzustand von der Polizei aufgegriffen wurde, ohne Approbation gearbeitet.

Und ein Chirurg aus den Niederlanden, der in weiteren Häusern des SLK-Klinikverbundes tätig war, steht im Verdacht, schwere Behandlungsfehler, zum Teil mit Todesfolge, in Kliniken seiner Heimat und auch in Deutschland begangen zu haben.

In diesen beiden Fällen stehen den Angaben zufolge die Überprüfungen der Patientenakten während ihrer Tätigkeit bei Häusern der SLK-Kliniken noch an.

Die SLK-Verantwortlichen räumten Schwachstellen in den Abläufen der SLK-Personalverwaltung ein. "Insbesondere die Zusammenarbeit mit kurzzeitig beschäftigten Ärzten zur Überbrückung von Personalengpässen kristallisierte sich als verwundbarer Punkt heraus", erklärte der Geschäftsführer.

Die Ärzte waren unter anderem von einer Berliner Vermittlungsagentur vermittelt worden. Mit ihr wurde die Zusammenarbeit inzwischen aufgekündigt, teilte Jendges mit. Externe Berater, die hinzugezogen worden sind, haben ein Instrumentarium entwickelt, wie solche Fehleinstellungen künftig verhindert werden könnten.

Hier nannten die Berater auch die Recherche in Internetsuchmaschinen wie Google. Dass dies in Heilbronn nicht geschehen ist, hat die niederländische Gesundheitsministerin bereits kritisiert.

Hier kontert der SLK-Aufsichtsratsvorsitzende, es sei nicht nachvollziehbar, warum die holländischen Behörden nicht selbst früher aktiv geworden sind und so möglicherweise eine weitere Berufsausübung des in den Niederlanden mit schweren Anschuldigungen konfrontierten ArztesDr. J.S. verhindert haben.

Himmelsbach sieht es nun als Aufgabe der Politik, Mechanismen zu schaffen, mit welchen die Gültigkeit von Arztzulassungen in Europa grenzüberschreitend sichergestellt werden kann.

Das baden-württembergische Sozialministerium will jetzt erreichen, dass in den Bundesländern Ärzte erfasst werden können, denen die Berufsausübung untersagt oder gegen die ein Strafverfahren läuft.

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