Ärzte Zeitung online, 12.09.2013

Krankenhäuser

Prekäre Situation trotz Finanzhilfe

Nur eines von zehn Krankenhäusern ist hierzulande in der Lage, seine Zukunft aus eigener Kraft zu sichern, hat der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands ermittelt. Die Rettung könnte eine Reform des DRG-Systems bringen.

Von Sunna Gieseke

BERLIN. Die Lage der Krankenhäuser bleibt angespannt: Vor allem die Versorgung in der Fläche sei nicht zukunftsfest. Davor hat der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) am Mittwoch in Berlin gewarnt.

"Im vergangenen Jahr haben 46,1 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser mit einem Defizit abgeschlossen", sagte VKD-Präsident Dr. Josef Düllings.

Er bezog sich auf die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung des VKD. Mehr als 1800 aktive Mitglieder seien dazu zwischen April und Mai 2013 angeschrieben worden.

Die Rücklaufquote lag jedoch lediglich bei 17 Prozent.

Dennoch ließen sich aus den Rückmeldungen die wesentlichen Trends ableiten, sagte Düllings.

Demnach ist vor allem die Lage der kleineren Krankenhäuser wirtschaftlich instabil: Bei den Allgemeinkrankenhäusern der Grundversorgung mit weniger als 250 Betten schlossen laut Umfrage 53 Prozent mit einem Defizit ab.

Investitionsförderung zu knapp bemessen

Die Investitionsförderung der Länder reiche zum Erhalt der Substanz nicht aus, betonte der VKD-Präsident. Daher zahlten die Klinken Investitionen immer häufiger aus dem erwirtschafteten Betriebsergebnis. Eine Umsatzrentabilität von mindestens vier Prozent sei notwendig, um die Infrastruktur zu erhalten.

"Nach unserer Umfrage lag der Anteil der Häuser, die diesen Wert erreichten, bei gerade einmal 11,6 Prozent", sagte Düllings. Damit sei nur eines von zehn Krankenhäusern in der Lage, seine Zukunft aus eigener Kraft zu sichern.

Die vom Bundestag beschlossenen Finanzhilfen verschafften den Kliniken nur kurzfristig Luft: "Ab 2015 wird der überwiegende Teil der Hilfen wieder entfallen", so Düllings. Tariflöhne und Sachkosten würden dagegen weiter steigen.

Er prognostizierte der neuen Bundesregierung großen Handlungsdruck: Sie müsse zügig die nötigen Voraussetzungen für eine zukunftsfeste Krankenhausversorgung schaffen, forderte der VKD-Präsident.

Vor allem sei eine Reform des DRG-Systems notwendig. Schließlich seien die Defizite zu einem Großteil systembedingt. Kleine Krankenhäuser der Grundversorgung seien massiv benachteiligt und mehrheitlich in ihrem Bestand gefährdet.

Sie müssten den ihnen zugewiesenen Versorgungsauftrag erfüllen, erhielten aber im Fallpauschalensystem keine Refinanzierung.

Düllings forderte, dass die Gewährung eines Sicherstellungszuschlags erleichtert werden müsse. Eine entsprechende Regelung gebe es zwar schon, doch handele es sich eher um ein "Verhinderungsprogramm".

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