Ärzte Zeitung, 20.09.2013

Niedersachsen

Kliniken fordern höheren Basisfallwert

Trotz des Hilfspakets der Bundesregierung sehen viele Kliniken in Niedersachsen für ihre Zukunft schwarz.

BRAUNSCHWEIG/HILDESHEIM. Der niedersächsische Krankenhausindikator für das Jahr 2012 brachte es an den Tag: Zwei Drittel der Krankenhäuser im Bundesland haben im vergangenen Jahr keine Gewinne gemacht. Die Zahlen des ersten Quartals 2013 lassen noch Schlimmeres befürchten.

Mehr als 50 Prozent der Krankenhäuser mussten im Geschäftsjahr 2012 Verluste hinnehmen. Auch im ersten Quartal 2013 hat die Hälfte der Krankenhäuser rote Zahlen geschrieben, hat die jüngste Berechnung ergeben.

"Insgesamt zwei Drittel der Krankenhäuser sind in Schieflage geraten", sagt Olaf Klok, Geschäftsführer des Hildesheimer St. Bernward Krankenhauses der "Ärzte Zeitung".

Die Zahl der Krankenhäuser, die einen positiven Abschluss erreichen konnten, ist 2012 auf unter ein Drittel gesunken. "Die Prognose für das Gesamtjahr lässt darauf schließen, dass es 2013 nicht einmal mehr ein Viertel sein wird", hieß es.

Landesbasisfallwert 84 Euro unter dem Bundesschnitt

Ein Grund für die Misere sei, dass die flächendeckend zu niedrigen Vergütungen für Krankenhausleistungen es einem durchschnittlichen Krankenhaus nicht mehr ermöglichen, seine Kosten zu decken, teilten die Vertreter der Krankenhäuser in den Bezirken Braunschweig und Hildesheim nach einer Sondersitzung mit.

Tatsächlich liegt der Landesbasisfallwert im Nordwesten im laufenden Jahr bei 3016 Euro und damit 84 Euro unter dem Bundesschnitt.

Immer wenn die neuen Tarifabschlüsse verhandelt sind, kommt es für die Klinikchefs zum Schwur.

Klok: "Bei festgelegten Erlösen sind die Kosten nicht gedeckt. Steigerungen, insbesondere bei den Personalkosten, müssen bezahlt werden. Das ist zur Zeit nicht der Fall und führt neben anderen Faktoren zu den finanziellen Problemen der niedersächsischen Krankenhäuser."

Klok und seine Kollegen fordern deshalb einen höheren Landesbasisfallwert. "Wir in Hildesheim haben 26.000 Behandlungsfälle im Jahr. Da müssen wir uns eine Menge einfallen lassen, um mit so wenig Geld die gleiche Leistung zu erbringen, wie andere, besser gestellte Häuser." Dabei geht es dem Hildesheimer Klinikum noch vergleichsweise gut.

Millionen-Verlust beim Klinikum Wolfsburg

Das Klinikum Wolfsburg, zuvor ein Unternehmen mit schwarzen Zahlen, fuhr 2012 bei einem Jahresumsatz von knapp 100 Millionen Euro "fünf Millionen Euro Verlust ein und in diesem Jahr werden es wohl vier Millionen werden", sagt Geschäftsführer Wilken Köster.

Knapp könnte es den Angaben zufolge auch im Klinikum Braunschweig werden. "Wir haben im letzten Jahr nur 600.000 Euro plus gemacht", sagt Krankenhaussprecherin Marion Lenz. Dies sei für einen Maximalversorger mit rund 1400 Betten und rund 250 Millionen Euro Jahresumsatz sehr wenig.

Mit dem NKG-Indikator befragt die Krankenhausgesellschaft seit Jahren die Geschäftsleitungen in Niedersachsen nach ihrer wirtschaftlichen Lage. (cben)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »