Ärzte Zeitung, 11.10.2013

Uni Halle

Diskussion um Erhalt wird rauher

Die Fronten in Sachsen-Anhalt über die Zukunft der Medizinfakultät in Halle bleiben verhärtet.

Diskussion um Erhalt wird rauher

Gegen die Schließung wurde in Halle bereits mehrfach demonstriert.

© Hendrik Schmidt / dpa

HALLE. In der Diskussion um die Schließung der Universitätsmedizin in Halle haben die Mitarbeiter nun eigene Spar-Vorschläge vorgelegt.

Mit den Strukturveränderungen sollen nicht nur die Kosten in Höhe von fünf Millionen Euro freigesetzt werden, vor allem solle "das Profil verändert werden, damit das Land stolz sein kann auf die Universitätsmedizin in Halle", so Dekan Professor Michael Gekle.

Die eingesparten Gelder sollten deshalb in den Standort reinvestiert werden. Eine Konzentration der Unikliniken an weniger Standorten solle darüber hinaus Effizienz und Wirtschaftlichkeit erhöhen. Die Rede ist von mindestens 3,7 Millionen Euro jährlich.

Gedanken um Schließung von Kliniken und Lehrbereichen

"Wir akzeptieren, dass die Medizin zur Konsolidierung beitragen muss und wollen unseren Beitrag leisten", so Gekle. "Wir brauchen dazu einen Korridor von zehn Jahren."

Bekannt geworden ist mittlerweile, dass in der Uni Halle zugleich über die Schließung von Kliniken und Lehrbereichen nachgedacht wird.

Genannt werden in diesem Zusammenhang Nuklearmedizin, Kinderchirurgie und pädiatrische Kardiologie und Neurochirurgie. Kompensiert werden sollen die hier erbrachten Leistungen durch Kooperationen unter anderem mit Schwerpunktkrankenhäusern in Halle und Merseburg.

Zur Disposition sollen zudem die Lehrinstitute für Klinische Pharmakologie, Chemie, Medizinische Mikrobiologie, Hygiene, das Zentrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie sowie auf das Institut für Umwelttoxikologie stehen.

Demonstrationen in Halle

An der Medizinischen Fakultät werden 2200 angehende Ärzte, Zahnärzte sowie Gesundheits- und Pflegewissenschaftler ausgebildet. Nach Angaben der Uniklinik bleiben 60 Prozent von ihnen nach Studienabschluss in Sachsen-Anhalt.

"Fällt die Fakultät der Rotstiftpolitik des Landes zum Opfer, wird der Ärztemangel bewusst weiter forciert", so Dekan Gekle. "Beide Unikliniken sind neben Lehre und Forschung auch für die Versorgung der Menschen notwendig."

Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) aber, der bei den Hochschulen rund 50 Millionen Euro einsparen will, hat die Hochschulmedizin der Saalestadt in den vergangenen Monaten in Frage gestellt.

Gegen eine Schließung wurde in Halle bereits mehrfach demonstriert. Doch gemeinsame Aktionen beider Unis in Magdeburg und Halle gibt es nicht.

Gekle: "Wir sind im Kampf. Es ist Krieg." Während Halle Sparvorschläge vorlegt, wird in Magdeburg der Ruf nach mehr Geld lauter.

"20 Jahre Dornröschenschlaf"

Dekan Gekle ist optimistisch, dass der Standort Halle bleibt. "Zugegeben, hier wurde 20 Jahre lang ein Dornröschenschlaf gehalten. Doch was wir seit 2010 aufgebaut haben, kann sich sehen lassen."

Das gelte für die Ausbildung von Allgemeinmedizinern oder Gesundheits- und Pflegewissenschaftlern ebenso wie für die Stammzellenforschung oder das Proteinforschungszentrum, in das Bund und Land knapp 40 Millionen Euro investieren. (zie)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »